Renaturierungsarbeiten laufen: Künstlicher Nebenarm erlaubt Bau einer Sohlgleite mit 2000 Tonnen Material Fischtreppe im Wümme-Südarm beseitigt

Landkreis. Die Großbaustelle rund um die Renaturierungsarbeiten am Wümme-Südarm hat sich zu einer wahren Touristenattraktion gemausert. Täglich verschaffen sich zahlreiche Spaziergänger, Walker und Radfahrer persönlich einen Überblick über die Arbeiten am Wehr im Naturschutzgebiet zwischen Sagehorn und Fischerhude.
21.07.2011, 05:00
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Von Bianca Belouanas

Landkreis. Die Großbaustelle rund um die Renaturierungsarbeiten am Wümme-Südarm hat sich zu einer wahren Touristenattraktion gemausert. Täglich verschaffen sich zahlreiche Spaziergänger, Walker und Radfahrer persönlich einen Überblick über die Arbeiten am Wehr im Naturschutzgebiet zwischen Sagehorn und Fischerhude.

"Es ist der Wahnsinn, was hier los ist", bestätigt auch Jörn Grewe, Bauleiter der zuständigen Witte Baugesellschaft mbH aus Sulingen. Die hat Ende Juni auf rund 200 Metern das Flussbett unterhalb der Brücke trocken gelegt, um die alte Fischtreppe auszubauen. "Die funktioniert nämlich nicht", hatte Thomas Arkenau von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises zuvor mitgeteilt (wir berichteten).

Rund 180000 Euro koste die Renaturierungsmaßnahme. Zu 90 Prozent stamme das Geld dafür aus Mitteln des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union, so Arkenau. "Durchgeführt wird sie vom Wümme Wasserverband Fischerhude. Wir sind mit der Bauaufsicht beauftragt", berichtet Helge Stürenberg vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN).

"Die Fischerei- und Angelvereine hatten uns bestätigt, dass es nur die kräftigsten Fische über das Wehr flussaufwärts schaffen", sagt Stürenberg. 41 Jahre nach der Errichtung des Wehrs samt Fischtreppenhindernis im Jahr 1970 ist nun Schluss damit.

Die einstige Fehlplanung ist beseitigt. "Wir haben die Fischtreppe ausgebaut und ersetzen sie derzeit durch eine Sohlgleite", verrät Grewe. Was sich so simpel anhört, geht nur mit langfristigen Planungen und einem großen organisatorischen Aufwand vor sich. Schon im Frühjahr wurden in unmittelbarer Nähe zum Wehr 2000 Tonnen Kies und Wasserbausteinschüttung - aus der Steinwand gebrochenes Material - aufgeschüttet. "Frühzeitig, um später in der Brut- und Setzzeit nicht die Brutvögel zu stören", erklärt Jörn Grewe. Parallel dazu haben die Mitarbeiter der Witte Baugesellschaft mit dem Auskoffern eines so genannten Umfluters begonnen. Damit haben sie eine Art künstlichen Nebenarm der Wümme angelegt, der das Wasser auf rund 400 Metern in großem Bogen vorübergehend um die trockengelegte Baustelle am Wehr herumführt.

"Der Umfluter wurde allerdings nicht sofort in Betrieb genommen", so der Bauleiter. Erst als alle Vorarbeiten fertig waren, wurde am 27. Juni schließlich mit dem Abstauen sowie der Umleitung des Wassers begonnen und der 200 Meter lange Flusslaufbereich unterhalb des Wehres leergepumpt. "Da ist natürlich auch der Fischereiverein angerückt, um den Fischbestand rauszuholen und dann umzusetzen", erklärt der Bauexperte.

Seither kann man im Flussbett der Wümme, wo derzeit die Sohlgleite hineingebastelt wird, spazierengehen. Sie muss den Höhenunterschied am Wehr überwinden und so den Fischen die Durchlässigkeit in beide Richtungen ermöglichen. "Wenn man flussaufwärts guckt, sieht man, dass wir die Sohlgleite anfangs höher gebaut haben. Schließlich müssen wir den Wasserstand halten. Ganz langsam sackt die Sohlgleite dann ab", erklärt der Bauleiter.

Wasserbauvlies am Grund

Um den Flusslauf zu lenken und die Sohlgleite zu sichern, wird auf dem Sandboden des bisherigen Flussbetts Wasserbauvlies ausgelegt. "Das ist besonders umweltverträglich. Sieht zwar aus wie Folie, ist aber keine", betont Grewe. Erst danach wird das Vlies mit dem Schüttgut bedeckt. Ende Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, dann geht die Sohlgleite in Betrieb, und Fische wie die Meerforelle oder das Bachneunauge können wieder ohne Umweg oder Hindernis die Wümme durchschwimmen.

"Anschließend werden wir zwei Wochen pausieren, bevor wir auch den Umfluter zurückbauen", sagt Grewe. Der werde weitestgehend wieder zugeschüttet, lediglich eine Senke, "ähnlich wie ein breiterer Graben", solle bestehen bleiben. "Im Anschluss wird noch neuer Rasen angesät. Bis Ende August sind dann voraussichtlich alle Arbeiten gelaufen", so der Bauleiter.

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