Projekt in Achim-Bollen

Geplanter Windpark ist der Politik eine Nummer zu groß

In Bollen sollen fünf Windräder als Erweiterung des Mahndorfer Windparks entstehen. Das sind der Achimer Ratspolitik zu viele.
19.09.2018, 17:12
Lesedauer: 2 Min
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Geplanter Windpark ist der Politik eine Nummer zu groß
Von Kai Purschke

Achim. Eigentlich sind sich alle Ratsfraktionen einig, dass erneuerbare Energien und somit auch Windparks absolut notwendig sind. In Bollen jedoch, wo – wie berichtet – ein neuer Windpark des Bremer Unternehmens wpd mit fünf Windrädern entstehen soll, da soll er nicht so groß ausfallen, wie der Landkreis Verden und der Windparkbetreiber es gerne hätten. Das hatte der Verwaltungsausschuss in einer Stellungnahme an den Kreis bereits vor zwei Jahren deutlich so formuliert. Die Stellungnahme zum mittlerweile in Kraft getretenen Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) wurde aber zurückgewiesen und daher müsste die Stadt Achim nun klein beigeben.

Müsste, weil die Ratsfraktionen bis auf die Grünen nun auf Initiative der WGA und CDU geklärt haben wollen, welche rechtliche Konsequenzen der Stadt drohen, wenn sie sich weigert, die im RROP festgelegten Gebiete für Windparks anzuerkennen. Die in Bollen dafür auserkorene Fläche und damit die Größe der geplanten Anlage mit fünf Windrädern ist fast allen Parteien zu groß. „Wovon reden wir? Was kann man gegen erneuerbare Energien haben, dafür habe ich kein Verständnis“, machte Peter Bartram (Grüne) aber deutlich, dass er der Argumentation der anderen Fraktionen nicht folgen könne und wolle. Die formulierten in breiter Mehrheit einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung und vertagten die Diskussion somit aufs Jahr 2019, in dem das Thema behandelt werden soll, wenn die Verwaltung die juristischen Antworten parat hat.

Wobei die Verwaltungsvertreter zuvor in ihren Ausführungen den Ratsleuten und knapp 30 anwesenden Bürgern erklärt hatten, dass sich die Stadt den Vorgaben wohl werde fügen und den Flächennutzungsplan ändern müssen. Denn bei dem neuen Windpark handelt es sich formell um eine Erweiterung der im benachbarten Mahndorf befindlichen Anlage. Daher, das sagte auch der wpd-Projektleiter Markus Birnkraut, gelte der sonst übliche Mindestabstand von drei Kilometern zwischen zwei Windparks nicht. Zur nächstgelegenen Siedlung soll der Abstand rund 900 Meter betragen, zur Kreisstraße allerdings nur 20 Meter, worauf der ehemalige Ratsvorsitzende Hans-Jürgen Wächter im Publikum nochmal deutlich hingewiesen hat.

Allein die Größe der Windräder lässt aufhorchen: Wenn eines der Rotorblätter senkrecht nach oben zeigt, ist seine Spitze 241 Meter vom Fuß des Turmes entfernt. Der soll später auf einem Fundament stehen, das einen Durchmesser von 30 Metern aufweist. wpd hat laut Birnkraut vor, in Bollen vier größere Windräder zu platzieren und ein geringfügig kleineres, sodass am Ende „etwas über 20 Megawatt“ produziert würden. 18 Megawatt hatte der Kreis für die Fläche als Ziel ausgerufen. Die ist übrigens – mit Ausnahme der drei Windräder, die es im Osten Achims bereits gibt – die einzige Fläche, die im Stadtgebiet für Windkraft ausgewiesen wurde.

Die von Birnkraut vorgestellten Anlagentypen verursachen einen Lärm von etwas mehr als 104 Dezibel, wobei nicht deutlich wurde, ob dieser Wert mit oder ohne die von Birnkraut angebotenen optionalen Geräuschdämmungen erzeugt wird. Auch ansonsten zeigt sich wpd gegenüber der Stadt großzügig: Von der Gewerbesteuer müssten eigentlich 30 Prozent nach Bremen gehen, weil sich dort der Firmensitz befindet. „Mit der Gewerbesteuerzerlegung können wir das auf zehn Prozent minimieren“, sagte Birnkraut. Er hofft, ab Mitte 2020 die Anlagen bauen zu können. Dafür dürfte es aber keine Verzögerungen geben, wie sie jetzt offenbar bereits eingetreten ist.

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