Stadtentwicklung

Gemeinsam für mehr Qualität

Podiumsdiskussion über eine aktuelle DGB-Umfrage zum Thema Wohnen und Leben im Landkreis Verden. Viele Befragte beurteilen die Mieten als zu hoch.
05.09.2019, 17:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Gemeinsam für mehr Qualität

Podiumsdiskussion des DGB im Schulhaus Dauelsen mit Peter Bohlmann, Boris Krahn, Daniela Teppich, Dörte Liebetruth, Birgit Koröde und Eva Hibbeler (v.l).

Björn Hake

Steigende Mietkosten, fehlender Wohnraum, schlechte Lebensqualität - für viele Menschen scheinen diese Begriffe bezeichnend für das Wohnen im Landkreis Verden zu sein. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, an der von Juli bis August dieses Jahres 50 Menschen teilnahmen. Befragt wurden diese auf der Straße und in einem Verdener Betrieb.

Die Ergebnisse der Befragung wurden an diesem Mittwoch, 4. September, im alten Schulhaus in Dauelsen öffentlich präsentiert und diskutiert. Mit von der Partie waren Landrat Peter Bohlmann (SPD), Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD), die Leiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung Verden, Birgit Koröde, sowie als Moderatorin die Gewerkschaftssekretärin Daniela Teppich.

Mehr als drei Viertel der Befragten geben an, dass in Verden zu wenig Wohnraum zur Verfügung stehe, wobei Familien die Lage schlechter einschätzen. Gleichzeitig werden die Mietkosten von der klaren Mehrheit als teuer bis zu teuer eingeschätzt. Noch höher schätzen Alleinstehende und Auszubildende die Mietpreise ein.

Das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) bewerten die Teilnehmer als durchschnittlich. Dieses hänge vor allem davon ab, in welcher Gemeinde des Landkreises man wohne, sagt Eva Hibbeler. „Innerhalb der Stadt Verden ist das Angebot gut. In Richtung Walle oder Kirchlinteln kann man aber weniger auf öffentliche Verkehrsmittel bauen.“ Dies kann weitreichende Folgen haben: Hibbeler erzählt von einem älteren Ehepaar, das sein Auto nur noch finanziere, um seine Kinder besuchen zu können. Denn zwei Kilometer vor deren Wohnort höre der öffentliche Nahverkehr auf.

Fachbereichsleiterin Birgit Koröde stimmt den Befunden der Umfrage zu. „Zurzeit leben in Verden ungefähr 28 000 Einwohner, aber es gibt nur 14 000 Wohnungen. Das heißt, für zwei Menschen steht nur eine Wohnung zur Verfügung.“ Ursache dieses Problems sei unter anderem, dass früher hauptsächlich Einfamilienhäuser oder große Wohnungen gebaut worden seien. Dadurch hätten viele Alleinlebende, aber auch ältere Menschen heutzutage Probleme, kleine Wohnungen zu finden oder in diese zu wechseln.

Um dem entgegenzuwirken, hat Peter Bohlmann als Chef des Landkreises Wohnraumversorgungskonzepte für die Gemeinden in Auftrag gegeben: „Diese sind Voraussetzung dafür, Mittel für den sozialen Wohnungsbau abrufen zu können.“ In enger Verbindung zur Diskussion über die Wohnraumversorgung stehe außerdem das Thema des ÖPNV und der Verkehrspolitik. „Bei der Diskussion über die Flächennutzung stellt sich auch immer die Frage, wie viel Fläche für den Verkehr genutzt wird“, so Bohlmann. Eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots könne außerdem genutzt werden, um bisher unbeliebten Wohnraum attraktiver zu machen und Leerständen entgegenzuwirken.

Aber auch der Landtag sei sich des Problems bewusst, sagt Dörte Liebetruth. Wie die Abgeordnete mitteilt, verabschiedete dieser im Juni dieses Jahres ein Gesetz zur Stärkung von Zukunftsinvestitionen und Zukunftsvorsorge. Bisher wurden 400 Millionen Euro aus dem Jahresabschluss 2018 in den Wohnraumförderfond eingezahlt. „Zusammen mit den Finanzhilfen des Bundes sollen bis zum Jahr 2023 etwa 1,7 Milliarden Euro für den geförderten Wohnungsbau eingesetzt werden“, kündigt Liebetruth an.

Auf Daniela Teppichs Frage, was sich in den nächsten fünf Jahren im Landkreis verändern müsse, haben die Experten verschiedene Antworten. Für Peter Bohlmann ist es wichtig, den ÖPNV auszubauen, um starke Verkehrslinien zu errichten. Dahingehend werde in Kirchlinteln ein Bahnhof gebaut. Dörte Liebetruth legt das Augenmerk auf den Klimaschutz. „Klimaschonendes Bauen muss nicht immer teuer sein. Der Landkreis hat viel Potenzial, um den Klimaschutzaspekt und auch die Barrierefreiheit auszubauen“, so die Landtagsabgeordnete. „Mir schweben lebendige Mehrgenerationenquartiere vor“, sinniert Birgit Koröde. „Viele Menschen haben Angst vor der Vereinsamung im Alter.“ Und auch sonst stünde für sie eine Gemeinschaft, in der sich die Bewohner wohlfühlen, an oberster Stelle.

Abschließend fragt Daniela Teppich die Politiker, was sie sich in der Zukunft voneinander wünschen. Alle sind sich einig: Die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im Landkreis Verden sei eine gemeinsame Herausforderung, die nur durch gute Zusammenarbeit und Stetigkeit gemeistert werden könne.

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