Interview

„Es muss keinen Rüdiger Dürr 2.0 geben“

Erst seit wenigen Wochen ist der 22-jährige Julius Heine neuer Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Im Interview blickt er zusammen mit seinem Vorgänger Rüdiger Dürr auf die Aufgaben, vor denen er nun steht.
22.05.2019, 15:33
Lesedauer: 4 Min
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„Es muss keinen Rüdiger Dürr 2.0 geben“
Von Elina Hoepken
Herr Heine, als Rüdiger Dürr Vorsitzender des Achimer CDU-Stadtverbandes wurde, waren Sie noch nicht einmal geboren. Haben Sie Angst vor den großen Fußstapfen, in die Sie treten?

Julius Heine: Auf jeden Fall, weil man sie sicherlich nicht ausfüllen kann. Aber das ist auch gar nicht das Ansinnen. Ich glaube, Rüdiger Dürr hat sich selbst ein Denkmal geschaffen und man sollte gar nicht versuchen, es ihm gleichzutun, sondern eigene Wege einschlagen.

Also wollen Sie bewusst Dinge anders machen als Ihr Vorgänger?

Heine: Die guten Dinge können wir gerne so lassen, wie sie sind, aber wir brauchen auch ein bisschen Innovation ...

Rüdiger Dürr: ... und dafür haben wir dich ja jetzt. Es ist einfach Zeit, das Amt in qualifizierte junge Hände zu geben. Ich bin froh, dass wir neue Leute haben, die in den Vorstand gehen und von denen ich weiß, dass sie intelligent sind und Power haben. Es muss keinen Rüdiger Dürr 2.0 geben. Die Zeiten ändern sich.

Heine: Wir sollten nun mit allen neuen Vorstandsmitgliedern in Ruhe analysieren, wo wir Verbesserungspotenziale haben. Und daraus wollen wir dann unseren Leitfaden erstellen – nicht nur für dieses Jahr, sondern für die nächsten Jahre. Ich glaube wir haben viele Leute, die auch viele Ideen mitbringen. Da schlummert noch einiges.

Wo genau hat die CDU noch Potenzial?

Heine: Eine Idee, die ich gerne einbringen würde ist die, aus den öffentlichen Ratssitzungen regelmäßig im Internet Updates zu posten. Die Bürger sollen sehen: Da ist eine Plattform, wo ich auch meine Meinung äußern kann, die dann etwas schneller den Weg ins Rathaus findet.

Dürr: Ich verspreche mir von dem neuen Vorstand auch, dass er noch mal in der Lage ist, jüngere Mitglieder zu ziehen.

Die Jugend wird ja häufig eher als politikverdrossen bezeichnet. Wie wollen Sie es schaffen, sie dennoch auch hier in Achim für Politik zu begeistern?

Heine: Ich glaube nicht, dass die Verdrossenheit der Jugend tatsächlich so groß ist, wie sie immer dargestellt wird. Sehr viele Menschen sind im kleinen Kreis engagiert, zum Beispiel in den Sportvereinen. Da gibt es nach wie vor eine große Menge ehrenamtliches Engagement. Und das kann man in der Politik auch erreichen, wenn man den Menschen zeigt, wie Politik gemacht wird, wenn man sie an die Hand nimmt.

Also Politik transparenter macht?

Heine: Ja. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Politik ein geschlossener Kreis ist. Die Leute denken, es gibt zwar mehrere Parteien, aber im Großen und Ganzen ist es eine Blase und es ist schwer, dazwischen zu kommen und seine Meinung einzubringen. Aber genau das ist nicht der Punkt.

Dürr: Die Problematik ist, dass die Menschen sich heute nicht mehr binden wollen. Wenn es ein Projekt gibt, habe ich viele ehrenamtliche Helfer und wenn das Projekt zu Ende ist, gehen sie wieder. Es ist heute nicht einfach, die Menschen längerfristig an etwas, also auch eine Partei, zu binden. Deshalb bin ich ja so froh, dass wir jetzt viele junge Menschen haben, die zum Beispiel auch die neuen Medien mehr in ihre Arbeit einbinden.

War es schwer ist es Ihnen gefallen, nach so vielen Jahren das Amt und die Verantwortung abzugeben?

