Sebastian Lege lädt in "Foodwerkstatt"

Fernsehkoch ist jetzt auch Buchautor

„Margarine ist der Horror!“ Wenn es um Lebensmittel geht, wird Sebastian Lege deutlich. Und emotional. Der gebürtige Achimer ist Koch, Unterhalter - und jetzt auch Buchautor.
10.01.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen

„Margarine ist der Horror!“ Wenn es um Lebensmittel geht, wird Sebastian Lege deutlich. Und emotional. Der gebürtige Achimer ist Koch, Unterhalter - und jetzt auch Buchautor.

Es geht ihm bei allen drei Tätigkeiten um das gleiche Anliegen: Essen soll gut tun, geschmacklich und auch vom Inhalt her. Für Lege dürfte diese Formulierung viel zu schlaff sein. Er geht beim Thema Essen in die Vollen. Beim Gemüseeinkauf zum Beispiel solle man mal versuchen, ganz auf das Gefühl zu vertrauen. „Man greift sich was und wie fühlt sich das an? Klopft das Herz oder klopft es nicht? Was sagt der Instinkt?“

Lebensmittel-Aufklärung im Fernsehen

Bald ist Lege vor allem in der Funktion des Aufklärers zu sehen. Am 17. und 24. Januar, jeweils zur Primetime um 20.15 Uhr, laufen neue Folgen seines Formats „ZDFzeit – Die Tricks der Lebensmittelindustrie“. Unserer Zeitung verrät er vorab schon einmal, was sich die Industrie so hat einfallen lassen, um den Verbraucher geschickt einzuwickeln.

„Wo am meisten getrickst wird, ist im Bereich der Light-Produkte“, weiß Lege. Denn die Lebensmittel, die suggerieren, schlank zu machen, befänden sich in einer „deklaratorischen Grauzone“. „Man nimmt ein hochkalorisches Element raus und ein anderes rein. Man ersetzt Fette durch Bindemittel“, nennt er Beispiele für übliche Kniffe. In die Salami würden dagegen Reifebeschleuniger gepumpt. Künstlich zugesetzte Enzyme würden lange Warterei ersetzen.

Vorlesung über Margarine

Und was ist der Horror-Faktor der Margarine? Das habe ihn erst jüngst wieder umgetrieben, verrät Lege. Beim Besuch der Mutter in Achim habe er das Produkt im Kühlschrank gefunden. Und sich veranlasst gesehen, eine kleine Vorlesestunde einzulegen. „Ich hab‘ da mal die Zutatenliste vorgetragen, was da alles drin ist!“, sagt Lege und betont: „Nimm Butter, einfach ein Stück Butter, das ist so viel besser!“ Ähnlich schlecht wie das pflanzliche Ersatzprodukt kommt bei dem Koch, der inzwischen in Düsseldorf lebt, ein bekannter, süßer Brotaufstrich mit Schokogeschmack weg: „Da kann man genauso gut in einen Block Palmin beißen.“ Allerdings kennt auch der aufgeklärte Koch die Lebensmittel, die eben eine gewisse Erinnerung in sich bergen. „Ja, klar gibt es die. Dosenravioli, Milchschnitte, Miracoli und natürlich Fischstäbchen“, zählt Lege auf.

"Die Foodwerkstatt"

Doch von Kindheitserinnerungen müsse man sich nicht bestimmen lassen. „Wenn ich eine Mutter sehe, die ihrem Kind, noch keine fünf Jahre alt, Chips gibt, dann will ich die am liebsten verklagen.“ Der Salzgehalt sei so hoch, dass er für das Kind schlicht gefährlich sei. Dabei habe er an sich nichts gegen Chips, man könne sie schließlich auch selbst machen, weiß Lege. In dessen Erstlingswerk „Die Foodwerkstatt – 38 Supermarktklassiker und Fastfood-Lieblingsrezepte zum Selbermachen“ lernt der Leser, Gemüsechips und Fünf-Minuten-Terrine schnell selbst zuzubereiten. Der Koch ist durchaus zu Kompromissen bereit, denn: „Der Faktor Zeit ist das große Thema, das ist ja klar.“

So hat er gegen Tiefkühlgemüse und frisch nach dem Fang gefrorenen Fisch nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Was kann man sich denn zum Beispiel schnell kochen, wenn man nach der Arbeit schlicht kaputt ist und nicht viel Zeit hat? „Was immer geht, sind Tiefkühlerbsen, dazu etwas Hackfleisch und kleine Nudeln: Alles in die Pfanne und Knobi, Parmesan und Olivenöl dazu. Das kann man direkt mit dem Löffel aus der Pfanne auf der Couch essen.“

Insgesamt dürfe man durchaus froh sein, in einer Zeit zu leben, in der es so viele Lebensmittel so günstig zu kaufen gibt, unterstreicht Lege. Aller großen und kleinen Probleme der Industrie zum Trotz. „Es gibt Trüffel und Pfifferlinge im Supermarkt, es gibt fast alles. Früher wäre das nicht denkbar gewesen.“

In Achim könne man sich darüber hinaus über eine große Auswahl lokaler Produkte auf dem Wochenmarkt freuen, über Gemüse, aber auch über Metzger, die ihr Handwerk bestens verstehen. „Diese Leute, viele junge Leute auch, sollte man supporten. Das ist großartig, was da passiert.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+