Ottersberg Entwicklung des Ortskerns stagniert

Ottersberg. Die Birke auf dem maroden Dach des ehemaligen Möbelhauses an der Großen Straße in Ottersberg ist so etwas wie ein Symbol für die Ottersberger Ortsmitte. Denn das, was einst den Ortskern des "Marktfleckens" auszeichnete, stagniert.
04.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Entwicklung des Ortskerns stagniert
Von Uwe Dammann

Ottersberg. Die Birke hat schon eine stattliche Größe erreicht und ziert mit grünem Laub das marode Dach des ehemaligen Möbelhauses an der Großen Straße in Ottersberg. Der junge Baum, der auf der Bauruine heranwächst, ist so etwas wie ein Symbol für die Ottersberger Ortsmitte.

Allenfalls "Grün" entwickelt sich hier noch, während alles andere, was einst den Ortskern des "Marktfleckens" auszeichnete, stagniert. Seitdem das Möbelhaus in der Großen Straße vor rund fünf Jahren bei einem Dachstuhlbrand stark in Mitleidenschaft gezogen und der Rest vom Gebäude wenig später leergeräumt wurde, gammelt das imposante Bauwerk vor sich hin.

Im Obergeschoss finden sich, an Stelle der Fenster, gähnend leere Löcher, und aus dem kaputten Dach wächst eine Birke. Der Jungbaum ist für so manchen, der sich mit der Ottersberger Ortskernentwicklung in den vergangenen Jahren beschäftigt hat, so etwas wie ein Symbol. Allenfalls "Grün" entwickelt sich hier, währen alles andere, was einst das Zentrum mit zahlreichen Geschäften auszeichnete, stagniert.

Seit Jahren ist die Entwicklung der Ottersberger Ortsmitte ein Stiefkind der örtlichen Politik. Während man sich im Rathaus vorbildlich um die Förderung von erneuerbaren Energien kümmert, verödet der zentrale Platz des Fleckens immer mehr.

Ein unattraktives Zentrum mit der wenig ansehnlichen Fassade eines Supermarktes, das vor sich hin bröckelnde Möbelhaus, weiterer Leerstand von Geschäften, wenig Bäume und Bänke – attraktiv ist etwas anderes, das sagen nicht nur Durchreisende, sondern stellen auch immer häufiger Einheimische fest.

Zugegeben, das Problem in den Griff zu bekommen, ist nicht einfach. Auch andere Kommunen – wie beispielsweise Achim – leiden darunter, dass viele Geschäfte in der Fußgängerzone dicht machen. Zurück bleiben leere Schaufenster, die der Stadtmitte kein attraktives Äußeres verleihen.

Auch im Falle des Möbelhauses sowie der Fassade des Supermarktes geht es um Privatbesitz. Schließlich kann und wird sich die Kommune nicht mit Steuergeldern um Gestaltung oder gar Abriss der Häuser kümmern.

Was aber offensichtlich ebenfalls völlig fehlt, ist ein Konzept, wie diese Problematik offensiv angegangen werden könnte. Regelmäßig zu den Wahlen tauchen in allen Fraktionen die Versprechen auf, sich um den Ortskern zu kümmern. Sind die Wahlen vorbei, sind die Ankündigungen vergessen.

Dabei liegt ein Dorferneuerungsplan vor: "Tradition und Innovation – die Mischung macht’s", so haben die Planer dasKonzept für Ottersberg betitelt. Es wurde bereits im Jahre 2005 vorgestellt. Wie ein Mix aus Historie und Moderne sollte demnach das Ortsbild nach erfolgter Umsetzung des Großvorhabens aussehen.

Verbesserungsvorschläge vorhanden

Das Problem ist nur, dass heute kaum jemand noch weiß, dass es diesen Plan überhaupt gibt. Demnach waren hier große Um- und Neubauprojekte geplant. Auf rund 160 Seiten hatten die Verantwortlichen von der Planungsgruppe Stadtlandschaft aus Hannover notwendige und angedachte Neuerungen sowie Verbesserungsvorschläge für das Ortsbild aufgezeigt. Im Wesentlichen ging es allerdings bei der Dorferneuerung um den Erhalt und die Erneuerung ortsbildprägender Bausubstanz. Das Planungsbüro kalkulierte seinerzeit ein Investitionsvolumen von rund fünf Millionen Euro für die nächsten drei Jahre ein. Das Land Niedersachsen förderte die Dorferneuerung mit einer Million Euro. Mit dem Geld sollten private Maßnahmen bis zu 30 Prozent der Investitionssumme, jedoch nicht mehr als 20000 Euro, aber auch öffentliche Projekte der Gemeinde gefördert werden.

Doch viele Anträge hat es offensichtlich nicht gegeben. Passiert ist seitdem so gut wie nichts. Die Planer sahen damals besonderen Handlungsbedarf in der Großen Straße, der Hauptverkehrsader in Richtung Autobahn und Sottrum, an der auch das marode Möbelhaus mit der grünen Birke liegt.

Dieser Handlungsbedarf ist in der Zwischenzeit nur größer geworden, denn die Straße stelle eine deutliche Zäsur im Ortsbild dar, meinte der Planer und kritisierte die schnurgerade Führung ohne Grünzonen. Durch Radwege, Pflanzstreifen, Parkbuchten, aber auch die Anpflanzung von Bäumen, könnten kurzfristig Verbesserungen erzielt werden. Kritisch betrachteten die Experten auch die Grüne Straße, die Ottersberger Einkaufsmeile in der Ortsmitte.

Hier wurden zwar vereinzelt Gehwege und Zufahrten erneuert, aber eine einheitliche Gestaltung fehlt weiterhin. Grundsätzlich erhaltenswert findet das Planungsbüro die ortsbildprägenden und kulturhistorisch bedeutsamen Bauten in Ottersberg. "Der Bestand ist beachtlich", hieß es. Neben dem Amtshof wurden auch die historischen Villen und Gechäftshäuser in der Ortsmitte genannt.

Etliche Male diskutierte der Rat auch über die Gestaltung eines Dorfplatzes in der Ortsmitte "Am Brink". Passiert ist bis heute hier nichts – lediglich ein Parkplatz ziert weiterhin diesen zentralen Punkt. Bleibt nur das Fazit: Die politische Meinungsbildung in Ottersberg wird auch weiterhin im Fluss bleiben – es ist nur zu hoffen, dass dabei nicht noch etliche weitere Bäume aus maroden Häusern sprießen, ehe die Ortsmitte endlich wieder in den Fokus der Kommunalpolitik rückt.

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