Till Simon und Band ernten großen Applaus im Bergwerk / Authentische Texte mitten aus dem Leben

Emotional, politisch, klug

„Es gibt kein Zurück für dummes Geschwätz.“ Till Simon Quelkhorn.
01.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von David Rosengart
Emotional, politisch, klug

Till Simon und seine Band kamen bei ihrem Auftritt im Bergwerk gut an. Im Handumdrehen hatten die Musiker den Saal für sich gewonnen – auch, weil sie authentische Texte mitten aus dem Leben präsentierten.

David Rosengart

Die Texte sind authentisch, erzählen Geschichten aus dem Leben, die jeder kennt. Die erste große Liebe, Herzschmerz nach dem ersten großen Krach oder das wehmütige Verlassen der geliebten Heimat. Klug und mit großer Beobachtungsgabe verpackt Till Simon Gefühlswelten und Anekdoten aus seinem Leben in kluge Texte.

Mit beeindruckenden Assoziationen beschreibt der Musiker aus Achim das, was er fühlt, sieht, liebt und fürchtet. Gepaart mit mitreißenden Rhythmen, der ungezwungenen Harmonie mit der Band und eindringlichen Refrains verwandeln seine Texte jeden Abend in ein musikalisches Erlebnis. So war es auch am Sonnabendabend im Bergwerk.

Flackerndes Kerzenlicht, kleine Sitzgruppen und gedimmtes Licht sorgten für eine Atmosphäre wie im Wohnzimmer daheim, was die Wirkung des vielfältigen Repertoires nur noch umso mehr verstärkte. Schon vor dem Konzert plauschte der Frontmann mit dem einen oder anderen Gast. Man kennt sich. Heute werden „wir ein paar Liederchen spielen“, gab sich Simon bescheiden. Und beim Mitsingen sollten die zahlreichen Konzertbesucher „am besten gleich mitmachen, damit es später nicht so wehtut.“

Der erste Song des Abends ist „Wer hätte das gedacht?“. Ein zutiefst nachdenklicher Text, der kritisch auf die Vergangenheit blickt. „Mein Rücken und mein Knie tun mir weh, wie ich durch die grünen Wiesen geh‘.“ Dinge, die einst wichtig waren, haben an Bedeutung verloren und anders herum. Der Refrain geht unmittelbar ins Ohr und der Song ist gespickt mit harmonischen Instrumenten-Soli. Im Handumdrehen hat Till Simon den Saal für sich gewonnen.

Die sonore Stimme des passionierten Musiklehrers kommt beim Publikum an. Nach dem ersten Song gibt es ausgiebigen Applaus und anerkennendes Kopfnicken. In seinem aktuellen Album verrät der erfahrene Musiker viel über seinen mit diversen Schnörkeln versehenen Lebensweg. Der Zuhörer erfährt, wie Simon seinen Weg zur Natur fand und wie er die doch so wichtige Heimat definiert. Geschichten eines „Middle-Agers“, so beschreibt es der Sänger.

So auch das Lied „Raum und Zeit“. Ein sehr melancholisches Arrangement, das vom Verzweifeln erzählt. „Ich weiß nicht mehr, wohin es geht, wo meine Sinne stehen“, singt er. Die letzte Zeile: „Ich lauf‘ den Tränen hinterher.“ Den ganz großen Themen des Lebens haben sich bereits unzählige Musiker angenommen. Das gelingt nicht immer. Doch Till Simon ist im Gesamtpaket authentisch, was sich auch in der großen Bühnenpräsenz niederschlägt. Die Botschaft: So fühle ich – und nicht anders.

Sowohl emotional als auch musikalisch bot der Künstler aus der Weserstadt gemeinsam mit seiner Band hörenswerte Abwechslung. Mal ist ein Cello mit eingebunden, mal nicht. Im Titel „Es weint der Himmel“ greift Simon das auf, was er über die seit Monaten stattfindenden sogenannten Montagsdemonstrationen der Pegida-Bewegung denkt. Feinfühlig und voller Sorge seziert er den Verfall der politischen Kultur, wie Argumente und Vernunft blindem Populismus weichen. „Zu blöd, um wahr zu sein“, konstatiert der Musiker enttäuscht. „Es gibt kein Zurück für dummes Geschwätz.“ Er sei froh, dass solche Meinungen wohl nicht im Saal vertreten werden würden. Und falls doch: Gern stelle er sich jeder Diskussion. Und das meint der Vollblutmusiker auch so. Gleiches gilt für die vielfältigen Botschaften seiner weniger politischen Songs.

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