Geschichts-AG des Gamma

Der Wunsch nach Freiheit

Für einen Abend war sie wieder da – die Mauer, die Ost- und Westdeutschland trennte. Mit ihrem neuen Theaterstück ließ die Geschichts-AG des Gamma Erinnerungen an das Leben in der DDR wieder aufleben.
05.06.2019, 15:54
Lesedauer: 2 Min
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Von Lukas Warnecke
Der Wunsch nach Freiheit

Die Charaktere, die die Schüler in ihrem Theaterstück verkörperten, basierten alle auf realen Personen.

Jonas Kako

Die Teilung Deutschlands wurde eigentlich vor 30 Jahren beendet. Am Dienstagabend wurde die Berliner Mauer jedoch von der Geschichts-AG des Gymnasiums am Markt (Gamma) im Achimer Kasch wieder aufgebaut – wenn auch nur in Form einer roten Linie auf dem Boden. „Wende in Naumburg“ ist der Titel des neusten Stückes der Theatergruppe, es handelt vom Zusammenbruch der DDR und ist eine Neuaufführung des allerersten Stückes, das der Geschichtslehrer und AG-Leiter Michael Müller jemals mit seiner Geschichts-AG am Gymnasium aufgeführt hatte.

Die Aufregung war den jungen Darstellern am Abend der Premiere deutlich anzusehen. Viele von ihnen standen am Dienstagabend zum ersten Mal vor einem größeren Publikum auf der Bühne. 15 Darsteller der insgesamt 18 AG-Mitglieder waren erst im vergangenen Jahr zur Gruppe dazugestoßen. Nach einigem Durchatmen konnte es für die jungen Schauspieler schließlich losgehen mit der Geschichte, die unter anderem von Sabine und Vera handelte. Die beiden sind beste Freunde. Doch der Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 trennt die beiden Mädchen und das, obwohl sie direkt nebeneinander wohnen.

Die Wände haben Ohren

20 Jahre später haben die beiden selbst Kinder. Während Sabine im Westen die DDR fast vollständig ignoriert, setzt sich Vera im Osten für ihre Freiheit ein. Gemeinsam mit einem gütigen Pfarrer sucht sie nach Gleichgesinnten, organisiert Widerstände gegen die Regierung und tut alles für den Fall der Mauer. Schon bald muss Vera jedoch am eigenen Leib spüren, dass die Augen der Staatssicherheit beinahe überall hinblicken. „Die Wände haben Ohren“, heißt es an einer Stelle in dem Stück.

Wie auch in den Jahren zuvor legte die Geschichts-AG auch bei ihrer jüngsten Produktion großen Wert auf die historische Genauigkeit ihres Stückes. So basieren beispielsweise alle Figuren des Widerstandes gegen die sozialistische Regierung auf realen Personen. Besonders die Themen Überwachung, Erpressung und Manipulation wurden in vielen Szenen intensiv behandelt. Kindern wurde damals Bildung vorenthalten, wenn ihre Eltern nicht für die Staatssicherheit ihre Mitmenschen ausspionierten und Paranoia waren an der Tagesordnung.

Politiker bekommen ihr Fett weg

Viele der älteren Zuschauer dürften einige bekannte historische Szenen und Zitate wie „Wir sind das Volk!“ schnell wiedererkannt haben. Doch nicht alle historischen Persönlichkeiten wurden von den Schülern mit so viel Respekt behandelt. Gerade bekannte politische Persönlichkeiten wie Erich Honecker oder Helmut Kohl, der im Stück seine Mitbürger gerne als Untertanen betitelte, bekamen ordentlich ihr Fett weg.

Das Publikum setzte sich bei der Premiere des Theaterstücks aus ganz unterschiedlichsten Leuten zusammen. Familienmitglieder, Freunde, Lehrer und ehemalige Mitglieder der Geschichts-AG sorgten dafür, dass der blaue Saal des Kasch an diesem Abend gut besucht war. Schon während der Aufführung zeigten die Zuschauer mit Applaus mitten in den Szenen ihre Begeisterung. Diese hielt auch am Ende des Abends noch an. „Ein sehr modernes Stück, das sehr gut interpretiert war“, lautete beispielsweise die positive Meinung einiger Besucher.

Viele Zuschauer konnten auch einen Teil ihrer eigenen und ganz persönlichen Familiengeschichte in „Wende in Naumburg“ wiederfinden. „Ich habe das alles wiedererkannt„, bestätigte etwa ein Gast. Auch Geschichtslehrer Michael Müller zeigte sich sehr zufrieden mit seiner neuen Truppe. „Es war eine Aufführung wie aus einem Guss“, sagte er nach der Premiere. Am stolzesten zeigte er sich aber über den Zusammenhalt der Schauspieler: „Der wahre Star an diesem Abend war die Mannschaft.“

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