Fußball-Landesliga

„Wir waren alle füreinander da“

Katip Tavan, Kapitän des FC Verden 04, spricht im Interview über die zweiwöchige Quarantäne und das erste Spiel nach der Zwangspause.
28.10.2020, 17:30
Lesedauer: 5 Min
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„Wir waren alle füreinander da“
Von Maurice Reding
„Wir waren alle füreinander da“

Katip Tavan und der FC Verden 04 trafen in der ersten Partie nach der coronabedingten Zwangspause auf den VfL Westercelle.

Björn Hake
Herr Tavan, die gesamte Mannschaft des FC Verden 04 war wegen elf positiven Corona-Fällen zwei Wochen in Quarantäne und hatte daher ungewollt spielfrei. Am vergangenen Sonntag stand gegen den VfL Westercelle (2:2) das erste Landesligaspiel nach der Zwangspause an. Wie glücklich waren Sie, dass sie wieder auf dem Platz standen und Fußball spielen durften?

Katip Tavan : Es war natürlich ein gutes Gefühl, wieder Fußball spielen zu dürfen. Die Quarantäne war ein komisches Gefühl, weil man Haus und Hof nicht verlassen durfte. Da hast du dann kaum Bewegung. Ich glaube, keiner von uns hat so ein riesiges Grundstück, dass er sich viel bewegen kann. Oft ums Haus laufen funktioniert irgendwann auch nicht mehr.

Sie haben die Quarantäne bereits angesprochen. Was haben Sie in den zwei Wochen gemacht, um die Zwangspause so gut es geht rumzukriegen?

Ich habe hier und dort am Haus renoviert – Dinge, die man sonst immer vor sich herschiebt. Ich konnte glücklicherweise aber auch beruflich meine Arbeit weiterführen, da ich durch die Digitalisierung meine Aufgaben von überall wahrnehmen kann. Somit war ich sowohl in Quarantäne als auch im Homeoffice.

Wie haben Sie versucht, sich in den zwei Wochen fit zu halten?

Im konditionellen Bereich kannst du eigentlich so gut wie gar nichts machen, außer man hat ein Laufband zu Hause. Der ein oder andere Spieler hat ein paar Fitnessgeräte. Ich selbst habe ein bisschen was im Kraftbereich gemacht. Ich habe Hanteln und zwei andere Geräte. Aber natürlich kommt es im Spiel nachher auch auf die Kondition an. Im Kraftbereich kann man zwar viel machen, aber das ist am Ende nicht ausschlaggebend.

Wie hat die Mannschaft während der Quarantäne Kontakt gehalten?

Wir haben hauptsächlich Kontakt über die Whatsapp-Gruppe gehalten, um ständig im Austausch zu bleiben. Einige haben sich auch über Videokonferenzen unterhalten. Da man aus verschiedenen Landkreisen kommt und da wiederum andere Gesundheitsämter zuständig sind, konnte man wichtige Informationen schnellstmöglich austauschen. Die Kommunikation war schon wichtig, um seinen Mitspielern das Gefühl zu geben: Auch wenn wir nicht gemeinsam auf dem Sportplatz stehen, sind wir füreinander da.

Wie haben Sie die Situation erlebt, als die ersten positiven Fälle aufgetreten sind?

Ich muss ehrlich sagen: Ich war sehr überrascht. Ich dachte erst, dass es vielleicht nur zwei oder drei Spieler getroffen hätte. Letztendlich waren es doch mehr, gefühlt die halbe Mannschaft. Der eine oder andere hatte natürlich auch Symptome, auch wenn es nicht unbedingt starke waren. Es war schon ein komisches Gefühl, wenn man wusste, der eigene Fußballkollege hat dieses Virus. Da fragt man sich natürlich: Wie geht der damit um?

Am vergangenen Dienstag war die Zwangspause für Sie und Ihre Mitspieler, die aus der Quarantäne entlassen wurden, vorbei. Sie standen wieder auf den Trainingsplatz. Was war das für ein Gefühl, wieder mit Ihren Mannschaftskollegen trainieren zu dürfen?

Man wusste jetzt gar nicht, ob das Virus aus den Spielern, die positiv getestet wurden, raus ist oder sie das weiter mit sich tragen. Wichtig war natürlich, dass der Verein Maßnahmen eingeleitet hat. Sprich: Man hat gesagt, dass wir nicht mehr in die Umkleidekabine gehen und nur auf dem Platz bleiben. Wir haben uns auch von den anderen Mannschaften des Vereins ferngehalten und beim Training versucht, die Hygieneregeln sowie den Abstand einzuhalten. Natürlich ist das beim Abschlussspiel nicht möglich. Aber man hat erst mal so ein ganz merkwürdiges Gefühl gehabt, ob man durch den einen oder anderen infiziert werden kann. Man hat sich aber auch irgendwo gefreut, nach zwei Wochen wieder auf dem Platz zu stehen.

