Konzertdebüt im Haus Hünenburg Entscheidung auf dem Zahnarztstuhl

Rund 70 Gäste haben mit einem Cello-Konzert eine Premiere im Haus Hünenburg erlebt. Die Entscheidung, dort ein Konzert zu veranstalten, trat der Vorsitzende des Trägervereins auf dem Zahnarztstuhl.
28.01.2016, 00:00
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Von GISELA ENDERS

Brennende Kerzen, ein loderndes Kaminfeuer, Wein und Gebäck zur Begrüßung. Die etwa 70 Gäste, die sich am Dienstagabend zum Cello-Konzert im Haus Hünenburg eingefunden haben, schienen die sehr stilvolle und trotzdem ungezwungene Atmosphäre in den gediegenen Räumen am Weserhang zu genießen.

„Die Entscheidung für das Konzert fiel auf dem Behandlungsstuhl meiner Zahnärztin“, leitete Günter Treichel, Vorsitzender des Vereins Haus Hünenburg, die Begrüßung der Besucher ein. In den Praxisräumen von Stefanie Mauer in Achim-Baden habe es im kleinen Kreis und in gleicher Besetzung zuvor einen begeisternden musikalischen Abend gegeben. „Ein Auftritt der Cellisten Matias de Oliveira Pinto und Olaf Nießing in der Hünenburg war danach ihr erklärter Wunsch.“

Mit dem Bohrer in der Hand habe sie ihn geradezu genötigt, erinnerte sich Treichel, schmunzelte dabei und stellte dem Publikum Musiker und Programm vor. Eine „Noite Brasiliera“ werde geboten, eine musikalische Reise, die in Europa beginne und in Südamerika endet. „Sie werden begeistert sein“, versprach der Organisator, und Stefanie Mauer stellte klar: „Gut, dass Sie den Scherz mit dem Bohrer verstanden haben, denn ich brauche meine Patienten auch weiterhin.“

Und dann begannen die Darbietungen mit einer Fuge von Bach, „mit einem Dialog, der sich emsig entwickelt“, wie de Oliveira Pinto erklärt, der seinen Duett-Partner Olaf Nießing während einer Tournee kennenlernte. Flüsternd verständigen sich die Interpreten über den Fortgang der Reise, verwöhnen das Publikum mit anspruchsvollen Etuden. Mit Stücken des Komponisten Ernst Mahle schlagen sie eine Brücke von Deutschland nach Brasilien, streifen zuvor jedoch Ungarn, Spanien und Portugal.

Fein aufeinander abgestimmt, präsentieren die Virtuosen ein Klangfeuerwerk großer Güte, immer wieder unterbrochen von launigen Wortbeiträgen und Erläuterungen. Während sich die Musik Spaniens sehr temperamentvoll gebe, dominiere in Portugal die Melancholie, erfuhren die Zuhörer, und auch Brasilien habe durchaus eine schwermütige Seite, die sich in landestypischen Klängen wiederfindet. „In den ländlichen Gebieten besitzt jede Familie eine Gitarre; man trifft sich und musiziert, bevor es Abend wird“, weiß de Oliveira Pinto, der seine Wurzeln in Sao Paulo hat und seit mehr als 30 Jahren in Berlin lebt. Zahlreiche Konzertreisen führen den Cellisten, der bereits mit 18 Jahren als Cello-Professor in Brasilien agierte, rund um den Globus. Darüber hinaus gibt er weltweit Meisterkurse und unterstützt Projekte in seinem Heimatland.

Olaf Nießing widmet sich seit seinem Studium in verschiedenen Orchestern der Kammermusik und gründete im Jahr 2000 das bekannte Emsland-Ensemble. Neben seiner nationalen und internationalen Konzerttätigkeit liegt ihm die Förderung des Nachwuchses im Bereich der klassischen Musik besonders am Herzen. Seit 2013 ist Nießing Dozent im Fach Cello an der Hochschule in Osnabrück und quält seine Schüler auch gern mal mit komplizierten Übungen, wie er schmunzelnd berichtete. Beide Cellisten eint die Liebe zu Südamerika, beide zählen Astor Pantaleón Piazolla, Krzysztof Penderecki und Georg Katzer zu ihren Lieblingskomponisten.

Das Publikum quittierte die Darbietungen der Musiker immer wieder mit herzlichem Beifall, und Günter Treichel geriet dabei ins Schwärmen. „Der Auftakt ist gelungen“, freute er sich zurecht und träumt von weiteren musikalischen Ereignissen in der Hünenburg – eventuell im Sommer im „herrlichen Park“, wie er sagte.

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