Abgesagte Klassenfahrten

Land übernimmt Stornokosten

Nach der Absage zahlreicher Klassenfahrten können viele Eltern nun aufatmen: Das Land Niedersachsen hat angekündigt, die Stornokosten zu übernehmen.
19.05.2020, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marie Lührs

Spanien, Frankreich, Italien, aber auch Lettland und Ungarn – Schüler im Landkreis Verden standen in diesem Jahr gleich einige spannende Auslandsreisen bevor. Doch Corona kam ihnen dazwischen, und so mussten allerlei Klassenfahrten und Schüleraustausche, aber auch Tagesausflüge abgesagt werden. Das ist nicht nur eine Enttäuschung für die Lehrer, die viel Zeit in die Planung gesteckt haben, und die Schüler, die sich auf das Abenteuer gefreut haben. Auch für die Eltern, die Fahrten bereits bezahlt haben, hat das Folgen. Denn vielfach fallen Stornokosten an und wer diese übernimmt, war lange unklar. Nun lässt Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne jedoch in einem Schreiben an die Schulen wissen, dass das Land die Stornokosten übernehme. Insgesamt 20 Millionen Euro sollen dafür über einen Sonderfonds bereitgestellt werden, kündigt das Ministerium an. Wann und wie das Geld an die Schulen gelangt, ist noch offen.

Klar ist jedoch, wie wichtig es für die Eltern ist, nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Denn die aktuelle Situation setzt vielen Familien auch finanziell sehr zu. „In vielen Familien arbeiten die Frauen ohnehin nur halbtags, nun sind zusätzlich die Väter in Kurzarbeit“, schildert Silke Garbelmann, Vorsitzende des Kreiselternrates, die prekäre Situation. „Als die Schulen geschlossen wurden, haben viele von ihnen ihren Kindern Laptops gekauft.“ Sie wollten damit ihrem Nachwuchs Chancengleichheit ermöglichen. Nun fehle das Geld an anderer Stelle. Entsprechend gelegen kommen vielen Eltern die Rückzahlungen für ausgefallene Klassenfahrten. Die Kreiselternratsvorsitzende ist im Kontakt mit mehreren Betroffenen und weiß auch um die Bemühungen der Lehrer, die Fahrten frühzeitig und möglichst ohne finanzielle Folgen abzusagen.

Rund 50 Schüler des Gymnasiums am Wall (GaW) hatten sich in diesem Jahr auf eine Kursfahrt nach England gefreut. Hastings war das Ziel der Mittelstufe. Auch ein Schüleraustausch mit Spanien war geplant, erzählt Schulleiterin Petra Sehrt. „Die Schüler bis zur zehnten Klasse trifft es hart“, weiß sie. Für die älteren Schüler seien die Absagen zwar auch eine große Enttäuschung gewesen, sie zeigten jedoch viel Verständnis für die aktuelle Situation. „Wir müssen uns nun etwas anderes überlegen, vielleicht einen Wandertag“, denkt die Schulleiterin über mögliche Alternativen nach, den Schulalltag zumindest mit Ausflügen zu bereichern. Wenn schon nicht ins Ausland, dann wenigstens ins Umland. Da die Austausche am GaW gewöhnlich nur alle zwei Jahre stattfinden, ist die Absage für die Schüler besonders schmerzlich. Die Schule werde nun allerdings prüfen, ob es möglich sei, den Austausch bereits im kommenden Jahr nachzuholen.

Einen Nachholtermin im kommenden Jahr wird es für viele Schüler am Gymnasium am Markt in Achim nicht geben. Denn hier finden die meisten Reisen ohnehin jedes Jahr statt. Und auch für dieses Jahr hatten die Lehrer einiges geplant. Als Europa-Schule hat der internationale Austausch dort eine besondere Bedeutung. Fahrten nach Frankreich, Spanien, Ungarn und Lettland waren bereits festgelegt. Die sechsten Klassen wollten nach Trier, Lübeck und Stade. Bis in den Herbst hinein wurden Fahrten abgesagt, erklärt Schulleiter Dirk Stelling. In der Schwebe ist hingegen die Fahrt des Ski-Kurses, die für Januar 2021 geplant ist. Die Frage laute: „Buchen wir jetzt oder lieber nicht?“. Noch sei unklar, wie sich die Situation entwickle. „Wir hängen zwischen Baum und Borke“, sagt Stelling.

Auch die Schüler der Verdener Campus-Oberschule müssen auf ihre Englandfahrt verzichten. Der fünfte Jahrgang wird nicht nach Esens fahren, auch einige weitere Fahrten entfallen. „Die Fahrten werden teils verschoben, teils abgesagt“, erklärt Schulleiter Christian Piechot. Etwa 200 Schülerinnen und Schüler sind betroffen. An den Berufsbildenden Schulen in Verden ist die Zahl der Klassen, die auf geplante Fahrten verzichten müssen, vergleichsweise gering. Denn nur wenige Schulformen, wie die beruflichen Gymnasien unternehmen überhaupt Reisen, erklärt stellvertretender Schulleiter Norbert Mäteling. Gelassen ist auch Kerstin Albes-Bielenberg, Leiterin der IGS Achim. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt sie mit Blick auf die in Aussicht gestellten Zahlungen. Ihre Schule ist allerdings auch bisher glimpflich davongekommen und habe nur eine „ganz kleine Summe“ zu zahlen. Da sich die IGS noch im Aufbau befindet und derzeit nur die Jahrgänge fünf, sechs und sieben beherbergt, ist auch die Zahl der Fahrten gering.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+