Kabarett

Ein deftiger Schlagabtausch

Größtenteils provokant, aber manchmal auch nachdenklich stimmend, duellierten sich die Kabarettistinnen Annie Heger und Vanessa Maurischat bei ihrem Auftritt in Thedinghausen.
06.11.2017, 16:07
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ein deftiger Schlagabtausch
Von Jürgen Juschkat
Ein deftiger Schlagabtausch

Die Kabarettistinnen Vanessa Maurischat (links) und Anni Heger boten den Besuchern in der Gudewill-Schule unterhaltsame zwei Stunden.

Björn Hake

Thedinghausen. Am Schluss fehlten nur die brennenden Feuerzeuge, um die Vollblut-Kabarettistinnen schunkelnd und mit ausgestrecktem Arm zu feiern. Annie Heger und Vanessa Maurischat haben am Sonntagabend das Publikum in Thedinghausen mit ihren provokanten, aber manchmal auch nachdenklich stimmenden Sprüchen und den musikalischen Höhepunkten unter dem Motto „Eine geht noch“ vollauf begeistert.

Der Kulturverein Thedinghausen landete mit der Verpflichtung des Duos einen Volltreffer. Mit den beiden Frauen auf der Bühne prallten zwei Welten aufeinander – schlechte Laune und nordische Frohnatur. Es gab einen deftigen Schlagabtausch, denn Heger – als Sängerin, Schauspielerin, Autorin und Moderatorin ein Multitalent – und Maurischat – Musikerin, Kabarettistin, Moderatorin und Entertainerin - provozierten und polarisierten. Doch Harmonie war auch zu erkennen. Dann, wenn sich ihre Stimmen bei den musikalischen Beiträgen ausgezeichnet ergänzten.

Das Forum der Gudewill-Schule mit den runden Tischen zwischen den Arkaden und den Stühlen im unteren Bereich bot einen hervorragenden Ort für dieses musikalisch-verbale Duell der beiden Kabarettistinnen. Heger und Maurischat benötigten nur zwei hohe Hocker, zwei Mikrofone und eben ihre Instrumente – das Klavier, die Altflöte und eine E-Ukulele. Zwei Gläser und eine Flasche Wein gehörten ebenfalls zu den Utensilien, um bei den ganzen missgünstigen Rededuellen einen Hauch von Gemütlichkeit und Harmonie auszustrahlen.

Mit Wortspielereien und provozierenden Behauptungen gerieten die beiden Frauen immer wieder aneinander. Die Kleinere der beiden wollte einen Hund. Da ging es für Maurischat um den „Dackel to go“, kurz darauf kamen stinkende Hamster ins Spiel und Hunde, die zum Gassigehen angeleint vom Balkon gelassen werden sollten. Die Blumen bei Maurischat wurden ebenfalls bei den Sticheleien angesprochen. „Wenn bei ihr die normal zur Sonne wachsenden Pflanzen zur Tür wollen, weil sie weg wollen …“. Heger legte sich wieder mit der Partnerin an und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

Der zweite Teil begann schwungvoll und tänzerisch („Das Thunfischbrötchen bitte von der Tanz-Fläche“). Weil es wieder verbale Nackenschläge von beiden Seiten gab, kamen die Frauen zu der Feststellung: „Man muss kein Schnitzel gewesen sein, um zu wissen, wie man in die Pfanne gehauen wird.“ Nachdenklich wurde das Publikum in die Zeit entführt „als früher alles besser war“. Aber wann früher? „Na, als mit Bleistift und Tesafilm die Kassette repariert wurde“, nannte Maurischat ein Beispiel, und viele aus dem Publikum sahen sich in die Jugendzeit versetzt.

Die beiden Darstellerinnen warfen dann plötzlich so sehr mit Prozenten um sich, dass die Zuhörer kaum folgen konnten. Und Heger/Maurischat kamen meist auf mehr als hundert Prozent. Aber was soll’s? Eines wurde der sympathischen Heger schließlich bewusst: „Die AfD hat weniger Prozente als Küstennebel.“ Waren schon vorher durch die Ostfriesin Heger plattdeutsche Wortfetzen ins Programm eingeflossen, so kam diese Mundart bei einem von ihr geschriebenen Lied in Anlehnung an Ina Müller und Partner zum Ausdruck. „Es ist zu unserem Familienlied geworden“, erklärte sie. Nachdenklich stimmten spontane Worte zum Thema Heimat und Flüchtlinge. Tosender Beifall des begeisterten Publikums bildete den Anfang der After-Show-Phase, mit Gesprächen und Autogrammen der beiden Kabarettistinnen, die in Thedinghausen kein Neuland betreten hatten.

Heger gastierte bereits vor zwei Jahren im Forum, Maurischat begeisterte vor rund zweieinhalb Jahren das Publikum. „Heger und Maurischat passen aber einfach am besten zusammen“, meinte ein Besucher am Sonntag jedoch. Wie viele andere zeigte er sich nach dem zweistündigen Programm hellauf begeistert.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+