Achimer Volksfeste Ein kostenintensives Wir-Gefühl

Vorher gab es keinen städtischen Zuschuss für die großen Volksfeste, mittlerweile stehen 10 000 Euro bereit. Die seien aber nicht ausreichend, finden Unternehmergemeinschaft und Bürgermeister.
04.06.2018, 15:34
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Ein kostenintensives Wir-Gefühl
Von Kai Purschke

Das Wir-Gefühl. In Achim soll es durch Veranstaltungen wie das vor der Tür stehende Stadtfest, aber auch durch die afa, das Weinfest, den Weihnachtsmarkt, das Kinderstadtfest und all die anderen Feste gefestigt werden. Ebenso hat der Wettbewerb "Achim kocht", an dessen Ende ein Kochbuch mit Achimer Rezepten entstehen soll, das Ziel, die Menschen aller Stadtteile zu vereinen. Für Bürgermeister Rainer Ditzfeld ist klar: "Das Wir-Gefühl in Achim ist, dass wir es geschafft haben, dass neue Bürger angenommen werden und diese unsere Veranstaltungen besuchen. Wichtig dafür ist, dass wir alle an einem Strang ziehen, nur dann können wir diese Feste hinbekommen."

Eine Einschätzung, die auch Anneke Luig vom Stadtmarketing ("Alle sollen mitmachen") und Marko Thönsing von der Unternehmergemeinschaft Achim (Uga) teilen. "Schon vor zwei Jahren auf der Fachausstellung habe ich den Vergleich zu den Fußballern gezogen, jetzt stehen wir wieder kurz vor einem internationalen Turnier, bei dem die Mannschaft zusammenhält, wie in Achim", sagt Thönsing. Zwar sei das letztjährige Stadtfest mit dem rappelvollen Bibliotheksplatz so etwas wie das offizielle Bild zum Wir-Gefühl gewesen, entstanden sei der Zusammenhalt aber mit der Wahl von Ditzfeld vor dreieinhalb Jahren, merkt Thönsing an.

Der Gelobte selbst vertritt die Ansicht, "dass es nicht das Achimer Stadtfest sein kann und die Stadt Achim beteiligt sich nicht daran". Daher ist Ditzfeld dem Stadtrat dankbar, dass er seinem Vorschlag gefolgt war, 10 000 Euro für Veranstaltungen in den Haushalt einzustellen. "Allein die Gema-Gebühren sind enorm, wir stehen als Stadt in der Pflicht, das finanziell zu unterstützen", findet Ditzfeld. Dazu komme die personelle Unterstützung, die die Verwaltung wieder anbiete: mit Anneke Luig etwa.

"Tropfen auf den heißen Stein"

Thönsing findet es "gut und richtig so, dass dieses Geld im Haushalt ist". Die Kosten für die Gema, Plakatierungen, Versicherungen und anderes seien inzwischen aber zu hoch und daher ist die Summe "nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Thönsing. Der Vorsitzende der ehrenamtlich arbeitenden Uga wünscht sich mehr Haushaltsmittel für die Großveranstaltungen, von denen es im Jahr fünf gebe. Damit stößt er zumindest beim Verwaltungschef auf offene Ohren – auch ihm gehen die Hilfestellungen für die Veranstalter noch nicht weit genug. "Mittlerweile hat etwa auch die afa Dimensionen erreicht, dass die Stadt sich beteiligen muss."

Ditzfeld rechnet daher mit einem Antrag der Uga, das Budget für Volksfeste im Haushalt 2019/2020 zu erhöhen, und er glaubt, dass seine Verwaltung diesen Antrag dem Fachausschuss durchaus positiv empfehlen würde. "Das könnte ich mir vorstellen", sagt er – und dann müsse man sehen "wie meine 38 Chefs im Rat damit umgehen". Er persönlich hält eine Erhöhung der Summe für unabdingbar, schließlich unterhalte man sich nun darüber, nachdem die jüngsten Veranstaltungen gut gelaufen sind. "Das waren ja keine Flops", betont Ditzfeld. Und daher helfen diese Feste, um auch überregional wahrgenommen zu werden. Wie viel Geld man bräuchte? "Das ist ein Spagat", sagt Ditzfeld. Früher habe sich die Stadt ein größeres Stadtmarketing geleistet, da habe es aber Probleme gegeben wegen der Vermischung bei den Veranstaltungen. Nun würden sie ehrenamtlich gemanagt. "Es darf aber nicht ausufern und dann heißen, die Stadt zahlt dies und jenes", findet Ditzfeld.

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Marko Thönsing hat klare Vorstellungen, welche Aufstockung die Veranstalter in Achim deutlich besser unterstützen würde. "Dass es nicht 10 000 Euro pro Veranstaltung geben kann, ist mir bewusst. Das wäre auch vermessen. Aber es wäre keiner böse, wenn sich die Summe im Haushalt verdoppeln oder gar verdreifachen würde." Zumal, daran erinnert Ditzfeld, es auch Zeiten geben dürfte, "in denen das Geld bei den Unternehmen, die die Veranstaltungen sponsern, vielleicht nicht mehr so locker sitzt wie jetzt". Um Neiddebatten zu vermeiden, müsste aber jemand darüber entscheiden, welcher Veranstalter wie viel Geld bekommt. Da weicht Ditzfeld aus und sagt, dass etwa die Innenstadtveranstaltungen ja parallel zu den verkaufsoffenen Sonntagen liefen. Das sei "eine Win-win-Situation für die Einzelhändler".

Fahrplan für die nächsten Feste

Ein Tag der offenen Tür zum 25-jährigen Bestehen des Rathauses findet am Freitag, 15. Juni, statt. Von 12 bis 18 Uhr stehen alle Büros offen, ein Chor aus Césis wird singen und die letzten drei Bürgermeister werden die Veranstaltung eröffnen. Mehr noch: Wie Ditzfeld schildert, soll eine Ahnentafel enthüllt werden – die den Blick auf die Konterfeis von Christoph Rippich, Uwe Kellner und eben Ditzfeld freilegt. Um 18 Uhr dann wird Ditzfeld das Stadtfest eröffnen und ein Fass Bier sponsern. Das Stadtfest endet am Sonntag, 17. Juni. Acts wie Pohlmann oder Illegal 2001 sowie weitere Bands werden auftreten, dazu gibt es Fahrgeschäfte, der "Polyp" etwa kommt nach Achim.

Am 2. August steigt das Kinderstadtfest in der Innenstadt und vom 24. bis 26. August findet das elfte Wein- und Winzerfest dort statt. Im Herbst schließen sich am 2. September der Boxenstopp in der City an und am 7. Oktober der Festivalabend im Rahmen von "Achim kocht". Der nächste Weihnachtsmarkt ist für die Zeit vom 14. bis 22. Dezember im Veranstaltungskalender vorgemerkt.

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