Getränke Dittmer in Achim Seit fast 60 Jahren am Markt

Seit fast 60 Jahren gibt es den Getränkehandel Dittmer in Achim. Stadtbekannt ist dessen Borgward-Transporter, der mit purer Muskelkraft beladen wird.
15.06.2020, 17:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders

Als Karl-Heinz Dittmer 1962 den Getränkehandel im Achimer Ortsteil Uphusen eröffnete, lief das Geschäft noch deutlich anders. „Die Basis für Sprudel und Co. war damals einfaches Stadtwasser, das von uns mit verschiedenen Essenzen versetzt und mit Kohlensäure angereichert wurde“, blickt Neffe Heiko zurück auf die Anfänge des Unternehmens.

Auch das Bier nahm einen anderen Weg in die Gläser als heute üblich. In Tanks gepumpt, verließ es die Germania-Brauerei in Münster, um Am Hilgenberg in Flaschen abgefüllt und der Kundschaft zur Verfügung gestellt zu werden.

„Mitte der 1970er übernahm mein Vater das Geschäft; seit etwa 2000 bin ich zuständig“, überschlägt Heiko Dittmer die Lebensdauer des Unternehmens, das mittlerweile fast 60 Jahre am Markt ist. „Schon ziemlich lange“, resümiert er und gibt gleichzeitig zu verstehen, dass bisher kein Jubiläum gefeiert worden sei. „Nicht aus Geiz oder so, sondern einfach, weil wir keine Selbstdarsteller sind“.

Vieles hat sich verändert

Habe sich in den vergangenen Jahrzehnten auch vieles verändert, sei eines jedoch immer gleichgeblieben: die Nähe zum Kunden. Fast alle kenne man „persönlich“, mischt sich Ehefrau Sandra Dittmer in das Gespräch und unterstreicht mit ihrem herzlichen Lächeln die Bereitschaft des Hauses, auch besondere und Kleinwünsche zu erfüllen. Nicht selten komme es vor, dass wegen einiger weniger Kisten gefahren werde; einfach, um Kundenfreundlichkeit unter Beweis zu stellen.

Verladen werden Sprudelkästen und Bierfässer vorzugsweise auf einen rot-weißen Borgward-Transporter, der inzwischen stadtbekannt und vor fast 50 Jahren vom Band gelaufen ist. In akribischer Kleinarbeit mit Hilfe eines professionellen Schraubers restauriert, haben auf der Ladefläche des Schmuckstücks, das unter der Bezeichnung B 622 D unterwegs ist, bis zu 120 Getränkekisten Platz. Bestückt wird der Frontlenker ohne den Einsatz von Hebebühne oder Gabelstapler; Heiko Dittmer und Mitarbeiter Markus Henk wuppen die Kisten mit Muskelkraft „an Bord“ und verschwenden weder Gedanken noch Worte über den Einsatz von Hilfsmitteln.

Verleih von Bierzelt-Garnituren

Neben dem Handel mit kühlen Getränken bestückt die Firma Dittmer übers Jahr zahlreiche Veranstaltungen mit Party-Getränken und Bierzelt-Garnituren. „Ganz schlimm für die Branche“ empfindet Heiko Dittmer die Situation, die durch Corona entstanden ist.

Obwohl Optimist, sehe er kaum einen Hoffnungsstreifen am Horizont. Die Ungewissheit, wie sich die Situation weiter entwickeln werde, sei ein Hemmschuh, der lähmt. „Niemand weiß, ob ein zweiter Lockdown mit verheerenden Folgen kommen wird, und jegliche Planung ist die Investition in eine Zeit, deren Verlauf sich zumindest im Moment nicht einschätzen lässt“.

Mühsame Kleinarbeit

In mühsamer Kleinarbeit haben Heiko Dittmer und Markus Henk kürzlich Bänke und Tische abgeschliffen, frisch lackiert, also wieder „schön gemacht“. Wann und wo die restaurierten Garnituren wieder eingesetzt werden können, bleibe im Moment dahingestellt. „Auch die kürzlich erworbene Gläserspülanlage ist ein Invest in eine ungewisse Zukunft“, sagt der Firmeninhaber, der darauf hofft, dass sich zukünftig wieder mehr Bürger auf die Möglichkeiten vor Ort verlassen. „Lieferdienste, die im Moment aus dem Boden schießen, verkomplizieren die Situation zusätzlich; das lokale Angebot sollte wieder im Vordergrund stehen“.

Durchhalten sei angesagt, sind sich Sandra und Heiko Dittmer einig und freuen sich darüber, dass ihrem Betrieb aktuell noch keine Not droht. Die gemeinsame Tochter Annika lebe im Übrigen fernab der hiesigen Situation in Island, wo die Pandemie fast nur vom Hörensagen bekannt ist. Als Konditorin gehe es ihr gut, denn Leckermäulchen gäbe es ja weltweit.

Auch Rita Dittmer, fast 80 Jahre alt und immer noch aktiv, versieht weiterhin ihren Dienst. „Bestellungen aufnehmen und mit den Kunden scherzen, das lässt sie sich auch im Alter nicht nehmen“, sagt ihr Sohn und schmunzelt dabei.

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