Kunstpreis Ottersberg Ein Beweis der Existenz

Björn Behrens heißt der Sieger des sechsten Ottersberger Kunstpreises. Die Jury überzeugen konnte er mit seinen Installationen, die klar machen sollen, warum Menschen überhaupt fotografieren.
12.11.2017, 18:37
Lesedauer: 3 Min
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Ein Beweis der Existenz
Von Jürgen Juschkat

Fischerhude. Ausgerechnet ein Plakat mit dem Slogan „Sie stehlen dein Geld“ bescherte Björn Behrens 4000 Euro. Der Bremer Fotograf – Jahrgang 1976 – wurde am Freitagabend mit dem Kunstpreis Ottersberg ausgezeichnet. Er hatte mit einem Werk aus seiner Serie „Based on Promise 3, City Lights“ Erfolg. Außerdem erhält der Preisträger im kommenden Jahr eine Einzelausstellung in den Räumen von Buthmanns Hof, wo nunmehr mit der Bekanntgabe des Siegers durch Bürgermeister Horst Hofmann gleichzeitig eine Ausstellung mit 16 künstlerischen Positionen eröffnet wurde.

„Meine Arbeit beschäftigt sich mit den wesentlichen Merkmalen der Fotografie. Diese setze ich in Bezug zueinander und gegen sich selbst. Die technischen Merkmale sind Licht, Perspektive und Abstraktion. Der Inhalt zeigt, warum Menschen fotografieren, zum Beispiel als ein Beweis. Fotografie gibt den Menschen den imaginären Besitz der Vergangenheit, einen Beweis der Existenz“, erklärte Behrens. In der Serie „Based on Promise“ trete das eigentliche Fotografieren in den Hintergrund. Im Vordergrund stehe das Aufspüren verschiedener Fotografien, in denen unterschiedliche Gründe klar werden, warum Menschen fotografieren.

Professor Hermanus Westendorp, der als erfahrener Künstler zur sechsköpfigen Jury gehörte, ging in seiner Einführung in die Ausstellung und deren Kunstwerke zum Schluss auf die Arbeit des Siegers ein und erklärte den zahlreichen Gästen, dass Behrens‘ Idee bei einem Aufenthalt in einem Vorort von Budapest entstanden sei. „Die meisten Plakate waren von Anhängern der Regierungspartei mit schwarzer Farbe übermalt worden“, erzählte er. Es waren eben die Plakate, auf denen der Slogan „Sie stehlen dein Geld“ stand. Der zweite Teil der Arbeit besteht aus einer dieser schwarz übermalten Glasscheiben aus einer der beleuchteten Werbeflächen, die sogenannten City Lights, hinter der eines der Plakate aufgehängt war. „Die Arbeit dokumentiert auf exemplarische Weise den Ablauf jenes Spiels von Aneignung, Verwandlung und Veröffentlichung, das Kunst genannt wird und sichtbar macht, welche Rolle die Fotografie dabei spielt“, ergänzte Westendorp.

Die Jury, zu der auch der Kurator Martin Vosswinkel gehörte, musste Arbeiten von hoher Qualität bewerten und diskutierte lange über diese. „Am Ende kamen vier in die nähere Auswahl. Es war nicht leicht, einen Sieger zu bestimmen, doch wir wollten den Preis nicht teilen“, sagte das Jury-Mitglied. Zuvor waren aus den 69 eingereichten Bewerbungen für den zum sechsten Mal ausgeschriebenen Kunstpreis Ottersberg bereits 16 künstlerische Positionen für die Ausstellung in Buthmanns Hof in Fischerhude ausgewählt worden.

Es sind viele raumbezogene Arbeiten in der Ausstellung zu sehen. Ein Werk von Daniel Behrendt wurde sogar extra für diese Ausstellung erstellt und besteht aus reiner weißer Ölfarbe. „Sie trocknet erst nach acht Wochen, darf also nicht berührt werden. Deshalb mussten wir auf dem Boden Trennlinien ziehen“, verriet Vosswinkel. „Er hat der flachen Wand des Ausstellungsraumes partiell eine Beule verpasst und diese so bemalt, dass sie als eine zur Wand gehörenden konvexen Oberfläche erscheint“, urteilte Professor Westendorp.

Zu den Ausstellern und Ausstellerinnen gehört auch die Künstlerin Anne Nitzpan, die gerade den erstmals vergebenen Nachwuchs-Förderpreis erhalten hatte und beim Hauptwettbewerb noch einen draufsetzen wollte. Sie hatte eine Matratze zerschnitten, um die ästhetische Qualität des Innenlebens sichtbar zu machen. Cordula Prieser übersetzt zum Beispiel mit ihrer aus Pappelsperrholz gefertigten Arbeit Eigenheiten moderner Architektur und dokumentiert deren Einfluss auf die Wahrnehmung von Raum. Linhan Yu beschäftigte sich bei ihren Zeichnungen mit Fehlern, Spuren und Korrekturen sowie deren neuer Integration im Bild.


Die Ausstellung im Buthmanns Hof ist bis 3. Dezember während der Öffnungszeiten freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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