Sterneneltern Achim Für den Austausch mit anderen

Die Selbsthilfegruppe „Sterneneltern Achim“ stellt mit dem Diakonischen Werk einen Fachtag auf die Beine, an dem sich Fachleute aber auch Betroffene zum Thema Sternenkinder austauschen können.
07.09.2017, 18:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Für den Austausch mit anderen
Von Kai Purschke

Achim. Kinder die vor, während oder sofort nach der Geburt sterben, nennt man auch Sternenkinder. Das Thema Tod ist ohnehin schon ein sehr schwieriges, die Eltern von Sternenkindern oder andere Angehörige von betroffenen Müttern und Vätern reden aber meistens noch viel weniger darüber. „Es ist nach wie vor ein Tabuthema, auch wenn zunehmend darüber gesprochen wird“, sagt Stefanie Gebers. Sie hat vor knapp fünf Jahren mit Kerstin Flato die Selbsthilfegruppe „Sterneneltern Achim“ gegründet. Mittlerweile weiß sie, dass überall dort, wo solche Gruppen existieren, das Thema sehr viel präsenter ist. Was aber auch mit der Zeit zu tun hat: So ist eine Frau Mitglied in der Gruppe, die vor mehr als 40 Jahren gleich fünf Fehlgeburten erleben musste. „Die Leute sahen den dicken Bauch, der von einen auf dem anderen Tag weg war und fragten sich, wo das Kind dazu ist“, erzählt Stefanie Gebers. Die Frau selbst gefragt hat niemand und sie hat damals auch nichts gesagt. „Man hat einfach nicht darüber gesprochen.“

Das ist heute nicht mehr so, aber damit mehr Betroffene zueinanderfinden und sich gegenseitig helfen sowie Mut zusprechen können, müssen sie erst einmal voneinander wissen und sich zu ihrem Verlust bekannt haben. Daher ist aus Sicht der Sterneneltern Achim die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema so wichtig, die ein Fachtag im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) am Sonnabend, 21. Oktober, ab 10 Uhr leisten soll. Dieser ist für alle Teilnehmer kostenlos. „Die Aufklärungsarbeit ist uns sehr wichtig“ betont Stefanie Gebers. Heike Hansmann von der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen des Diakonischen Werkes in Verden hatte die Idee, den Fachtag zum Thema Sterneneltern zu veranstalten. Der Arbeitskreis „Fachtag Sterneneltern“ war schnell gegründet und die drei genannten Frauen werden von Dörte Lange als Grafikdesignerin ergänzt.

Das Programm startet mit einem Fachvortrag von Birgit Rutz, die zum Netzwerk „Hope’s Angel“ gehört. Nach der anschließenden Mittagspause werden zwei Workshops angeboten. Der Workshop „Begleiter“ richtet sich nach Angaben der Sterneneltern an ein Fachpublikum: medizinisches Personal, Bestatter, Fotografen, Hebammen, Psychologen und Erzieher. Der zweite Workshop ist für Betroffene gedacht. „Wobei wir da keine Aufklärungsarbeit leisten werden, denn die Betroffenen wissen ja Bescheid. Da geht es um die Verarbeitung von Gefühlen und den Austausch mit anderen“, erklärt Stefanie Gebers. Und Kerstin Flato ergänzt: „Der Zeitpunkt des Verlustes spielt keine Rolle. Es kann fünf Monate oder 40 Jahre her sein, dass das Kind zu den Sternen reiste. Wir freuen uns über jede Teilnahme.“

Aus der eigenen Betroffenheit heraus haben sie und Stefanie Gebers die Selbsthilfegruppe entwickelt, in erster Linie, um anderen in dieser schweren Zeit zu helfen. Wobei die Frauen gerne auch mehr präventiv arbeiten würden. So wurden sie neulich von einem Krankenhaus gebeten, nach einer Fehlgeburt dort akut den Eltern beizustehen. Das Duo würde sich aber wünschen, bereits im Vorfeld eingebunden zu werden, um die Eltern auf das Unvermeidliche vorzubereiten, ihnen die Ängste zu nehmen und ihnen die Chance zu geben, Erinnerungen aufzubewahren.

Anmeldungen für den Fachtag werden bis zum 30. September unter der Telefonnummer 0 42 31 / 93 79 74 oder per E-Mail an die Adresse selbsthilfe.verden@evlka.de erbeten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+