Fußball-Oberliga

Bei Werder gelernt, in Uphusen gereift

Burak Yigit ist beim TB Uphusen der dienstälteste Spieler und geht in seine fünfte Saison. Der Abwehrspieler hat in der Jugend von Werder Bremen gespielt und ist beim TBU zum Führungsspieler gereift.
23.07.2020, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Bei Werder gelernt, in Uphusen gereift
Von Maurice Reding
Bei Werder gelernt, in Uphusen gereift

Die Außenbahn ist sein Zuhause: Burak Yigit beackert beim TB Uphusen seit vier Jahren die linke Abwehrseite.

Björn Hake

Als der SV Werder Bremen gegen den 1. FC Heidenheim um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga gekämpft hat, wird auch Burak Yigit genau hingeschaut haben. Schließlich stand mit Maximilian Eggestein ein Spieler auf dem Platz, den der Abwehrspieler bestens kennt. Beide spielten gemeinsam in der Werder-Jugend. Als Eggestein mehr und mehr den Weg in Richtung Bundesliga eingeschlagen hat, ging es für Yigit zum TB Uphusen. Das war im Jahr 2016. Seitdem schnürt der Linksverteidiger die Fußballschuhe für den Oberligisten und ist damit der dienstälteste Spieler der Arenkampkicker.

Vom großen SV Werder zum vergleichsweise kleinen TBU – das war schon eine Umstellung für den 24-Jährigen. „Das hätte ich mir eigentlich nicht erdenken können. Mit Flo (Florian Warmer, Uphusens Sportlicher Leiter, Anm. d. Red.) habe ich mich aber direkt super verstanden. Ich wohne in der Gegend und habe in der Zeit damals mein Abitur gemacht. Uphusen ist ein familiärer Verein. Es hat einfach gepasst“, erklärt Yigit seinen damaligen Wechsel.

In diesem Jahr geht der Abwehrspieler in seine fünfte Saison beim Oberligisten. In den vier vorherigen Spielzeiten hat Yigit einiges erlebt. „Das waren sehr turbulente Jahre. Wir hatten am Anfang jedes Mal zehn bis zwölf neue Spieler. Es war eigentlich immer Action“, spricht der Linksverteidiger den personellen Aderlass an, den es beim TBU in den vergangenen Jahren häufig gegeben hat. „In den letzten zwei Jahren hat es sich beruhigt. Die Abläufe werden so auch besser. Als vorher fast der komplette Kader gewechselt wurde, hatten wir keinen Spielrhythmus. Das war ein Problem und musste aufgearbeitet werden“, erzählt Yigit.

Der 24-Jährige durfte lange Zeit vom Profifußball träumen. In der U9 angefangen, durchlief er beim SV Werder Bremen sämtliche Jugendmannschaften. „In der U16 ging es dann richtig los. Da habe ich gemerkt, dass ich nicht so ein Schlechter bin“, wurde der Traum zunächst immer realer. Als Yigit in der U17 unter Viktor Skripnik trainierte, war für ihn klar: „Ich kann es packen.“ Hinzu kam, dass der Abwehrspieler einmal in der Woche am Training der Profis teilnahm. „Da war der Traum, Profifußballer zu werden, natürlich da“, gibt Yigit zu.

In der U19 lief es für den 24-Jährigen zunächst auch noch gut. Doch dann wurde sein Förderer Skripnik, der mittlerweile zum Trainer der Bundesliga-Mannschaft aufgestiegen war, entlassen und durch Alexander Nouri ersetzt. Das setzte bei Werder einen Umbruch in Gang, der sich für Yigit nicht auszahlen sollte. „Mit Nouri hat es dann nicht gepasst. Ich habe meinen Traum dann aufgegeben. Da musste ich erst mal ganz tief schlucken, dass es nicht geklappt hat“, gibt der Linksverteidiger einen Einblick in sein damaliges Innenleben. Bei der Werder-Reserve in der dritten Liga stand Yigit zwar im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. So ging es für ihn mit der dritten Mannschaft in der Bremen-Liga um Punkte. Danach folgte der Wechsel nach Uphusen.

Trotz des unrühmlichen Endes hat Yigit aus seiner Werder-Zeit einiges mitgenommen. Lobende Worte findet er vor allem für Viktor Skripnik. „Ich habe ganz viel von ihm gelernt. Den offensiven Drang, ab der Mittellinie das Befreite – diese Spielart hat einen geprägt“, erzählt er. Robin Dutt dagegen sei eher „der taktische Typ“ gewesen. Auch unter Werders Meistertrainer Thomas Schaaf und dem jetzigen Coach Florian Kohfeldt, damals Co-Trainer unter Skripnik, hat der Abwehrspieler wertvolle Erfahrungen gesammelt. Zu Maximilian Eggestein pflegt Yigit weiterhin Kontakt. „Der ist zwar weniger als früher, aber wir schreiben noch“, erzählt der Linksverteidiger, der mit dem Mittelfeldspieler in der U17, U19 und U23 zusammengespielt hat. Auch Eggesteins jüngeren Bruder Johannes kennt Yigit. „Er war in meiner Klasse“, erzählt der 24-Jährige.

Was die kommende Saison mit dem TB Uphusen betrifft, ist Yigit optimistisch gestimmt. „Ich hoffe, dass wir im Mittelfeld oder in der oberen Tabellenhälfte landen. Die Qualität haben wir, es hat nur an der Umsetzung gehapert. Wir müssen konstanter werden. Dennoch muss man erst mal abwarten. So wie es vorher war, will es keiner“, sagt er. Mit Christian Ahlers-Ceglarek hat Yigit einen Trainer, mit dem er jahrelang selbst zusammengespielt hat. Für den Abwehrspieler ist das ein Vorteil. „Zecke ist eine Autoritätsperson, die wir wahrnehmen. Da hat Flo eine gute Lösung gefunden, die passt. Der Vorteil ist, dass er die Mannschaft kennt und als Torhüter immer das ganze Spielfeld gesehen hat“, glaubt Yigit daran, dass die Zusammenarbeit funktionieren kann.

Dass zu den vier Jahren in Uphusen noch weitere hinzukommen, in denen er das Trikot der Arenkampkicker trägt, kann sich Yigit durchaus vorstellen. „Ich fühle mich auf jeden Fall wohl. Hier kümmern sich alle um einen, deswegen bin ich auch nicht gewechselt. So etwas muss man zurückgeben“, sagt der Abwehrspieler, der sich beim TBU um die jüngeren Spieler kümmert. Ob es noch mal irgendwann höherklassig für Yigit weitergeht? „Ich habe jetzt nicht das Interesse, in den Westen oder Osten in die Regionalliga zu wechseln. Es gibt für mich auch andere wichtige Dinge im Leben“, bleibt Yigit ganz bescheiden. Wenn die Oberliga-Saison Anfang September startet, will der Abwehrspieler als Führungsspieler wieder vorangehen und mit überzeugenden Leistungen zu einer guten Saison beitragen. Dann stehen auch weiteren Jahren im TBU-Trikot nichts entgegen.

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