Chor in Bollen

Ein singendes Dorf

Vor gut eineinhalb Jahren haben einige Frauen in Bollen einen neuen Chor gegründet. Mittlerweile ist der zum festen Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden und schweißt alle zusammen.
25.07.2018, 15:14
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Ein singendes Dorf
Von Elina Hoepken

Achim. Es gibt Popchöre, Gospelchöre, Shantychöre, Klassikchöre: Die Auswahl an musikalischen Angeboten ist in Achim und Umgebung alles andere als klein. Und doch haben sich einige Frauen in Bollen entschlossen, vor gut eineinhalb Jahren in ihrem Ort einen neuen Chor zu gründen. Rund 20 Mitglieder hat dieser mittlerweile und er ist in dem alten Dorf viel mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung für einige wenige.

"Der Chor hat es geschafft, dass Alteingesessene und Zugezogenen näher zusammengerückt sind", sagt Viola Heinzen, eine der Initiatorinnen des Frauenchores. Heinzen selbst gehört auch zu den Zugezogenen. Seit 2005 Jahren wohnt sie schon in Bollen, "aber man bleibt doch immer irgendwie ,die Neue'", sagt sie. Doch von den Zugezogenen gebe es mittlerweile einige. "In den letzten zehn Jahren sind viele neue Leute nach Bollen gezogen", sagt Heinzen. Daraus habe sich eine kleine Gruppe Frauen herausgelöst, die die Idee entwickelt haben, ein gemeinsames Projekt zu starten. "Wir haben uns immer beim Osterfeuer oder Deichfest gesehen, aber wir wollten noch mehr gemeinsam machen", erinnert sich Heinzen. "Bollen ist ein altes Dorf mit ebenso alten gewachsenen Strukturen und Hierarchien. Neue Leute müssen sich da selbst bewegen und sich integrieren."

Mit der Zeit ist die Idee entstanden, einen Frauenchor zu gründen. "Es gab vor vielen Jahren im Dorf schon einmal einen Männerchor und davon reden die Leute heute noch." Klar sei jedoch auch gewesen: Das Ganze schafft man nur mit einer erfahrenen Chorleiterin und engagierten Frauen, die das Projekt nach vorne treiben. Also hieß es Klinken putzen, um die Idee im Dorf überhaupt erst einmal publik zu machen. "Wir sind rumgegangen, haben an den Türen geklingelt und unsere Pläne vorgestellt", erzählt Viola Heinzen. Mit Erfolg: knapp 20 Sängerinnen waren von Beginn an dabei. Und auch heute, gut eineinhalb Jahre später erscheinen noch genauso viele alle zwei Wochen zu den Proben.

"Ich hätte anfangs nicht zu hoffen gewagt, dass das Ganze so gut läuft", sagt Heinzen. Doch es habe sich gezeigt, dass der Chor viel mehr im Dorf bewirken kann als zunächst gedacht. "Wir haben die alten Strukturen ein wenig aufgebrochen und das Bedürfnis nach Gemeinschaft angesprochen." Der Chor bestehe heute mit Nichten nur aus den Zugezogenen. "Alle kommen zusammen – egal ob 30 oder 80 Jahre alt, egal ob Ur-Bollener oder nicht", freut sich Heinzen. Dadurch sei der Umgang untereinander auch generell viel offener und leichter geworden. "Der Chor ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Dorfes." Und auch einen Namen haben die Frauen jetzt gefunden, nachdem sie über ein Jahr namenlos waren. "Wir nennen uns die Landladies."

Geleitet wird der Frauenchor seit einigen Monaten von der Kirchenmusikerin und Musikpädagogin Taline Friese aus Bremen, da die vorherige Leiterin das Amt aus persönlichen Gründen abgeben musste. "Wir wollen uns beim Repertoire nicht genau festlegen", beschreibt Heinzen die Ausrichtung des Chors. "Wir singen Traditionals auf englisch und deutsch, aber auch Pop und Gospel. Einfach alles was swingt und gute Laune macht." Bisher singen die Frauen nur für sich im Probenraum, doch zum Ende des Jahres soll es ein erstes öffentliches Konzert geben.

Der Erfolg des Chor-Projektes hat sich mittlerweile offenbar auch schon über die Bollener Dorfgrenzen hinaus herumgesprochen. "Wir haben auch schon Anfragen von neuen Sängerinnen aus Achim und Uphusen." Generell sind die Landladies immer offen für neue Mitglieder. Geprobt wird jeden zweiten Montag von 20 bis 22 Uhr. Weitere Informationen gibt es für interessierte Sängerinnen auch unter 0 42 02 / 76 44 10.

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