Wümme als bedeutsamer Fischwanderweg Forelle und Lachs können Fluss wieder passieren

Fischerhude. Das gesamte Wümme-System gilt laut EU-Wasserrahmenrichtlinie als bedeutsamer Fischwanderweg, so dass die Passierbarkeit des Flusses für Fische und andere Wasserlebewesen weiter verbessert wird.
03.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Forelle und Lachs können Fluss wieder passieren
Von Uwe Dammann

Fischerhude. Forellen, Lachse und Neunauge finden hier Laichplätze und können obendrein demnächst (fast) ohne Behinderung die Wümme flussauf- oder -abwärts schwimmen. Das gesamte Wümme-System gilt laut EU-Wasserrahmenrichtlinie als bedeutsamer Fischwanderweg, so dass die Passierbarkeit des Flusses für Fische und andere Wasserlebewesen weiter verbessert wird. Am Donnerstag wurde in Fischerhude der nächste Umbau eines Wehrs zu einer "Sohlgleite" im Bereich des Wümme-Mittelarms abgeschlossen.

Eine Sohlgleite ist nichts anderes als eine etwa zwei Meter breite Rinne, die mit einer Mulde versehen wird und einen Neigungswinkel hat. Während Fische und Kleinstlebewesen aus dem Wasser die Staustufe am früheren Leggewehr am Mittelarm der Wümme in der Nähe des Modersohn-Museums bisher als unüberwindbares Hindernis akzeptieren mussten, können sie künftig die Sohlgleite problemlos passieren und gelangen so in andere Gewässerabschnitte. Für rund 120000 Euro hat die untere Naturschutzbehörde des Landkreises das Leggewehr abreißen lassen und stattdessen die Sohlgleite angelegt. Rund zehn Prozent der Kosten trägt der Landkreis, die anderen Anteile übernimmt die EU und das Land Niedersachsen.

Fische finden hier Laichplätze

An der neuen Sohlgleite plätscherte bereits gestern das Wümme-Wasser mit einer zügigen Fließgeschwindigkeit in Richtung Fischerhude. Etliche Steine und Ruhezonen bieten den Fischen dort künftig die Möglichkeit, sich auf ihrer Wanderung auszuruhen oder einen Laichplatz zu finden. "Wir wollen mit dieser Maßnahme das gute ökologische Potenzial dieses Gewässer wiederherstellen", erläutert Thomas Arkenau von der Naturschutzbehörde das Projekt. Das Leggewehr wird nicht nur durch eine Sohlgleite ersetzt, sondern auch noch durch eine sogenannte Flutmulde. Die Mulde auf der benachbarten Wiese soll den Ort Fischerhude vor möglichem Hochwasser schützen. Über die Mulde kann sich das Wasser besser verteilen und in die Umgebung abfließen.

Für Arkenau ist das neueste Naturschutzprojekt an der Wümme eine "Ergänzungsmaßnahme" zur gesamten Renaturierung des Gebietes. Der Umbau von drei weiteren Wehren zu Sohlgleiten in diesem Gebiet sollen in den nächsten Jahren folgen. Zurzeit sieht es auf den Wiesen noch aus, wie auf einer Großbaustelle.

Um die Sohlgleite bauen zu können, mussten einige Weiden am Uferrand entfernt werden. Anstatt auf einer Wiese befindet sich die Hochwassermulde derzeit auf einem großflächigen Sandplatz. Doch die Natur – lässt man sie erst einmal wieder in Ruhe – holt sich das Areal zügig zurück. Das beweisen vor allem die Uferrandstreifen entlang der Wümme in der Nähe des Modersohn-Weges, auch hier hatte der Landkreis vor einem Jahr eine Renaturierungsmaßnahme abgeschlossen. Ein Jahr später ist der gesamte, etwa 30 Meter breite Randstreifen üppig mit zahlreichen Gräsern, Blumen und Kräutern bewachsen und bietet Libellen und etlichen anderen schutzwürdigen Tieren und Pflanzen wieder einen Lebensraum. Ebenfalls nicht lang dauert es, ehe der einstmals begradigte Wümme-Arm wieder Einbuchtungen und Uferbewuchs aufweist. Zusätzlich sind "Stillgewässer" entstanden, die Amphibien als Laichgewässer dienen sollen.

Eine marode Holzbrücke, die es derzeit noch über den Wümme-Mittelarm gibt, wird nach Beendigung des Projektes vollständig abgebaut. Die Kanuten, die auf der Wümme ihrem Freizeitvergnügen nachgehen wollen, können hier weiterhin den Fluss passieren.

Beteiligt an dem Projekt ist der Wasserverband Untere Wümme, der seinen Sitz in Fischerhude hat, das Umweltamt der Gemeinde Ottersberg sowie der Ingenieur-Dienst Nord aus Oyten. Das Büro hat die Planung für das Naturschutzprojekt übernommen. Auch der Verband "Untere Wümme" forciert das Projekt: Da viele Schleusen ohnehin in nächster Zeit technisch überholt oder gar neu gebaut werden müssten, kommt diese Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt. Durch die Mittel, die von der EU und dem Land zur Verfügung gestellt werden, kann der Verband Sanierungskosten sparen. "Und für den allgemeinen Wasserabfluss haben sich die Sohlgleiten bewährt", sagt Thomas Arkenau.

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