Achimer Ehrenpreis

Für ein lebendiges Miteinander

Um die Arbeit der Ehrenamtlichen zu würdigen, fand in Achim erneut die Verleihung des Ehrenpreises statt. Bürgermeister, Ratsvorsitzender und Laudatoren geizten nicht mit Lob für den unermüdlichen Einsatz.
06.12.2019, 16:37
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Von Gisela Enders
Für ein lebendiges Miteinander

Ratsvorsitzender Bernd Junker (vorne links) und Bürgermeister Rainer Ditzfeld (vorne rechts) umringt von den Preisträgern.

Hake

Angesichts der vollen Ränge gehe ihm das Herz auf, begrüßte Bürgermeister Rainer Ditzfeld zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Vereinen, die sich am Donnerstagabend anlässlich der Verleihung des Achimer Ehrenpreises im Ratssaal versammelt hatten (wir berichteten). Um die Bedeutung sozialen Engagements zu unterstreichen, verwies Ditzfeld auf Worte von Helmut Kohl, der schon vor 20 Jahren darauf hingewiesen hatte, dass ein funktionierendes Gemeinwesen ohne die Arbeit Ehrenamtlicher nicht denkbar sei. Er dankte der Jury für die Auswahl der Preisträger, die „engagiert über den Tellerrand blicken und Verantwortung übernehmen in unserer schönen Stadt“.

„Danke, dass ihr da seid“

Er bringe seine Gedanken vom Herzen auf die Zunge, sagte der Ratsvorsitzende Bernd Junker und würdigte diejenigen, die sich immer wieder für die Allgemeinheit einsetzten. „Ohne Euch wäre es öde, danke, dass ihr da seid und bei den Feuerwehren, im Deutschen Roten Kreuz und in vielen weiteren Zusammenschlüssen so viel tut für unser gemeinsames Leben." Ausdrücklich bezog Junker auch die Menschen im Hintergrund ein, lobte zum Beispiel Kassenwarte und Schriftführer in Vereinen für ihren unermüdlichen Beitrag. 30 Millionen Bürger engagierten sich bundesweit, also 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. „Macht weiter so und seid frohen Mutes“, forderte Junker auf und verwahrte sich gegen Beschimpfungen und Aggressionen einiger, durch die sich niemand entmutigen lassen sollte.

Karin Heidelberger vom Seniorenzentrum Badener Berg trat an diesem Abend als erste Laudatorin vor das Publikum. Mit herzlichen Worten beschrieb sie das Wirken von Angela Wilkens-Scheler, die sich seit Jahrzehnten auf vorbildliche Weise für die Belange ihrer Mitmenschen einsetzt. Besonders hervorzuheben seien dabei Zeit und Kraft, die sie der Bürgerstiftung mit dem Ziel widme, Achim als lebenswerte Stadt zu erhalten. Als Kümmerin habe sie zahlreichen Projekten ihren Stempel aufgedrückt, außerdem lese sie einmal wöchentlich Senioren vor. Immer dabei: ihr sechsjähriges Ziehkind Nora, das bereits in die Aufgaben des Ehrenamtes hineinwachse, erzählte die gerührte Preisträgerin.

Launige Rede

Auch, wer des Plattdeutschen nicht mächtig ist, verstand die Ehrerbietung, die Stadtarchivar Günter Schnakenberg Preisträger Klaus Bischoff entgegenbrachte. Er verwies in seiner launigen Rede auf den Einfallsreichtum des Heimatverein-Gründers, schilderte dessen Bemühen um ein Museum für die Weserstadt und für die Einrichtung der Zigarrenmacherstube im Foyer des Rathauses. Darüber hinaus sei seinem Wirken eine umfangreiche Chronik zur Stadtgeschichte zu verdanken. Bischoff indes richtete sich mit einem Appell an den Nachwuchs. „Mein Computer ist voll, und ich würde mich freuen, interessierten jungen Leuten mein Wissen zur Verfügung stellen zu dürfen."

Er kenne kaum jemanden, der die Hilfe für andere Menschen so ins Zentrum seines Lebens gerückt habe wie Elke Siemt, sagte Jörg Bergmann vom Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes in Verden und bezeichnete die Haltung seiner Kollegin aus Baden als beispielhaft. Sowohl bei der Ausbildung von Sanitätern, im Katastrophenschutz, im Blutspendedienst, in der Wasserwacht und bei der Seniorenbetreuung habe sie während ihrer 45 Jahre währenden Mitgliedschaft Wertvolles geleistet und zudem in den Gesamtvorstand vielfältige Erfahrungen eingebracht. Den Dank für die Würdigung richtete die Preisträgerin auch an ihre Familie, die ihr während des langjährigen Engagements immer den Rücken freigehalten habe.

Echter Nachbarschaftsgeist

Johann Ditzfeld verglich in seiner Ansprache die Gemeinschaft im Ortsteil Borstel mit einer Familie. Europa und die ganze Welt könne sich ein Beispiel nehmen am Zusammengehörigkeitsgefühl in dem kleinen Ort, der nur wenige Kilometer lang sei, sagte der 83-Jährige. Mit Leidenschaft erinnerte sich der ehemalige Ratsvorstand an gemeinsam Erlebtes, an Höhen und Tiefen und den nie versiegenden Nachbarschaftsgeist. „Borstel, wo sonst?“ lautet das Motto der Dorfgemeinschaft; den Preis für das besondere Engagement nahm Martin Gerken als Vorsitzender stellvertretend entgegen.

Den Wert von Alltagskultur stellte Stephan Leenen ins Zentrum seiner Würdigung der Achimer Geschichtswerkstatt und zeichnete sie aus für ihr unermüdliches Wirken. Er verwies dabei auch auf den verstorbenen Karlheinz Gerhold, der mit Leidenschaft gearbeitet und dadurch seinen Mitstreitern ein lebendiges Erbe hinterlassen habe, und auf die regelmäßig erscheinenden Hefte, in denen Achimer Lokalgeschichte aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Manfred Brodt, 2. Vorsitzender, bezog sich auf Erich Fromm, der in seinem Werk „Haben oder Sein“ das materiell geprägte und das soziale Lebensprinzip verglich. „Wir erfreuen Menschen, indem wir Geschichte aufarbeiten und haben zudem noch Spaß daran", sagte er.

Die musikalische Untermalung der Veranstaltung hatte die Rock- und Popband der Kreismusikschule unter Leitung von Dieter Meyer übernommen.

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