Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung im Cato wollen Frauenberatung, Landkreis und Fachstelle Sucht für Magersucht sensibilisieren

„Essstörungen sind ein stilles Thema“

Achim. „Letztendlich geht es um Orientierung und die nötige Ruhe zur Selbstfindung“, fasst Stefan Krolle die Probleme zusammen, die zu einer Essstörung in jungen Jahren führen. Der Schulleiter des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums in Achim hat in seinem Amt schon des Öfteren Berührungspunkte mit dem Thema Magersucht gehabt.
03.02.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen
„Essstörungen sind ein stilles Thema“

Friederike Geißler, Nina Spiedt und Stefan Krolle (von links) laden zu der Ausstellung mit mehreren Veranstaltungen.

Björn Hake

Achim. „Letztendlich geht es um Orientierung und die nötige Ruhe zur Selbstfindung“, fasst Stefan Krolle die Probleme zusammen, die zu einer Essstörung in jungen Jahren führen. Der Schulleiter des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums in Achim hat in seinem Amt schon des Öfteren Berührungspunkte mit dem Thema Magersucht gehabt. Entsprechend gibt er gerne Platz in seiner Schule her, um das Ausstellungsprojekt „Klang meines Körpers“ in Achim zu ermöglichen. Es ist der Frauenberatung Verden dank einer Kooperation mit dem Landkreis Verden, Fachdienst Jugend und Familie, und der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werkes in Achim gelungen, die Ausstellung in die Schule zu holen. Besonders Schüler der achten Klassen sollen davon profitieren, es gibt aber auch Veranstaltungen für die Öffentlichkeit.

Besonders auf Eltern und andere Menschen, die im Leben von Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen, hoffen die Veranstalter. Friederike Geißler von der Frauenberatung will Aufmerksamkeit erreichen, denn: „Essstörungen sind ein stilles Thema.“ Oft würde das Problem lange nicht erkannt. Das liege auch daran, dass die Jugendlichen, die davon betroffen sind, meist gute, leistungsbereite Schüler seien, erklärt Nina Spiedt von der Fachstelle Sucht. Auch über Essen wüssten die Betroffenen viel. „Deshalb geht es in der Ausstellung auch nicht um gesunde Ernährung. Das wissen die Jugendlichen selbst, die können alle Informationen dazu runterbeten.“ Bei „Klang meines Körpers“ gehe es entsprechend um kreative Wege aus der Krankheit und natürlich um Prävention.

Entstanden ist die Ausstellung in Düsseldorf in Regie von der Werkstatt Lebenshunger e.V., die Musiktherapeutin Stephanie Lahusen zeichnete dafür verantwortlich. Mitgewirkt haben außerdem betroffene Jugendliche, die ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle in der Ausstellung verarbeiteten. Neben Informationen gibt es so auch die Gedankenwelt essgestörter junger Menschen, die man nachempfinden kann. Lahusen selbst war es auch, die die Lehrer der Realschule, der Hauptschule sowie der beiden Achimer Gymnasien schulte. Diese wiederum sollen alle achten Klassen der Stadt durch die Ausstellung führen. „13, 14 Jahre – das ist die Zeit, wenn die Pubertät gerade angefangen hat und sich fragt: ,Wer bin ich eigentlich?'“, erklärt Spiedt. Wen die Ausstellung aufwühlt, wer sich oder Freunde wiedererkennt, könne sich sowohl an die Frauenberatung (frauenberatung-verden@t-online.de) als auch an die Fachstelle Sucht (nina.spiedt@evlka.de) wenden. Doch auch in der Ausstellung selbst wird es Hinweise auf Ansprechpartner geben.

Bei den Führungen der Achtklässler ist zwar geschlossene Gesellschaft angesagt, doch es gibt auch öffentliche Termine für alle Interessierten. Zunächst ist da die Auftaktveranstaltung am 6. Februar: Zwischen 9.30 und 11 Uhr kann man den Eröffnungsreden lauschen und sich die Ausstellung anschauen. Am Mittwoch, 8. Februar, bietet das Mädchenhaus Bremen um 17 Uhr die Gelegenheit, sich bei der Veranstaltung „Hot Pants und High Heels“ darüber auszutauschen, wie sie mit der Zurschaustellung des Körpers und Schönheitsidealen umgehen können. Am 9. Februar stehen Jungs im Fokus. Ab 18 Uhr bietet Claudia Kapahnke-Blaase einen Workshop zum Thema Körperkult an.

Besonders Eltern sind angesprochen, wenn es am 13. Februar ab 18 Uhr darum geht, bei Kindern und Jugendlichen Anzeichen für eine Essstörung zu erkennen. Ein thematischer Filmabend beendet das Programm am 15. Februar um 19 Uhr. Alle Veranstaltungen sind kostenlos und findet im Cato (Bergstraße 26, Achim) statt. Kurz davor und danach kann man die Ausstellung begutachten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+