Fußball-Oberliga

Philipp-Bruno Rockahr: „Zecke war meine Wunschlösung“

Mit acht Punkten aus fünf Spielen hat der TB Uphusen einen Saisonstart hingelegt, der für so manchen Beobachter überraschend daherkam. Im Interview spricht Kapitän Philipp-Bruno Rockahr über die ersten Spiele.
16.10.2020, 16:37
Lesedauer: 5 Min
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Philipp-Bruno Rockahr: „Zecke war meine Wunschlösung“
Von Florian Cordes
Philipp-Bruno Rockahr: „Zecke war meine Wunschlösung“

Seit dieser Saison trägt Philipp-Bruno Rockahr beim TB Uphusen die Kapitänsbinde. Der Offensivspieler wächst mehr und mehr in seine neue Rolle und glänzte zuletzt als Sieg-Torschütze.

Björn Hake
Herr Rockahr, gegen Celle ist Ihnen der Siegtreffer auf kuriose Weise gelungen. Eigentlich wollten sie den Ball in den Strafraum flanken. Was ging Ihnen durch den Kopf, dass die Flanke nicht gut war, daraus plötzlich ein Torschuss wurde und der Ball schließlich im Kasten landete?

Philipp-Bruno Rockahr : Eigentlich war die Flanke ja sehr gut (lacht). Wir haben in den letzten Minuten noch mal ordentlich Druck gemacht. Ich habe das Ding dann einfach mal reingebracht, mit Verdacht auf den zweiten Pfosten. Und dann wird der Ball immer länger, geht ins Tor und man denkt: geil. Das war natürlich spektakulär. Solche Tore schießt man selten in seiner Laufbahn. Jetzt kann man natürlich fragen, ob sich der Torwart verspekuliert hat. Aber wer rechnet schon damit, dass der Ball direkt oben in den Winkel fliegt. Das war schon super, dass der Treffer uns auch noch den Sieg brachte. Jetzt haben wir acht Punkte. Dann kann niemand meckern.

Für Sie war es bereits das dritte Saisontor. Wie beurteilen Sie Ihre bisherigen Leistungen?

Momentan läuft es einfach. Mir macht es Spaß, vorweg zu gehen. Mit Ole Laabs oder Viktor Pekrul sind ein paar alte Hasen weggegangen. Wenn ich mich umgucke, sind dann noch Marco Wahlers und Robert Littmann von der Altersstruktur – und dann komme auch schon ich mit 31 Jahren. Ich habe nun schon viele Spiele in dieser Liga gemacht. Da denkt man ganz automatisch, dass man vorangehen, seinen Erfahrungsschatz weitergeben und den Jungs ein gutes Vorbild sein will. Ich will die Jungs unterstützen und zeigen, wo es in der Oberliga langgeht. Wir haben viele Talente in unserem Team, die in zwei oder drei Jahren ganz woanders spielen können. Einem Jarno Böntgen oder Elario Ghassan traue ich auf jeden Fall zu, dass sie noch einen Sprung nach oben machen.

Stichwort vorangehen. Sie sind jetzt Kapitän beim TBU. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Was Besonderes ist es, im Sinne von Verantwortung zu übernehmen, definitiv. Irgendwo ist es ja auch eine Ehre und macht einen stolz, als erfahrener Spieler von der Mannschaft akzeptiert zu werden. Ich kenne das auch anders: Es ist oft so, dass junge Spieler mit älteren in einem Team sind. Aber eigentlich sind sie weit voneinander entfernt. Die Jüngeren studieren noch, die Älteren haben schon drei Kinder und führen ein ganz anderes Leben. Aber das ist bei uns überhaupt nicht der Fall. Ich sehe mich auf einer Ebene mit den Jungs. Ich kann mich gut in die jüngeren Spieler hineinversetzen und habe ein Gespür, wie sie anzupacken sind. Für mich ist es aber auch eine neue Rolle, auf die Jüngeren zuzugehen und sie aufzubauen, wenn sie mal gefrustet sind, weil sie nicht spielen oder im Training was schief gelaufen ist.

Zufrieden sind Sie sicher auch mit der Leistung der gesamten Mannschaft. Sofern man die 1:6-Auftaktniederlage in Spelle und das 0:0 gegen Bersenbrück, als trotz doppelter Überzahl kein Tor geschossen hat, ausklammert.

Wir können zufrieden sein. Und hätten wir gegen Bersenbrück das eine Tor gemacht, hätten wir zehn Punkte. Dann hätten wir uns noch deutlicher von unten abgesetzt. Nun kommen Heeslingen und Hagen. Wenn wir aus den beiden Spielen vier Punkte holen, ganz ehrlich: Darauf hätte vor der Saison wohl keiner gewettet.

Sie sprechen es an: Ihr Team wurde vor der Saison als Kandidat für die Abstiegsrunde gehandelt. Sind Sie selbst überrascht, dass es nun doch so gut läuft?

