Blick in einen ungewöhnlichen Stadtteil zum Tag des Waldes Ein Öllager ohne Öl

Achim. Öllager – für Menschen außerhalb Achims klingt das wohl nicht sehr idyllisch. Doch das Wort ist in der Stadt längst synonym für Natur, Ruhe und Wald.
21.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Tina Hayessen

Achim. Öllager – für Menschen außerhalb Achims klingt das wohl nicht sehr idyllisch. Doch das Wort ist in der Stadt längst synonym für Natur, Ruhe und Wald. Der Tag des Waldes am 21. März ist Grund genug, ein wenig in der einzigartigen Geschichte des Gebiets zu stöbern, das man heute als Stadtwald kennt – schon allein aus Vermarktungsgründen dürfte sich diese Bezeichnung langfristig durchsetzen. Wobei es für viele weiterhin „ein Spaziergang zum Öllager“ bleiben wird, wenn man mit den Enkelkindern zwischen den Bäumen entlangschlendert.

Klar, denn das Öllager hat hier immerhin fast das gesamte 20. Jahrhundert geruht. Zurück geht alles auf ein Schreiben vom 30. September 1916. „Euer Hochwohlgeboren benachrichtige ich ergebenst, daß Herr Ludwig Lange -Hannover- beauftragt worden ist, für die Marineverwaltung Grundstück bei Achim anzukaufen.“ So schrieb das Reichsmarineamt an den Königlichen Landrat des damaligen Landkreises Achim, Paul Wiedenfeld. Weiter hieß es: „Die Versorgung der Flotte mit flüssigem Brennmaterial erfordert die Schaffung großer Ölniederlagen. Aus militärischen Gründen sollen diese Anlagen nicht an der Küste in der Nähe der Verbrauchsstellen sondern im Binnenland jedoch an schiffbaren Strömen angelegt werden“. Geeignet sei „allein ein bei Achim gelegenes“ Gebiet.

Die Reichsmarineverwaltung erwarb damals 50 Hektar Dünengelände sowie einen Landstreifen an der Weser, dem späteren Hafen. Das Schriftstück ist zitiert in der Dokumentation „Das Öllager in Achim. Wie aus dem Öllager ein Stadtteil wurde“. Herausgeber ist die Geschichtswerkstatt Achim, wobei sich die Stadtwald-Erschließungsgesellschaft beteiligte. Die Gesellschaft also, die in den vergangenen Jahren aus dem ehemaligen Kasernengebiet einen Stadtteil am Wald formte.

Denn 2003 schloss des Bundeswehrstandort Achim – und die Erschließungsgesellschaft um Manfred Huhs und Mark Hundsdörfer übernahm. Es begann eine Phase der Umgestaltung. Die riesigen Ölbecken waren eine besonders große Herausforderung. Während des Ersten Weltkrieges entstanden zwölf Ölbunker. Zwei von ihnen wurden kurz nach dem Krieg verschrottet und das restliche Gelände an private Ölfirmen vermietet. Später wurden die Anlagen erneut von der Kriegsmarine übernommen. Zwischen 1934 und 1940 erfolgte der weitere Ausbau auf insgesamt 34 Ölbunker. Um sie wieder loszuwerden, mussten im Stadtwald einige Bäume fallen. „Ich bin ein großer Baumschützer“, versichert Huhs.

Und doch hätte man die Säge hier und dort ansetzen müssen, denn: „Die Häuser müssen auf sauberem Boden stehen, das ist doch klar.“ 50 Kasernengebäude wurden abgebrochen, die riesigen Betontanks erst ausgebuddelt und dann zerstört. Teilweise war das Erdreich ölverseucht und musste raus. Etwa 70 Prozent des Baumbestandes habe man erhalten können, betont Huhs. „Es waren vielleicht eine Million Quadratmeter vorher, jetzt sind es 700 000.“ Außerdem habe man reichlich nachgepflanzt.

Dass man sich am Stadtwald befindet, hält seit mehreren Jahren nicht nur der neue Straßenname „Am Stadtwald“ fest, sondern seit 2013 auch die gleichnamige Kindertagesstätte. Aber auch, dass hier mal ein Kasernengelände war, wollte Huhs dokumentiert wissen. „Daher der Name Steuben-Allee, in 20 Jahren weiß vielleicht sonst keiner mehr, was hier einmal stand.“ Die anderen Wege verdanken ihre Namen berühmten und weniger berühmten Frauen, die politisch und gesellschaftlich etwas geleistet haben. Neben Menschen wie Rechtshistorikerin Marianne Weber und Grünen-Mitgründerin Petra Kelly findet sich auch ein eher unbekannter Name, weiß Huhs, der die Ideen für die Namen ins Spiel brachte: „Anna Denker war eine Hebamme aus Baden.“ Das mache sie gesellschaftlich aber keineswegs weniger bedeutend. „Sie war sehr sozial engagiert. Manchmal muss man eben gar nicht so weit gucken.“

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