Dubiose Briefsendungen Firma versendet Schreiben und verspricht Geld

Landkreis Verden/Rotenburg. Wer in diesen Tagen einen von der Firma 'Dr. Schr... & Partner - Finanzdienstleistungen' entsandten Brief in seinem Posteingang entdeckt, sollte misstrauisch werden und das dubiose Schreiben sofort in den Mülleimer werfen.
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Firma versendet Schreiben und verspricht Geld
Von Lars Köppler

Landkreis Verden/Rotenburg. Wer in diesen Tagen einen von der Firma 'Dr. Schr... & Partner - Finanzdienstleistungen' entsandten Brief in seinem Posteingang entdeckt, sollte misstrauisch werden und das dubiose Schreiben sofort in den Mülleimer werfen. Dazu raten jedenfalls die Beamten der Rotenburger Polizeiinspektion, die eindringlich vor dem als betrügerisch enttarnten Überbringer eines nachträglichen 'Gewinnübergabetermins' warnen.

Mittlerweile fluten die vermeintlichen - von einem Sachbearbeiter Hartmann unterzeichneten - 'Glücksmeldungen' in vielen Haushalten in den Landkreisen Verden und Rotenburg die Briefkästen. So erhielt auch Cornelia Wolf-Becker ein am 21. September ausgestelltes Schriftstück dieser Scheinfirma. Das seriös gestaltete Schreiben stellte auch der Pädagogin aus Fischerhude einen Gewinn in Höhe von 946,72 Euro in Aussicht - dabei hatten sich weder sie noch ein anderes Familienmitglied an irgendeinem Gewinnspiel beteiligt. Zusätzlich zum warmen Geldregen sollte die Fischerhuderin bei einem Gewinnübergabetermin am 27. Oktober noch mit einem nagelneuen Express-Kaffeeautomaten beschenkt werden.

Zu schön, um wahr zu sein, möchte man denken. Aber: 'An diesem Schreiben stimmen nur zwei Dinge: das Datum und die Postfachadresse', warnt Detlev Kaldinski, Sprecher der Rotenburger Polizei. Der Firmenname sei, wie fast immer, frei erfunden. Inzwischen befassen sich die Ermittler mit Dutzenden von Beschwerden. Auch Betroffene aus Scheeßel, Oerel und Zeven haben sich an das Kommissariat gewandt. Die Betrüger, so wissen die Beamten, versenden die Gewinnbriefe zu Tausenden. Veranstaltungsorte und Zeiten für die angebliche 'Gewinnübergabe' nennen sie schon lange nicht mehr öffentlich, weil sie fürchten müssen, dass die Behörden die zumeist illegalen Veranstaltungen auffliegen lassen.

Auch bei Cornelia Wolf-Becker machten die selbst ernannten Heilsbringer auf Zeitdruck und verwiesen auf Datenschutz, um sie in die Falle zu locken. 'Wir geben Ihnen letztmalig die Gelegenheit, den Betrag in unserer Zweigstelle in der Nähe von Ottersberg persönlich abzuholen', heißt es in dem Schreiben. Und: 'Geeignete Verkehrsmittel in Form von Bussen stellen wir Ihnen kostenlos zur Verfügung.' Doch die Wirklichkeit sähe anders aus. In Bussen werden die Opfer zu einem unbekanntem Ziel gekarrt. 'In der Regel ist es eine kleine Gaststätte irgendwo auf dem Land, die nächste Polizeidienststelle am besten ganz weit entfernt', schildert Kaldinski die Abläufe dieser Betrugsmasche.

Um einen Bus mit arglosen Menschen zu füllen, versenden die Nepper, die weder einen Firmensitz, noch Telefonnummer oder andere Kontaktdaten in ihren Briefen angeben, mehrere Tausend Gewinnversprechen. Die Schreiben werden vor Ort gerne schnell eingesammelt, um unangenehmen Zivilforderungen nach Auszahlungen der Gewinne die Beweise zu entziehen. 'Es handelt sich hier um eine Verkaufsveranstaltung', verdeutlicht Kaldinski . Den Interessenten, zumeist älteren Menschen, sollen bei diesen Terminen völlig überteuerte Waren oder hochpreisige Dienstleistungen wie Handyverträge angedreht werden. Die vermeintlichen Geschenke gibt es entweder gar nicht - oder sie sind minderwertig.

Zur teuren Heizdecke für 2000 Euro gibt es schon mal als Präsent noch einen Billig-Wecker für fünf Euro obendrauf. Und: Die versprochenen Mahlzeiten entpuppen sich als eingeschweißte Fertiggerichte, die auch noch bezahlt werden müssen. Die angebotenen Waren werden bis zum 50-fachen Wert des Einkaufspreises verkauft. Die Polizei rät, sich zu den Veranstaltungen gar nicht erst anzumelden. Die Anmeldungen werden nämlich als Druckmittel benutzt, indem bei Nichterscheinen hohe Ausfallkosten gefordert werden.

Kommt es zu solchen Forderungen, sollte man sie bis zum Mahnbescheid ignorieren, rät die Polizei. Würden die Betrüger nämlich Klage erheben wollen, müssten sie den Gerichten ihre Forderungen und ihr Geschäftsgebaren detailliert vorlegen. Das habe noch kein betrügerisches Unternehmen gewagt, so die Erfahrung der Polizei. Besser ist es aber, gar nicht erst auf das Schreiben einzugehen. So wie sich auch Cornelia Wolf-Becker nicht von dem 'Angebot' locken ließ.

Denn welcher Spaß ist schon dabei, stundenlang gewieften und selten unbescholtenen Trick-Verkäufern zu widerstehen? 'Da wird schon mal gedroht oder mit der Seniorin geflirtet, um einen Vertrag an den Mann oder die Frau zu bringen', weiß Kaldinski zu berichten. Mitunter gehe es soweit, dass die Türen des Verkaufsraums solange verschlossen bleiben, bis genügend Umsatz zusammengekommen ist. Gewinnen kann dabei also nur einer: das betrügerische Unternehmen.

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