Fußball-Oberliga

Jarno Böntgen: Mit falschem Fuß auf der richtigen Seite

Jarno Böntgen ist einer der jungen Neuzugänge des TB Uphusen. Bei den Arenkampkickern hat sich der 19-Jährige auf Anhieb einen Stammplatz erobert.
23.09.2020, 18:02
Lesedauer: 3 Min
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Jarno Böntgen: Mit falschem Fuß auf der richtigen Seite
Von Maurice Reding

Ein kurzer Kontakt, perfekte Ballannahme, angetäuschter Lauf nach links, um nach innen zu ziehen und in den Strafraum zu flanken. Jarno Böntgen schaut dem Ball hinterher, der den Kopf von Philipp-Bruno Rockahr findet und von dort aus ins Tor fliegt. Dann bricht die Freude aus dem 19-jährigen Fußballer heraus. Es ist das zwischenzeitliche 2:1 im Oberliga-Derby beim Rotenburger SV, an dem der Mittelfeldspieler des TB Uphusen maßgeblich beteiligt ist. Am Ende steht für Böntgen und den TBU der erste Sieg im dritten Saisonspiel.

Einer, der in allen drei Partien von Anfang an zum Einsatz kam, ist Jarno Böntgen. Erst Ende Juli hatte sich der 19-Jährige dazu entschlossen, den Bremen-Ligisten SC Borgfeld zu verlassen. „Es hat dort nicht mehr gepasst. Außerdem wollte ich höher spielen“, erzählt er. Da kam der Anruf vom TB Uphusen gerade recht. Nach etwa zwei Monaten hat sich der Mittelfeldakteur bei seinem neuen Verein gut eingelebt. „Alle haben mich super aufgenommen. Das sind tolle Teamkameraden, die mir geholfen haben, mich schnell zurechtzufinden“, spricht Böntgen in den höchsten Tönen von seinen Mannschaftskameraden.

Schnelle Eingewöhnung

Die Eingewöhnung folgte so schnell, dass sich der 19-Jährige gleich in die erste Elf spielte. Beim SC Spelle-Venhaus und gegen den Rotenburger SV kam Böntgen über die volle Distanz zum Einsatz, gegen Kickers Emden spielte er 84 Minuten. Was dem Mittelfeldspieler zugutekam, war der Schachzug seines Trainers Christian Ahlers-Ceglarek, der auf eine Dreierkette mit zwei offensiven Außen setzt. Böntgen bekleidet dabei die Position des linken offensiven Außen, der sich bei eigenem Ballbesitz mit nach vorne einschaltet und bei gegnerischem Ballbesitz zurückfallen lässt, um gemeinsam mit seinem Pendant auf der anderen Seite – Miguel Mendoza – eine Fünferkette zu bilden.

Das Besondere dabei: Böntgen ist Rechtsfuß und kam in seiner noch jungen Karriere vorwiegend im rechten Mittelfeld oder als Rechtsverteidiger zum Einsatz. „Die linke Seite ist für mich neu“, gibt der junge Fußballer zu, um gleich mit Nachdruck hinterherzuschieben: „Aber sie macht mir Spaß. Ich habe mich dort immer besser zurechtgefunden. So kann es weitergehen.“ Mit dem falschen Fuß auf der richtigen Seite – es läuft bei Böntgen.

Im Heimspiel gegen die Kickers aus Emden sah das noch nicht so aus. Böntgen wirkte teilweise verloren, weil er von seinen Mitspielern nicht ins Spiel einbezogen wurde. Doch gegen Rotenburg war der 19-Jährige von Beginn an präsent, schmiss sich in jeden Zweikampf und setzte diesmal auch offensiv Akzente. Dass es direkt so gut läuft, hätte Böntgen nicht gedacht. „Ich war überrascht, dass ich direkt von Anfang an gespielt habe. Ich habe meine eigene Leistung gebracht. Es hat also gepasst“, freut er sich über den Start in der neuen Liga.

Dass Böntgen Talent mitbringt, haben seine Trainer schon in jungen Jahren gemerkt. Nicht umsonst spielte der 19-Jährige in der Jugend des SV Werder Bremen, wo er bei den C-Junioren in der Regionalliga Nord zum Einsatz kam. Auch beim SC Borgfeld durfte er sich in dieser Spielklasse – diesmal als A- und B-Jugendlicher – beweisen.

Zur Saison 2019/2020 rückte Böntgen in die erste Mannschaft auf. „Ich hätte noch als A-Jugendlicher spielen können. Das war schon ein großer Schritt“, erzählt er. Der nächste Schritt folgte mit dem Wechsel zum TBU. „Ich habe den Unterschied zwischen der Bremen-Liga und der Oberliga direkt gemerkt. In der Bremen-Liga gibt es ein, zwei gute Mannschaften. In der Oberliga sind die Gegner stärker, wodurch die Qualität höher ist“, sieht der 19-Jährige erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Ligen.

Uneigennützig statt eigensinnig

Auf seine Stärken angesprochen, wartet Böntgen kurz, bis er antwortet. „Ich komme über das Läuferische und habe das Auge für meinen Mitspieler“, gibt er sich bescheiden. Dann sagt er einen Satz, der bei seinen Mannschaftskameraden sicherlich gut ankommt: „Ich spiele lieber quer als eigensinnig zu sein.“ Gleichzeitig gelte es aber auch noch einige Sachen zu verbessern, vor allem den linken Fuß. „Das hat man bei dem Tor auch gesehen. Normalerweise flankt man mit links. Ich musste aber erst einen kurzen Schritt nach innen gehen. Mit links zu flanken, muss ich noch lernen“, weiß Böntgen, woran er noch arbeiten muss.

Für den weiteren Saisonverlauf nimmt sich der Mittelfeldakteur vor allem vor, mit seiner Mannschaft erfolgreich zu sein. „Wir wollen frühzeitig den Klassenerhalt erreichen und dann schauen wir mal weiter. Persönlich möchte ich natürlich weiter von Anfang an spielen“, sagt Böntgen selbstbewusst. Ob das zu Beginn des neuen Jahres der Fall sein wird, erscheint zumindest fraglich. Böntgen absolviert ein duales Studium und ist deshalb ab Januar für zehn Wochen in Hamburg. „Wir müssen gucken, ob es dann zeitlich passt. Das ist aber alles mit dem Verein abgesprochen. Trotzdem ist es schade, denn ich liebe Fußball über alles“, hofft der 19-Jährige deshalb, dass er mit den Arenkampkickern bereits bis zum Winter viele Punkte gesammelt hat.

Auch wenn Böntgen im neuen Jahr einige Spiele verpassen sollte, will er sich nicht auf die faule Haut legen. „Ich will mich in den zehn Wochen in Hamburg auf jeden Fall fit halten“, sagt er. Es sind Worte, die sein Trainer Christian Ahlers-Ceglarek sicherlich gerne hört. Jarno Böntgen und der TB Uphusen – diese Kombination scheint bereits nach kurzer Zeit zu passen.

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