Überrascht gar nicht unbedingt. Natürlich wurden viele Spieler geholt, die sich in der Oberliga nicht auskennen oder große Erfahrung haben, abgesehen von Boris Koweschnikow oder Bastian Helms. Von außen wird dann schnell mal gesagt: Uphusen wird es ganz schwer haben. Wenn aber talentierte und junge Spieler dabei sind, kann man vor allem über den Teamgeist kommen, dass alle an einem Strang ziehen. Das hat in Uphusen ein bisschen gefehlt. Da macht unser Trainer Christian Ahlers-Ceglarek einen richtig guten Job. Grundsätzlich hat man sicher erwartet, dass es schwierig wird. Aber überrascht bin ich nicht, auch wenn ich sehe, wie im Training gearbeitet wird. Aber das Ganze ist ein Prozess. Vielleicht hat die 1:6-Niederlage in Spelle auch ihren Beitrag dazu geleistet. Da haben sicher viele gedacht: Okay, so ist das in der Oberliga.

Die Abfuhr zum Saisonauftakt kam also gleich zum richtigen Zeitpunkt?

Ja, ich glaube daran, dass das der Hallo-Wach-Effekt war.

Sie sprechen die Rolle Ihres Trainers an. Viele Jahre stand er hinter Ihnen auf dem Feld im Tor. Wie fühlt es sich an, dass er die Kommandos nun von der Seitenlinie gibt?

Am Anfang war das schon eine Umstellung. Mittlerweile kann ich ihn mir aber gar nicht mehr im Tor vorstellen, weil er die Trainerrolle so sehr lebt. Und er trägt seit längerer Zeit keine Handschuhe mehr (lacht). Er macht das sehr gut und sehr ruhig. Zudem hat er den Vorteil, dass er in Uphusen ein paar Trainer erlebt hat. Da konnte er sehen, woran es in der Mannschaft hapert. Was machen die Trainer schlecht, was fehlt uns. Das kannte er alles aus Spielersicht. Das kann er jetzt alles umsetzen. Gerade was auch das Umfeld in Uphusen angeht. Er kann die Dinge jetzt so anpacken, wie sie richtig sind. Und das bestätigen unsere aktuellen Ergebnisse ja auch.

Waren Sie denn anfangs skeptisch, dass der Verein einem Trainer-Neuling das Vertrauen schenkt?

Absolut nicht. Ich habe mich über die Entscheidung ziemlich gefreut. Als sich Achim Hollerieth bei uns verabschiedet hatte, war Zecke (Spitzname von Christian Ahlers-Ceglarek, Anm. d. Red.) gleich meine Wunschlösung. Ich habe darüber auch mit Florian Warmer (Sportlicher Leiter des TBU, Anm. d. Red.) gesprochen, dass das eine super Sache wäre. Ich habe Zecke diese Rolle von Anfang an zugetraut.

Jetzt kommt das Heimspiel gegen den Heeslinger SC. Was ist in diesem Spiel für den TBU drin? Zumal Heeslingen die längere Pause wegen der Corona-Fälle hinter sich hat.

Heeslingen ist für mich der klare Favorit. Es kamen bei denen viele Spieler aus dem Hamburger Raum. Da wurde schon einiges verändert. Denn Heeslingen ist immer eine Mannschaft, die über die Mentalität kommt. Da ist es immer laut auf dem Platz. Die Spieler sind immer ehrgeizig. Zum Beispiel Dennis Janssen, der ja auch in Uphusen war. Dennoch denke ich, dass wir auch in diesem Spiel etwas holen können. Die Sache mit der Corona-Pause kann uns in die Karten spielen, muss es aber nicht. Heeslingen wird sich genug motivieren, weil sie wieder um Punkte kämpfen wollen. Ich wüsste aber nicht, warum wir nicht die Punkte holen sollen.

Das Selbstvertrauen ist also gewachsen ...

Klar. Es macht schon was mit dem Selbstvertrauen und dem Teamgeist, wenn du erfolgreich bist. Gerade so ein Last-Minute-Sieg. Das schweißt zusammen.

Das Interview führte Florian Cordes.

Info

Zur Person

Philipp-Bruno Rockahr (31)

ist seit Januar 2018 Offensivspieler des TB Uphusen. Damals kam er vom Bremer SV in den Achimer Westen. Seit dieser Saison trägt er beim TBU die Kapitänsbinde. Im jüngsten Spiel gegen den MTV Eintracht Celle schoss er sein Team in der Nachspielzeit mit einem Traumtor zum 3:2-Sieg.

Info

Zur Sache

Zu Hause gegen Heeslingen

Oberliga Niedersachsen WE /LG: Es ist so etwas wie ein kleines Derby – die Begegnung zwischen dem TB Uphusen und dem Heeslinger SC. Nun treffen die beiden Kontrahenten wieder aufeinander. Angepfiffen wird die Partie am Sonntag um 15 Uhr am Uphuser Arenkamp. Während es für den TBU zuletzt gut im niedersächsischen Oberhaus lief – die Elf von Trainer Christian Ahlers-Ceglarek hat die vier jüngsten Ligaspiele nicht verloren –, waren die Heeslinger zum Zuschauen verdammt. Wegen Corona-Fällen in der Mannschaft musste der Klub aus dem Kreis Rotenburg pausieren. Seit Mittwoch ist der HSC aber wieder zurück: Im Niedersachsenpokal unterlag das Team von Trainer Sören Titze dem Landesligisten SV Ahlerstedt/Ottendorf ohne Spielpraxis mit 2:3.

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