Dürr: Eines ist mir wichtig: Ich bin nicht amtsmüde. Ich könnte jederzeit noch zehn Jahre weitermachen. Aber dennoch war es eine bewusste Entscheidung. Ich gebe das Amt mit einem sehr guten Gefühl ab.

Heine: Wir wollen natürlich auch den Erfahrungsschatz der Älteren nicht verlieren. So lange wir diese Luxussituation haben, dass wir die Mitglieder des ehemaligen Vorstandes noch in unseren Reihen haben, sollten wir uns auch mit ihrer Erfahrung für die Zukunft aufstellen und das mit unseren Ideen verknüpfen.

Was braucht es denn, um ein erfolgreicher Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes zu sein?

Heine: Die Außenwirkung ist auf jeden Fall sehr wichtig und man braucht ein gewisses Talent für Führung. Als Vorsitzender muss man die Leute beisammen halten und empathisch gucken, dass alle gleichmäßig beachtet werden und ihre Ideen einbringen können.

Dürr: Zuhören können ist ganz wichtig. Das hat sich in meiner Zeit am meisten bewährt. Und vor allem sollte man immer offen und ehrlich sein. Und auch das sollte einem bewusst sein: Man ist eine Art Vorbild.

Ganz schön viel Verantwortung. Was haben Sie gedacht, als Sie das erste Mal als Nachfolger ins Gespräch kamen?

Heine: Zunächst einmal fühlt man sich in meinem Alter natürlich geehrt, dass man überhaupt gefragt wird. Aber es ist auch ein großes Aufgabenvolumen. Deshalb fragt man sich, ob man das alles stemmen kann. Im zweiten Schritt haben wir dann aber gesagt, dass das eigentlich gar nicht die Absicht ist. Wir wollen und werden die Aufgaben, die vorher Rüdiger Dürr alleine gemacht hat, aufteilen müssen. Und vor dem Hintergrund mache ich das sehr gerne.

Wie sind Sie eigentlich zur Politik gekommen?

Heine: Angefangen hat alles mit einem Sommerfest, auf dem ich mit 14 Jahren in die Junge Union eingetreten bin. Mit 18 Jahren bin ich dann CDU-Mitglied geworden und habe relativ schnell Verantwortung übernommen – als externes Fraktionsmitglied und als Mitglied des Vorstands.

Also war die Ambition, ganz vorne mitzuspielen, schon von Beginn an da?

Heine: Auf jeden Fall. Aber ich glaube, es ist ein sehr wichtiger Grundstock, erst einmal zu schauen, wie man dort überhaupt arbeitet und Erfahrungen zu sammeln.

Hat der CDU-Stadtverband davon profitiert, dass es fast 30 Jahre lang den gleichen Vorsitzenden gab?

Dürr: Ich denke schon. Ich habe den Stadtverband immer sicher geführt. Und es gab dennoch auch immer neue Ideen. Ein Vorsitzender muss ja auch immer Ideengeber sein. Und ich war ganz oft Ideengeber.

Heine: Ich möchte das mal mit einem kleinen Schaubild verdeutlichen: Es gibt auf dem Wasser immer Wind aus vielen Richtungen. Aber wenn man einen guten Kapitän hat, dann kann man durch jedes Wasser manövrieren. Und das ist auch mit dem Stadtverband passiert. Es gab immer Ideen und auch mal Konflikte. Aber im Endeffekt war die CDU immer in ruhigem Fahrwasser. Und das wollen wir mit dem neuen Vorstand auf jeden Fall weiterführen.

Auch für fast 30 Jahre – wie ihr Vorgänger?

Heine: Mit der Ambition sollte man nicht daran gehen. Die erste Ambition sollte sein, möglichst gute Arbeit zu leisten. Wie lange das dann im Endeffekt ist, wird man sehen.

Das Interview führte Elina Hoepken.

Info

Zur Person

Julius Heine (22) wohnt in Achim und ist über den Nachwuchspool der Bremer Senatorin für Finanzen beim Amt für Soziale Dienste tätig. Ende April wurde er von den Mitgliedern des CDU-Stadtverbandes zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Rüdiger Dürr (71) übernahm 1989 den Vorsitz des CDU-Stadtverbandes und stand ihm mit zwei Jahren Unterbrechung bis 2019 vor. Er ist darüber hinaus Mitglied der CDU-Ratsfraktion.

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