Bilanz ein Jahr nach dem Abitur

Freiwilligendienst für die Kultur

Achim. Was sind die Aufgaben in einem Freiwilligen Kulturellen Jahr? Daniel Badura hat sich nach dem Abi dafür entschieden - und zieht nun Bilanz. Er berichtet, wie sein Freiwilligendienst an der Hochschule für Künste war.
16.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von David Rosengart

Achim. Vor einem Jahr haben wir Absolventen des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums in unserer Reihe "Abi – und dann?" auf ihrem Weg nach dem bestandenen Abitur ein Stück weit begleitet. Für einige ging es direkt weiter in den Hörsaal, andere reisten ins Ausland, wieder andere absolvierten ein Freiwilliges Soziales Jahr. Jetzt wird abgerechnet: War die Entscheidung richtig? Was war gut, was nicht? Und: Was würden sie anderen Abiturienten empfehlen? Heute berichtet Daniel Badura von seinem Freiwilligem Kulturellen Jahr.

Eine Oper mit riesigen Zuschauererwartungen bedarf einer ausgefeilten Planung. Die Bühne muss errichtet werden, Kostüme entworfen und angepasst werden, die Werbetrommel muss am Laufen gehalten werden – eine wahre organisatorische Herausforderung. Daniel Badura plante und arbeitete im Rahmen seines Freiwilligen Kulturellen Jahres (FKJ) an so einem Großprojekt mit. Die Hochschule für Künste Bremen veranstalte die Oper "The Rape of Lucretia" in Bremen. Jeden zweiten Tag stand zwei Wochen lang die Organisation der Oper auf dem Programm. "Die Leute waren begeistert, das Konzert gelungen, so ein Feedback war die größte Belohnung überhaupt", schildert Daniel seine Erfahrungen.

Das Freiwillige Kulturelle Jahr ähnelt dem eher bekannten Freiwilligem Sozialen Jahr. Der Fokus liegt beim FKJ aber im Bereich des kulturellen Engagements. In Bremen übernimmt die Organisation der Soziale Friedensdienst (SFD). Daniel bekam einen Platz bei der Hochschule für Künste in Bremen und ist damit, nach einem Jahr, immer noch sehr zufrieden: "Mein Aufgabenfeld ist abwechslungsreich, ich darf verantwortungsvolle Dinge erledigen und der Umgang mit ausländischen Studenten gibt einem viel zurück", so der Bierdener.

Fremdsprachenkenntnisse täglich gefordert

Zu seinen Aufgaben zählten die technische Betreuung von professionellen Studioaufnahmen, verwaltungstechnische Tätigkeiten und insbesondere die Begleitung von neuen Studenten, die aus der ganzen Welt nach Bremen kommen. "Ich habe die Studenten vom Flughafen abgeholt, habe mit ihnen alle notwendigen Behördengänge gemacht und sie in Sprachtutorien unterstützt."

Viele Studierende kommen aus dem asiatischen Raum, damit seien Fremdsprachenkenntnisse täglich gefordert. "Ich erinnere mich an eine Japanerin, die weder Deutsch noch Englisch sprach – am Ende haben wir dann doch noch alle Formalien erledigen können."

Neben der Internationalität der Hochschule sei der Kontakt mit anderen Musikrichtungen sehr interessant gewesen. "Ich habe einige Musikstile ganz neu kennengelernt. Jazz, Klassik, elektronische Musik – jeden Tag lernt man etwas Neues."

Auf Seminarfahrten, zum Beispiel in die Hauptstadt, stehe der Kontakt und Austausch mit anderen FKJlern sowie die politische und kulturelle Bildung im Mittelpunkt. "Die begleitenden Seminare sind meiner Meinung nach eine sehr gute Ergänzung", sagt der 21-Jährige. Unter der Obhut des SFD agieren in Bremen 30 FKJler in verschiedenen Organisationen und Institutionen.

Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit sei man schnell mit den Strukturen der Hochschule vertraut und könne immer mehr eigenständig Aufgaben erledigen. "Ich habe noch während der Semesterferien mein Jahr angetreten, da war leider eher alles auf Sparflamme, aber als der Semesterbetrieb wieder anlief, gab es dann wieder mehr zu tun."

Neben neuen musikalischen und kulturellen Eindrücken sei es auch eine gute Zeit gewesen, um sich an eine "richtige 38-Stunden-Woche" zu gewöhnen. "Es klingt immer so abgedroschen", fügt der 21-Jährige hinzu, "aber man entwickelt durch so ein Jahr des Engagements wesentlich mehr Eigenverantwortung und es fühlt sich gut an, wenn einem Kollegen oder ausländische Studenten positive Rückmeldung geben."

Für die Planung der Zukunft hat das FKJ zudem großes Potenzial, bestärkend oder widerlegend zu wirken: "Ich hatte schon vor Beginn des Jahres großes Interesse an Musik und dem Erlernen neuer Sprachen. Ich habe mich nun auf Studienplätze mit einer Kombination aus internationalem Management und Sprachen wie Englisch und Chinesisch beworben. Ein FKJ hat oft einen sprachlichen und kulturellen Aspekt."

Das FKJ also als Alternative zu FSJ oder direktem Studieneinstieg? "Absoslut! Wenn man Interesse an Kultur und Sprachen hat, aber noch nicht genau weiß, was es für ein Studium oder welche Ausbildung es werden soll, ist das FKJ in vielerlei Hinsicht die richtige Wahl. Und natürlich ist es ein erster vager Blick in die Realität eines richtigen Arbeitslebens, den man sonst erst nach dem Studium bekommt."

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