Im Raum 150 des Achimer Rathauses treffen sich jeden Freitag alle interessierten Ehrenamtlichen / Diskussion über die künftige Ausrichtung Ein Hauptquartier für die Flüchtlingshilfe

Achim. Fast komplett sind die Jalousien des Raumes 150 im ersten Obergeschoss des Rathauses am Freitag heruntergelassen. Fast so, als passiere hinter ihnen etwas Geheimnisvolles, als würden Dinge besprochen, die niemals nach außen dringen sollen.
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Ein Hauptquartier für die Flüchtlingshilfe
Von Kai Purschke

Fast komplett sind die Jalousien des Raumes 150 im ersten Obergeschoss des Rathauses am Freitag heruntergelassen. Fast so, als passiere hinter ihnen etwas Geheimnisvolles, als würden Dinge besprochen, die niemals nach außen dringen sollen. Das Gegenteil ist der Fall: Für drei Stunden gehört das Zimmer den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern, die somit ein neues Hauptquartier gefunden haben. Besucher und insbesondere potenzielle Helfer sind ausdrücklich erwünscht. Sie können sich sowie die Zeiten, in denen sie helfen wollen, registrieren lassen, Fragen stellen und Hilfsangebote unterbreiten.

„Wir sind gerade in der Umstrukturierungsphase“, sagt Bruno Kroehn. Soll heißen: Wohin die Reise geht, das ist noch nicht ganz klar. Denn ursprünglich war der Treffpunkt nicht für ehrenamtliche Helfer gedacht, sondern als Anlaufstelle für Flüchtlinge, da diese das Rathaus bereits kennen. „Sie bekommen ihr Geld hier“, weiß Kroehn. Bisher aber haben sich die Ehrenamtlichen dort getroffen. „Ich fände es gut, wenn wir das teilen. Dass wir uns erst treffen und den zweiten Teil der Zeit hier Ansprechpartner für Flüchtlinge sind“, meint etwa Birgit Cyriacks. Denn ein kleiner Warteraum findet sich neben dem Konferenzraum, niemand müsste auf dem Flur Zeit totschlagen. Die generelle Ausrichtung des Freitagsangebots sei also noch zu klären, fasst Dörthe Eggers zusammen.

Den Achimer Bürgern ist dies vorerst egal, sie tauchen mit ihren Anliegen bereits im Raum der Flüchtlingshilfe Achim auf. Wie die Frau, die erzählt, dass sie beim Entrümpeln des Dachbodens allein zwei Kartons mit Büchern, dazu jede Menge Spielsachen und Buntstifte gefunden habe und nun Flüchtlingen damit helfen wolle. Dörthe Eggers gibt ihr gleich die Kontaktnummer der Flüchtlingshelfer in Embsen und notiert die Daten die Dame. Nur wenige Minuten später betritt eine weitere Frau aus Achim den Raum. Die drei Wäschekörbe mit ausgedienter Kleidung, die sie zur Verfügung stellen will, hat sie gleich dabei. „Lassen Sie sie draußen stehen, wir kümmern uns. Ansonsten ist ,terre des hommes’ an der Feldstraße dafür zuständig“, erklären ihr die Ehrenamtlichen. Derzeit hätten die Helfer vor allem mit dem erhöhten Spendenaufkommen zu kämpfen, erzählen sie.

Von ihnen sind etwa hundert in der Achimer Flüchtlingshilfe aktiv, registriert sind sogar noch um die 30 mehr. „Aber von denen haben wir nie wieder was gehört“, schildert Dörthe Eggers. Apropos registriert: Das geschieht bisher auf einem Laptop, dessen Betriebssystem in etwa so alt ist wie dieses Jahrhundert. „Da bräuchten wir wirklich mal ein aktuelleres“, findet Dörthe Eggers, zumal sich das jetzige Gerät aus Sicherheitsgründen nicht ins Rathaus-Netz einwählen darf. „Falls jemand einen Laptop mit mindestens Windows 7 zur Verfügung stellen kann, wäre das große Klasse“, sagt die Flüchtlingshelferin.

Die Ehrenamtlichen möchten auch das Thema „Arbeit für Flüchtlinge“ in den Vordergrund rücken und den Zugewanderten Jobs besorgen. Bei Bürgermeister Rainer Ditzfeld haben sie bereits eine Infoveranstaltung für Arbeitgeber angeregt, denn auch Praktika seien für die Flüchtlinge wichtig, um sich integrieren zu können. „Wir wollen nur nicht, dass sie als unbezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt werden“, betont Birgit Cyriacks. Aber, und da sind sich alle Anwesenden einig: Man müsse die Menschen in Arbeit bringen. Dabei helfen soll auch ein Leitfaden, den die Flüchtlingshilfe und die Stadt verfasst haben. Er dient den Flüchtlingen in mehreren Sprachen als erste Orientierung. So sind die Hilfen, die sie erwarten können, aufgeführt, das Thema Arbeit, aber auch das gesellschaftliche Verhalten in Deutschland.

Die Flüchtlingshelfer treffen sich freitags von 9 bis 12 Uhr im Raum 150 des Rathauses (erstes Obergeschoss). Sie stehen als Ansprechpartner für interessierte Achimer Bürger zur Verfügung. Weitere Infos unter Telefon 01 57 / 52 66 30 87 oder im Netz unter www.fluechtlingshilfe-achim.net.

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