Fußball-Bezirksliga

Die irre Torshow des Sinan Reiter

Fünf Tore in den letzten 17 Minuten. Das Spiel zwischen dem 1. FC Rot-Weiß Achim und TV Sottrum war nichts für schwache Nerven. Nachdem Sottrum bereits 0:3 zurückgelegen hatte, schockte Sinan Reiter Rot-Weiß.
18.08.2019, 18:57
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Niklas Johannson
Die irre Torshow des Sinan Reiter

Matthias Michaelis (rechts) erzielte den viel umjubelten 3:3-Ausgleichstreffer für den TV Sottrum.

Björn Hake

Achim. Diese irre Bezirksliga-Partie werden alle Beteiligten wohl nicht so schnell vergessen. Beim Stand von 4:3 für Rot-Weiß Achim schnappte sich Sinan Reiter vom TV Sottrum die Kugel und legte sie auf den Elfmeterpunkt. Es sollte die letzte Aktion des Fußballspiels werden. Die Spannung war zum Greifen nahe. Auf dem Sportplatz am Bierdener Schulzentrum hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Sottrums Trainer Daniel Mathies schaute gar nicht erst hin. Dann lief Reiter an und verwandelte eiskalt zum 4:4 (1:0)-Endstand. Ausgerechnet Reiter, der in der Vorsaison noch das Tor der Achimer gehütet und als Feldspieler keine Chance erhalten hatte, versetzte Rot-Weiß nach einem Hattrick binnen 17 Minuten in Schockstarre.

Aber der Reihe nach: In der ersten halben Stunde neutralisierten sich die Teams nahezu. Sottrum stand defensiv gut und Achim fand noch keine Lösungen. Eine Zufallsaktion sorgte schließlich für die Führung der Gastgeber: Nach einem Einwurf verlängerte Faruk Senci per Kopf auf Sottrums Louis Jaugstetter, der das Leder unglücklich ins eigene Tor beförderte (31.). Dieser Gegentreffer hatte tiefe Spuren bei den Gästen hinterlassen, die jetzt in nahezu allen Zweikämpfen einen Schritt zu spät kamen.

Direkt nach dem Seitenwechsel gelang Ahmet Kaldirici ein überragender Pass in die Schnittstelle auf den eingewechselten Ibrahim Lailo, der wiederum uneigennützig auf den mitlaufenden Senci passte, der den Ball dann nur noch ins leere Tor schieben musste – 2:0 (46.). Rot-Weiß dominierte die Partie nun und erhöhte nur sechs Minuten später auf 3:0, als sich eine abgerutschte Flanke des Rechtsverteidigers Nüsret Yüksel unhaltbar ins lange Eck gesenkt hatte (52.). „Wir haben überhaupt nicht mehr stattgefunden und waren danach eigentlich tot“, sagte Mathies.

Mit dem Gefühl des sicheren Sieges veränderte sein Gegenüber, Ilyas Uyar, seine bis dato sehr sicher agierende Viererkette, indem er Amer Miry für Yüksel brachte. Ein folgenschwerer Fehler. „Ich habe zu früh gewechselt“, gab Uyar nach dem Spiel ehrlich zu. Aber auch die Achimer Spieler trafen nun viele falsche Entscheidungen. Statt den sicheren Vorsprung locker herunterzuspielen, spielten sie aufs vierte Tor. „Jeder wollte sich in der Zeitung sehen und sein eigenes Tor machen. Nach dem 3:0 haben wir das Fußballspielen vernachlässigt, auch weil wir konditionell noch nicht fit genug sind. Zudem haben wir die Mentalitätsfrage aus den Augen verloren“, betonte Uyar und ergänzte: „Dass ausgerechnet Sinan drei Tore macht, ist Fußballgeschichte.“

Reiter wurde erst in der 68. Minute eingewechselt und vom Linienrichter mit den Worten „viel Spaß“ aufs Feld gelassen. Diese Aufforderung sollte er wörtlich nehmen. Zwei Minuten später köpfte er zum 1:3-Anschlusstreffer ins lange Eck (70.). Sottrum war bis dato offensiv erschreckend harmlos, doch nun glaubte das Team wieder an sich. Kurze Zeit später der zweite Streich von Reiter – erneut stand er goldrichtig und köpfte zum 2:3 (76.) ein. Achim wurde zunehmend nervös und kassierte tatsächlich den Ausgleich (80.), nachdem Matthias Michaelis nach einer Ecke per Kopf getroffen hatte.

Es wurde nun immer turbulenter, wiederum nur eine Minute danach gingen die Gastgeber durch einen satten Rechtsschuss von Lailo erneut in Führung – 4:3 (81.). Die Gäste gaben sich jedoch immer noch nicht auf und drängten auf den Ausgleich. Erst traf Patrick Brillowski die Latte (87.), dann scheiterte Joshua Hüsing aus drei Metern per Kopf (89.). Doch in der letzten Minute wurden Sottrums Bemühungen belohnt, als Brillowski nach einem Luft-Zweikampf einen Elfmeter heraus geholt hatte – eine sehr harte Entscheidung gegen Rot-Weiß. „Das hat er schlau gemacht, aber das war keiner“, ärgerte sich Uyar. Nach langen Diskussionen sorgte Reiter für das 4:4 und beendete ein denkwürdiges Spiel.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+