Dämpfer für Bürgerbusse

Erstmals weniger Fahrgäste im Bürgerbus

Für viele Menschen stellen die Bürgerbusse gerade im ländlichen Raum eine große Erleichterung dar und bisher konnten sie die Fahrgastzahlen stets steigern. Nun gibt es erstmals einen Rückgang im VBN-Gebiet.
18.01.2019, 16:09
Lesedauer: 4 Min
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Erstmals weniger Fahrgäste im Bürgerbus
Von Kai Purschke

Gerade im ländlichen Raum ist das Bürgerbus-Prinzip für die Menschen ein willkommenes Angebot, um mobil sein zu können – und noch immer dürfen die Bürgerbusse als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Sie konnten Jahr für Jahr steigende Fahrgastzahlen verbuchen, so hatte etwa der Achimer Bürgerbusverein im Januar vor einem Jahr zurecht stolz von einem Fahrgastrekord gesprochen. Im Jahr 2017 nutzten exakt 33 886 Menschen das Angebot. Das bedeute im Vergleich zum Jahr 2016 erneut eine Steigerung um 13 Prozent. Und nicht nur aus Achim wurde Erfolg gemeldet. Nun aber gibt es für alle 22 Bürgerbus-Institutionen eine Hiobsbotschaft. „Es gibt erstmals seit 15 Jahren mit rund 286 000 Fahrgästen einen Fahrgastrückgang um rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, hat der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) mitgeteilt.

Nach Angaben des Verbands liegen die Gründe für den ungewohnten Rückgang der Fahrgastzahlen „vermutlich im langen Extremsommer 2018“. Viele Menschen, insbesondere Ältere, hätten wegen der Hitze ihre Mobilität reduziert. Aber auch die deutlich rückläufige Beförderung von Flüchtlingen, die in den Jahren 2015 bis 2017 bei vielen Bürgerbussen für außergewöhnlich hohe Fahrgastzahlen gesorgt hätten, dürfte aus Sicht des Verbands das Ergebnis fürs vergangene Jahr beeinflusst haben.

Bisher 160 000 Fahrgäste in Achim

Zehn Prozent Rückgang – das deckt sich fast mit dem Jahresergebnis des Achimer Bürgerbusses. Wie der Verein nun auf Anfrage mitgeteilt hat, seien es im Jahr 2018 „ziemlich genau 31 000 Fahrgäste“ gewesen. Was einem Minus von rund 8,5 Prozent entspricht. Aber immerhin: „Das ist nach dem Fahrgastrekord des vorausgegangenen Jahres das zweitbeste Jahr seit der Betriebsaufnahme im Jahr 2011“, heißt es vom Bürgerbusverein. In der Summe seien seit 2011 bislang rund 160 000 Gäste an Bord der Kleinbusse begrüßt worden.

Der Bürgerbusverein Achim vermutet als Grund für den Rückgang gegenüber 2017 ebenfalls den außergewöhnlich langen und warmen Sommer. Denn während im Januar 2018 beispielsweise 3159 Fahrgäste das Angebot nutzen, waren es im Juli vergangenen Jahres lediglich 2141. Die am meisten nachgefragten Haltestellen seien die an den beiden Bahnhöfen in Achim und in Baden sowie am Schmiedeberg, am Alten Markt und an der Schule in Uesen. „Hier zeigt sich auch eine steigende Nachfrage der Fahrgäste aus und in die Samtgemeinde Thedinghausen“, erklärt der Verein.

Der beliebteste Wochentag für die Nutzung des Bürgerbusses ist in Achim der Mittwoch. „An diesem Tag findet der Achimer Wochenmarkt statt und an diesem Tag fahren mehr Fahrgäste als an den übrigen Wochentagen mit den Bussen.“ Die meisten Fahrgäste kommen aus dem Ortsteil Achim, nämlich mit rund 54 Prozent mehr als die Hälfte. Die gesamte Fahrleistung im Achimer Liniennetz betrug mit den zwei Bussen rund 140 000 Kilometer.

Bürgerbusse nicht mehr wegzudenken

Das zeigt, was auch der ZVBN betont: Bürgerbusse sind nicht mehr wegzudenken aus dem ländlichen Raum und den Mittelzentren. So sei 2018 wegen einer VBN-Gebietserweiterung der Bürgerbus Visselhövede neu hinzugekommen und auch in weiteren Gemeinden sei die Einrichtung eines Bürgerbusses im Gespräch. „Das Prinzip Bürgerbus ist also weiterhin attraktiv, weil es den oft beklagten Problemen der Mobilität im ländlichen Raum hervorragende Lösungen entgegensetzt“, glaubt der ZVBN. Zumal ein Bürgerbus eine sehr gute Verbindung aus ehrenamtlichem und kommunalem Engagement darstelle.

Wie berichtet, wurden die VBN-Tarife zum Jahresbeginn erhöht. Ein Einzelticket der Preisstufe A im Bürgerbus kostet nun 2,15 Euro statt wie bisher 2,10 Euro. Der Preis für eine Einzelfahrt mit einem Vierer-Ticket liegt nun bei 1,90 Euro statt wie bisher bei 1,85 Euro. Die Preisstufe B kostet jetzt 3,65 Euro statt wie bisher 3,60 Euro. Die Tickets der Preisstufe C, mit denen man von Achim nach Verden oder Bremen fahren kann, kosten nun fünf Cent mehr und damit 4,75 Euro. Die Preise für Kindereinzeltickets bleiben hingegen auch im neuen Jahr unverändert. Eine komplette Preisübersicht gibt es auch auf der Internetseite des VBN, zu finden unter www.vbn.de.

Info

Zur Sache

Der ZVBN und die VBN GmbH

Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) ist der Zusammenschluss von vier Städten und sechs Landkreisen im VBN-Gebiet. Er ist Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr, kurz: den ÖPNV. Der Zweckverband wurde im Jahr 1996 gegründet. Die Ziele und Planungen der einzelnen Verbandsmitglieder werden im sogenannten Nahverkehrsplan abgestimmt und zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt, der Nahverkehrsplan bildet den Rahmen für die Entwicklung des ÖPNV im Gebiet des ZVBN, wie dieser mitteilt. Ein „weiterer wichtiger Baustein“ sei die vertraglich geregelte Zusammenarbeit mit der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) GmbH, dem Zusammenschluss von über 30 in der Region tätigen Verkehrsunternehmen. Gemeinsam erarbeitete Qualitätskonzepte für Haltestellen, Fahrzeuge, das Beschwerdemanagement, ein abgestimmtes Leistungsangebot, eine unternehmensübergreifende Fahrgastinformation und insbesondere der einheitliche VBN-Tarif sind Beispiele für diese Zusammenarbeit.

Die Städte Bremen, Bremerhaven, Delmenhorst und Oldenburg sowie die Landkreise Ammerland, Diepholz, Oldenburg, Osterholz, Wesermarsch und Verden bilden den Zweckverband. Weitere 13 kreisangehörige Gemeinden in den Landkreisen Cuxhaven, Rotenburg und Nienburg sind über einen Assoziierungsvertrag mit dem ZVBN in den Verkehrsverbund integriert. Der Verbundraum umfasst eine Fläche von rund 8800 Quadratkilometern und 1,8 Millionen Menschen. Jährlich nutzen nach Angaben des ZVBN über 140 Millionen Fahrgäste die Angebote des Verbundes. Dessen zentrales Entscheidungsgremium ist die Verbandsversammlung, in die jedes Mitglied zwei Personen entsendet. Die Einwohnerzahl entscheidet über das Stimmengewicht in der Verbandsversammlung.

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