Gartentage Thedinghausen Geschäfte im Schatten der Bäume

Die Gartentage bescheren dem Schloss Erbhof zumindest für drei Tage wieder einen "Fürsten", denn Veranstalter Jan Siemsglüss hatte sich dort einquartiert, um dauerhaft vor Ort sein zu können.
27.05.2018, 18:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Struss

Die Gartentage Thedinghausen haben drei Tage lang die Besucher zum Schloss Erbhof gelockt. Der Star des Wochenendes war aber nicht unter den rund hundert Ausstellern zu finden und auch am prominenten Fernsehgärtner John Langley ging dieser Titel knapp vorbei. Denn größter Beliebtheit erfreute sich unter den Besuchern das Schloss selbst. Das stolze Bauwerk ist fast 400 Jahre alt und der Zuschauermagnet für die Gartentage. Der Veranstalter bezog kurzerhand ein Zimmer. Das Schloss hatte also wieder einen "Fürsten" – wenn auch nur für drei Tage.

"Wenn etwas passiert, muss ich vor Ort sein", sagt Jan Siemsglüss. Im vergangenen Jahr sei das bei einem Sturm sehr wichtig gewesen. Deshalb hat er sich für das Wochenende ein Arbeits- und Schlafzimmer im Schloss Erbhof eingerichtet. Für die Gartentage ist der 60-Jährige also praktisch rund um die Uhr im Einsatz. In der Lüneburger Heide betreibt er den Ferien- und Wellnesshof "Beekenhof". Daneben ist er aber auch als Veranstalter von Gartenfestivals erfolgreich.

"Angefangen hat es mit einer Großveranstaltung auf dem Beekenhof, bei der wir nur den Hof gestellt haben", erinnert sich Siemsglüss. "Die lief grauenvoll. Da habe ich mir gedacht: Das kann ich besser." Den Beweis dafür hat er inzwischen erbracht, die Gartentage Thedinghausen sind mit der nun vierten Auflage inzwischen eine etablierte Großveranstaltung. Auch die Oktobervariante "Herbstgeflüster" wird es an selber Stelle in diesem Jahr schon das zweite Mal geben.

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Siemsglüss hat die Arme seines marineblauen Hemdes hochgekrempelt, auf der Stirn stehen Schweißperlen. 27 Grad zeigt das Thermometer an diesem Sonnabend, in der prallen Sonne sind es noch ein paar Grad mehr. "Die Hitze scheint die Besucher nicht abzuschrecken", sagt er.

Bislang jedenfalls sei der Zustrom mit dem vergangenen Jahr vergleichbar – jedoch mit einer Einschränkung. Am Freitag sorgten der große Böschungsbrand (wir berichteten) sowie ein Verkehrsunfall für lange Staus auf der Autobahn 27. "Da blieben auf einmal die Besucher weg. Ein Freund brauchte für die Anfahrt aus Verden drei Stunden", erzählt Siemsglüss.

Während seines Bummels durch die Gartenanlagen des Schlosses grüßt fast jeder Aussteller den "Vater" der Gartentage. "So 80 Prozent kenne ich persönlich", sagt er. Um Kontakte zu pflegen und neue Aussteller zu akquirieren, sei er bis zu 40 000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren. Das Ergebnis: Ein breites Angebot von Pflanzen über Gartenmöbel bis hin zu Kleinkunst. "In diesem Jahr haben wir etwas mehr Gastronomie. Das war ein Wunsch der Besucher", sagt Siemsglüss. Es gibt Wein und Sekt, Flammlachs oder ganz klassisch Kaffee und Kuchen.

Natürlich möchte jeder Aussteller irgendetwas verkaufen. Oder zumindest Interesse wecken, damit die nächste große Anschaffung dann zum Beispiel ein luxuriöser Grillkamin aus Edelstahl ist. Im angenehmen Schatten der großen Bäume herrscht in Schlossnähe gute Stimmung. Doch Aussteller, die einen Platz in der prallen Sonne erhalten haben, machen offenbar nicht so gute Geschäfte. "Es ist zu heiß. Die Leute mögen nicht lange stehen bleiben", hat Andrea Neckel bemerkt. Sie verkauft Tischdecken und Kissen.

"Bislang habe ich nur Geld für eine Tasse Kaffee ausgegeben", sagt Besucherin Hannelore Lenk, die aus Hodenhagen nach Thedinghausen gekommen ist. Im Schatten eines Baumes wartet sie gerade auf eine spanische Reitershow. Diese gehört zu einem kleinen Rahmenprogramm, für das die Besucher einen regulären Eintrittspreis von neun Euro zahlen mussten. "Ich bin zum ersten Mal bei dem Schloss. Super!", schwärmt Lenk.

Auch das Ehepaar Denker aus Nienburg besucht das Schloss Erbhof erstmalig. "Schön, dass man auch hinein gehen kann", befindet Wolfgang Denker. Im ersten Stock des Schlosses ist ein großer Saal für die Gäste geöffnet. Das gesamte Gelände wolle er sich an einem anderen Tag noch einmal genauer ansehen. Und sonst? "Viele schöne Dinge, die die Welt nicht braucht", sagt Denker und lacht.

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