Das Spiel gegen den VfL Westercelle war dann ein richtiger Kaltstart für die Mannschaft. Wie zufrieden sind Sie angesichts der Zwangspause mit dem Spiel?

Ich bin ein Typ, der immer gewinnen will. Ich will nicht sagen, dass ich ein schlechter Verlierer bin. Wenn das Geschehen es hergibt, kann man auch mal verlieren. Aber man muss auch sagen, dass wir nur drei Trainingseinheiten vor dem Spiel hatten. Wir haben in der ersten Trainingseinheit einen großen Kreis gebildet und wussten ganz genau, dass wir nach drei Trainingseinheiten wieder spielen und 100 Prozent abliefern müssen. Wir haben so hart gearbeitet, es hat jeder mitgezogen. Das fand ich wirklich positiv. Normalerweise hätten wir zwei Wochen gebraucht, um uns die Quarantäne-Zeit wieder zu holen.

Sind Sie zufrieden mit dem Remis?

Im Endeffekt muss ich sagen, dass die Jungs das gut gemacht haben. Wir waren über 70 Minuten tonangebend. Danach fehlten allmählich die Kraft und die Konzentration, das Ding runterzuspielen. Mit dem 2:2 können wir zufrieden sein. Es hätte hinten raus auch anders ausgehen können.

Also fehlten am Ende die Körner, um die drei Punkte mitzunehmen?

Ja. Ich bin der festen Überzeugung, dass man das Spiel keine 90 Minuten auf hohem Tempo runterspielen kann. Wir haben in den ersten 70 Minuten viel Dampf gemacht und waren die Mannschaft, die mehr Ballbesitz hatte. Wir haben den Gegner ununterbrochen gepresst. Natürlich ist es irgendwann schwierig, die Kondition so hoch zu halten, wenn man nur so kurz trainiert.

Momentan stehen Sie mit dem FC Verden 04 mit sieben Punkten und einem Spiel weniger auf Platz sechs, der die Abstiegsrunde bedeuten würde. Was für ein Zwischenfazit der bisherigen Saison ziehen Sie?

Bis auf das erste Spiel (0:2-Niederlage gegen den VfL Lüneburg, Anm. d. Red.) haben wir eine gute Hinrunde gespielt. Gegen Lüneburg war es ein ganz komisches und merkwürdiges Spiel. Es war das erste Pflichtspiel nach der langen Pause. Wenn man in dem Spiel auch drei Punkte mitnimmt, ist man mehr als zufrieden. Wir hatten diesmal auch kein Ausreißerspiel, wo wir sagen können: Das Spiel ging völlig daneben. Gegen Treubund Lüneburg haben wir bärenstark gespielt, gegen Ahlerstedt kannst du verlieren, das ist völlig in Ordnung. Aus allen anderen Spielen haben wir das Beste rausgeholt. Ich bin da wirklich zufrieden.

Sollte die Saison zu Ende gespielt werden: Was nehmen Sie sich mit der Mannschaft für die Rückrunde vor?

Wir wollen in die Aufstiegsrunde, da sind wir uns alle einig. Aber unsere Staffel – muss man ehrlich sagen – ist ausgeglichen, bis auf ein, zwei Gegner, die noch nicht gepunktet haben. Man sieht, die Mannschaften können gegen jeden Gegner gewinnen, aber auch gegen jeden verlieren. Das zeigt auch einfach das Spiel gegen Treubund Lüneburg, das wir gewonnen haben. Da hat auch keiner erwartet, dass wir das Spiel dort gewinnen. Wir wollen allein schon in die Aufstiegsrunde, um nicht gegen den Abstieg spielen zu müssen. Platz vier ist das Minimum.

Das Interview führte Maurice Reding.

Info

Zur Person

Katip Tavan (29)

ist Kapitän beim Fußball-Landesligisten FC Verden 04. Vor seinem Wechsel in die Reiterstadt lief der Mittelfeldspieler jahrelang im Herrenbereich für den TSV Etelsen auf. Auch für den TB Uphusen schnürte Tavan in der Oberliga eine Saison lang die Schuhe. Seit 2017 trägt der 29-Jährige das Verdener Trikot.

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