Streik bei Kraftverkehr Nagel

Ein erster „Piekser“

Nachdem es bei den bisherigen Tarifverhandlungen zu keiner Einigung gekommen war, legten Beschäftigte von Kraftverkehr Nagel in Uphusen am Dienstag für einigen Stunden ihre Arbeit nieder.
04.02.2020, 17:27
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Ein erster „Piekser“
Von Marius Merle
Ein erster „Piekser“

Vor dem Betriebsgelände von Kraftverkehr Nagel versammelten sich am Dienstag streikende Beschäftigte.

Michael Galian

Achim. Die Arbeitnehmer des Speditions- und Logistikgewerbes in Niedersachsen wollen mehr Geld. Da die Tarifverhandlungen mit dem Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) bisher nicht zu den erhofften Resultaten geführt haben, hat die Gewerkschaft Verdi zu „Arbeitskampfmaßnahmen“ in Form von Streiks in einzelnen Betrieben der Branche aufgerufen. So soll der Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht werden. Unter dem Motto „Gemeinsam Mehr Bewegen“ haben am Dienstag auch Beschäftigte des in Uphusen ansässigen Unternehmens Kraftverkehr Nagel die Arbeit niedergelegt.

Von 12.30 bis 17.30 Uhr versammelten sich die Streikenden – natürlich ausgestattet mit Warnwesten – vor dem Betriebsgelände an der David-Ricardo-Straße. Im Laufe der fünf Stunden beteiligten sich etwa 40 bis 50 der insgesamt rund 320 Beschäftigten des Unternehmens, von denen viele im Mehrschichtsystem arbeiten. Da Mitarbeiter von Kraftverkehr Nagel unter anderem schon 2013 und 2017 dem Streikaufruf von Verdi gefolgt waren, war die Arbeitsniederlegung am Dienstag für viele von ihnen keine Premiere. Aber es seien auch einige Neulinge dabei, berichtete Bastian Wienands, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. „Es mischt sich also ganz gut.“

Die Tarifverhandlungen des Speditions- und Logistikgewerbes in Niedersachsen sind deswegen in die Verlängerung gegangen, weil die Arbeitnehmer nach ihrer Sicht und der von Verdi in der zweiten Verhandlungsrunde am 23. Januar nur ein unzureichendes Angebot vorgelegt bekamen. Betroffen sind in der Logistik in Niedersachsen rund 50 000 Beschäftigte, wie Jonas Lebuhn, Verdi-Gewerkschaftssekretär, vorrechnete. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Gehalt für zwölf Monate für die Beschäftigten der Branche. Mindestens soll die Erhöhung 150 Euro pro Monat betragen.

Die Arbeitgeber hatten in der vergangenen Verhandlungsrunde jedoch nur Entgelterhöhungen in zwei Stufen von insgesamt 3,5 Prozent für 24 Monate angeboten. Weitere Forderungen, unter anderem zur Zusammenlegung der Tarifverträge von Arbeitern und Angestellten und dem Ausbau von Erfahrungsstufen, wurden ebenfalls abgelehnt. „Ein wichtiger Faktor ist der doppelte Zeitraum“, merkte Lebuhn an, wieso das Angebot alles andere als akzeptabel sei. Denn nicht nur, dass die angebotene Erhöhung nur etwas mehr als die Hälfte der Forderung entspricht, die nächste Verhandlung über Gehaltsanpassungen wäre auch erst ein Jahr später als gewünscht möglich. Und so sah man sich bei Verdi dazu gezwungen, zu Streiks aufzurufen. „Das heute ist eher ein Piekser“, sagte Lebuhn am Dienstag am Rande des Streiks in Uphusen. Aber das könne sich auch schnell ändern, wenn die Fronten weiter verhärtet bleiben. „Dann ist auch ein großer zentraler Streik möglich“, kündigte Lebuhn an.

Dass bei dem Angebot der Arbeitgeber durchaus noch Luft nach oben ist, zeigen die letzten Tarifverhandlungen zwischen dem GVN und Verdi. Zum Februar 2018 stiegen die Löhne und Gehälter im Speditionskaufmann- und Logistikgewerbe Niedersachsen um 3,5 Prozent und ab Januar 2019 um weitere 2,5 Prozent – also insgesamt um sechs Prozent. Für Beschäftigte mit mehr als fünf Jahren Betriebszugehörigkeit wurde die Jahressonderzahlung um 240 Euro erhöht. Auch für die Auszubildenden gab es mehr Geld.

Die nächste Verhandlungsrunde findet am Donnerstag, 6. Februar, in Hannover statt. Eine vierte Runde ist für den 12. Februar geplant.

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