Gegen Steingärten

„Die Fußgängerzone ist eine Steinwüste“

Die SPD/Mindermann-Gruppe wagt in Achim einen Vorstoß gegen Schottergärten. Die Verwaltung steht dem durchaus positiv gegenüber. Dem Vorsitzende des BUND Verden geht das allerdings noch nicht weit genug.
19.05.2019, 18:16
Lesedauer: 2 Min
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„Die Fußgängerzone ist eine Steinwüste“
Von Elina Hoepken
„Die Fußgängerzone ist eine Steinwüste“

Für Udo Paepke, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Verden, ist die Fußgängerzone ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

Hake

Achim. „Die Stadt Achim fördert ein ökologisches Bewusstsein in der Stadtgesellschaft.“ So steht es Schwarz auf Weiß im Leitbild. Ein nächster Schritt hin zu diesem Ziel könnte schon bald gemacht werden. Zumindest, wenn es nach der Gruppe SPD/Mindermann geht. Die hat nämlich, wie berichtet, in einem Antrag an die Verwaltung angeregt, das Anlegen von Schotter- beziehungsweise Steingärten in künftig vom Rat zu erlassenden Bebauungsplänen einzuschränken. Und die Verwaltung steht diesem Vorstoß nach eigenen Angaben durchaus positiv gegenüber. Allerdings stehe eine rechtliche Prüfung noch aus. In der kommenden Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr, die am 18. Juni stattfindet, steht das Thema jedoch bereits auf der Agenda.

„In den letzten Jahren ist zunehmend zu beobachten, dass private nicht überbaubare Flächen in den Baugebieten zusätzlich versiegelt werden, indem neben der zulässigen Pflasterung von Zufahrten und Wegen auch Schottergärten angelegt werden“, schreib die Gruppe in ihrem Antrag. Der Tierwelt werde dadurch allerdings unnötigerweise der natürliche Bodenraum als Lebens- und Nahrungsquelle entzogen – mit negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. „Dieser Eingriff in die Natur muss aus unsere Sicht nicht sein“, macht die SPD/Mindermann-Gruppe deutlich. Denkbar wäre demnach, in neuen Bebauungsplansatzungen konkrete Regelungen zur Ausgestaltung des Grünflächenangebotes aufzunehmen. Darin enthalten könnte dann auch ein Höchstwert der zusätzlichen Versiegelung sein.

Ein Vorstoß, den auch Udo Paepke, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Verden, durchaus unterstützt. „Ich denke, es ist sehr sinnvoll, die Grundstückseigentümer für das Thema zu sensibilisieren“, sagt er. Denn viele Hausbesitzer würden sich häufig gar keine Gedanken machen, welchen Einfluss es auf die Natur und die Tiere hat, wenn sie ihre Gärten mit Schotter anstatt mit Blumen und Rasen gestalten. „Viele sind einfach zu ordnungsliebend geworden“, vermutet Paepke. „Alles muss immer sauber und clean sein. Für Unkraut ist kein Platz.“

Das gelte für Privatpersonen, aber – und das stört ihn besonders – auch für die Städte und Gemeinden selbst. „Die haben eigentlich eine Vorbildfunktion“, sagt der BUND-Vorsitzende. Dieser würden sie allerdings nicht gerecht. „Ausgerechnet am Verdener Bahnhof oder vor dem Achimer Rathaus wächst kein Gras mehr. Die Fußgängerzone ist eine Steinwüste.“ Lediglich Blumenkübel aufzustellen reiche nicht. Allein 70 Prozent der Wildbienen würden nämlich im Boden nisten.

Der Vorschlag der Gruppe SPD/Mindermann sei jedoch ein erster Schritt in die richtige Richtung. „Wenn die Stadt Achim eine Einschränkung der Versiegelung festschreibt, ist das ein guter Ansatz, um für das Thema zu sensibilisieren.“ Gleiches denkt Paepke auch über das Wildblumenprogramm des Landkreises Verden. Seit April gibt der Landkreis im Rahmen dieses Förderprogramms an Städte, Gemeinden und Privatpersonen auf Antrag eine spezielle Saatmischung für die Förderung von Blühflächen und Blühstreifen im Kreisgebiet heraus (wir berichteten). „Die große Nachfrage nach der Saatmischung zeigt, dass die Menschen durch ein solches Programm sensibilisiert werden“, sagt Paepke. „Aber das Förderprogramm kratzt auch nur an der Oberfläche. Die Ursachen werden nicht beseitigt, sondern nur gemildert.“ Die eigentliche Ursache für das zunehmende Insektensterben liege nämlich auch in der starken Nutzung von Giften und Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen und in Privatgärten.

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