Alternative für Deutschland (AfD) gründet Kreisverband und nominiert Kandidaten für die Bundestagswahl

Euro-Kritiker machen im Kreis Verden mobil

Der 38 Jahre alte Professor Thomas Hochrainer bewirbt sich für die AfD im Wahlkreis Osterholz-Verden um ein Bundestagsmandat. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Partei werde von Rechten unterwandert.
04.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Euro-Kritiker machen im Kreis Verden mobil
Von Felix Weiper

Der 38 Jahre alte Professor Thomas Hochrainer bewirbt sich für die AfD im Wahlkreis Osterholz-Verden um ein Bundestagsmandat. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, die Partei werde von Rechten unterwandert.

Landkreis Verden. Akademisch gebildet, männlich, streitbar: So kommen die Euro-Kritiker im Landkreis Verden daher. Anfang August will die Alternative für Deutschland (AfD) einen Kreisverband Osterholz-Verden gründen. An dessen Spitze werden aller Voraussicht nach der promovierte Chemiker Gerhard Kellner aus Kirchlinteln und der Betriebswirtschaftler und Landwirt Carl Christian Hesse aus Verden stehen.

Einen Bundestagskandidaten der AfD für den Wahlkreis 34 Osterholz-Verden gibt es auch. Es ist der 38 Jahre alte Thomas Hochrainer. Der Maschinenbauprofessor und Familienvater, der in Lilienthal lebt und in Bremen doziert, hofft darauf, dass er über die Liste in den Bundestag einziehen kann. Dazu müsste die Alternative für Deutschland bei der Wahl auf sieben bis acht Prozent der Stimmen kommen. "Ich halte das für realistisch, insbesondere wenn sich die Euro-Krise weiter zuspitzt", sagt Hochrainer. Der politisch ambitionierte Wissenschaftler wurde kürzlich in Oyten von den AfD-Mitgliedern aus den Landkreisen Verden und Osterholz nominiert.

Ärger über die Euro-Rettungspolitik ist für Hochrainer eine Antriebsfeder, um für ein Mandat zu kämpfen. "Der Euro ist nicht Europa, wie von den etablierten Parteien bewusst falsch argumentiert wird. Tatsächlich spaltet der Euro Europa", meint Hochrainer. "Denn die angebliche Rettungspolitik schränkt die haushaltsrechtliche Souveränität der beteiligten Länder ein, was viele Bürger zu Recht erzürnt." Ein zentrales Anliegen des Professors ist auch die Bildung. "Ich bin erschüttert, wenn ich sehe, mit welchen Mathe-Defiziten viele Studenten zu mir an die Universität kommen." Bildung dürfe nicht länger eine ideologische Spielwiese sein.

Hochrainer räumt ein, er habe durchaus Sorge, dass die Alternative für Deutschland mehr und mehr in die rechte Ecke gerückt werde. Vor wenigen Tagen erst wiederholten FDP und Grüne den Vorwurf, die AfD werde von Rechten unterwandert. Rechtslastigkeit unterstellte auch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung der AfD. "Das ist böswillig", setzt sich Thomas Hochrainer zur Wehr. "Die Etablierten sehen in der AfD offenbar eine stärker werdende Konkurrenz."

Dass seine Partei von politischen Gegnern unter den Generalverdacht des Rechtspopulismus gestellt wird, empört auch den 70 Jahre alten Verdener AfD-Aktivisten Hesse. Er glaubt jedoch, dass die AfD im Wahlkampf – insbesondere in Gesprächen und im direkten Kontakt zu den Bürgen – viel Boden gutmachen kann. Derzeit dümpelt die Partei in Umfragen bei etwa drei Prozent. "Das nimmt mir aber nicht die Zuversicht", betont Hesse.

In der hiesigen Region habe die Alternative für Deutschland inzwischen eine Basis, ergänzt Gerhard Kellner. Der 63-Jährige versucht, Aufbruchstimmung zu vermitteln: "Wir sind vor einigen Wochen bei Null angefangen, haben jetzt aber bereits rund 50 Mitglieder in den Kreisen Verden und Osterholz." Darunter viele Akademiker aus allen möglichen Berufssparten – Rechtsanwälte, Kaufleute, Beamte, Ingenieure und Dozenten. Der Frauenanteil sei allerdings verschwindend gering. Ein Fünftel der AfD-Mitglieder hatte zuvor andere Parteibücher – von CDU, SPD, FDP oder auch den Grünen. Einige waren auch politische Mandatsträger in Kommunen. So saß Carl Christian Hesse früher für die CDU im Stadtrat und im Kreistag Verden. Die AfD gilt gemeinhin als Anti-Euro-Partei. Gerhard Kellner stellt klar, dass im Parteiprogramm die Rückkehr zu nationalen Währungen keinesfalls als alternativlos dargestellt werde. Es sei denkbar, kleine, stabilere Währungsverbünde zu schaffen. "Wir sind keine Euro-Hasser", sagt Kellner. Aber die Währungsunion in ihrer jetzigen Form könne nicht funktionieren. Die AfD setze sich dafür ein, "dass die Politik nicht mehr die Staatsverschuldung in unkontrollierbare Höhen treibt, um spekulierende Banken und Finanzmärkte mit Steuergeldern zu retten". Auch sein Parteifreund Hesse schlägt zunächst verbindliche Töne an: Auch er wolle die D-Mark nicht unbedingt zurück. Schließlich profitiere er selbst als Landwirt und Kaufmann vom Euro. Dann verteidigt der Verdener vehement die radikale AfD-Vision: raus mit den schwächelnden südeuropäischen Staaten aus der Währungsunion. "Scharfe Grenzen müssen her, weil die Milliarden-Risiken nicht mehr hinnehmbar sind", betont er.

Hesse und Kellner kündigten an, dass die AfD ab Anfang August offensiv in den Wahlkampf in der Region einsteigen wolle. Zuvor müssen sie noch eine wichtige Aufgabe erledigen: Unterschriften sammeln für Thomas Hochrainer. Weil die AfD das erste Mal bei der Bundestagswahl ins Rennen geht, braucht der Maschinenbauprofessor 200 Unterstützer-Unterschriften von Wahlberechtigten, um als Kandidat antreten zu dürfen. Die Liste muss bis zum 15. Juli beim Kreiswahlleiter vorliegen.

Euro-Kritiker machen im Kreis Verden mobil

Alternative für Deutschland (AfD) gründet Kreisverband und nominiert Kandidaten für die Bundestagswahl

Zitat:

"Wir sind keine

Euro-Hasser"

Gerhard Kellner

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+