Geschäftsbericht

Unikate aus Handarbeit

In der Werkstatt von Björn Scherff in Achim-Uesen entsteht passgenaues orthopädisches Schuhwerk. Gefertigt werden die Unikate vollständig von Hand.
17.08.2020, 15:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders
Unikate aus Handarbeit

Björn Scherff hat sich mit seinem Betrieb für Orthopädie-Schuhtechnik etabliert. Das Schuhwerk wird ausschließlich in Handarbeit gefertigt und soll laut Firmenchef für jedes Fußproblem eine individuelle Lösung ermöglichen.

Björn Hake

Bequem- und Spezialschuhe sowie Einlagen, deren Passgenauigkeit auf computergestützten Messungen basiert. „In unserem modernen Fachgeschäft für Orthopädie-Schuhtechnik findet sich für nahezu jedes Fußproblem eine individuelle Lösung“, ist Björn Scherff sich sicher. Dabei werde explizit darauf geachtet, dass sich der Look der Sonderanfertigung so wenig wie möglich vom modischen Konfektionsschuh unterscheidet. Gefertigt werden die Unikate an der Steuben-Allee in Achim-Uesen vollständig von Hand; Halbfertigware kommt in keinem Fall zum Einsatz.

Er sei in der Region verwurzelt, seinen Ahnen und deren Berufsweg gefolgt, gewährt der 50-Jährige schmunzelnd Einblick in seine Familiengeschichte. Bis ins Jahr 1745 lasse sich die Historie der „Altvorderen“ zurückverfolgen, zum ersten Mal erwähnt im Kirchenbuch von Visselhövede, einer Kleinstadt im Landkreis Rotenburg. Dort sei nachzulesen, dass alle männlichen Nachkommen entweder Maurer oder eben Schuhmacher wurden, ein Handwerk, für das auch er sich zu erwärmen wusste.

Gute Erinnerungen an Ausbildung

Recht problemlos sei sein Einstieg in das Berufsleben zunächst gelungen, berichtet der Firmeninhaber, der seine Laufbahn 1989 als Lehrling in der Firma Hüsing in Weyhe-Leeste begann. Gute Ausbildungsbedingungen und die Mitarbeit in einem netten Team hätten später dazu geführt, dass er dem Unternehmen lange Jahre treugeblieben sei.

Danach zog es ihn an die Meisterschule nach Hannover, in der der Komfortbereich jedoch eng begrenzt war. „Eine eigene Meinung oder gar Widerworte waren nicht erwünscht“, erinnert sich der jetzige Orthopädie-Schuhmachermeister, der im Fach „Einlagen“ eine Ehrenrunde drehen musste und dadurch ein ganzes Jahr verlor. Endlich ausgestattet mit dem ersehnten Titel, konnte Scherff sich die Übernahme seines Lehrbetriebes vorstellen; ein Vorhaben, das durch den überraschenden Einstieg des Inhaber-Sohnes jedoch im Sande verläuft.

Björn Scherff Orthopädie-Schuhtechnik in Achim

Den Einzug ins Gebäude an der Steuben-Allee vollzog der Betrieb im Jahr 2012.

Foto: Björn Hake

Auch auf sich allein gestellt, gelingt es dem jungen Mann im wahrsten Sinne des Wortes, etwas Eigenes „auf die Füße zu stellen“. So startet er in der Mitte des Jahres 2006 nahe der Ueser Brücke in die Selbstständigkeit, zunächst ohne jegliche Mitarbeiter. „Eine Zeit lang kamen und gingen immer mal wieder Gesellen; auf Dauer gesehen, habe ich oft jedoch 18 Stunden am Tag gearbeitet“, erinnert sich Scherff, bevor er 2013 anlässlich eines Herzinfarktes die Reißleine zog. Vorangegangen war dem gesundheitlichen Einbruch jede Menge Stress: zum einen durch die enorm wachsende Nachfrage nach seinen Produkten und zum anderen durch die Erkenntnis, dass die räumlichen Verhältnisse in dem Betrieb an der Uesener Brückenstraße keinerlei Erweiterung mehr zuließen.

Stress führt zu Gesundheitsproblemen

Nachdem die Vorarbeiten für den Neubau an der Steuben-Allee im Herbst 2010 noch mit allerlei Problemen behaftet waren, gelang der Einzug in das attraktive Gebäude im Jahre 2012; schon wenig später führt die Überbelastung dann zu dem erwähnten gesundheitlichen Kollaps. „Sie glauben nicht, wie froh ich bin, dass mir damals zwei kompetente Meister ihres Fachs zur Seite gestanden und mich fast ein halbes Jahr entlastet haben“, blickt Scherff zurück auf eine schwere Zeit.

Mittlerweile läuft es rund in dem modernen Betrieb, der auf etwa 220 Quadratmetern Verkaufsraum, Kabinen, Werkstatt und Büro beherbergt. Stolz zeigt er sich auch über die attraktive Gartenanlage, die den Bau umgibt und von seiner Frau fachkundig gepflegt wird. Das Kernstück des Hauses bildet jedoch die Werkstatt, in der die anspruchsvollen Produkte entstehen, mit denen die Fußbeschwerden ganzer Generationen gelindert würden. Durch den Einsatz von 3-D-Scannern sei man zudem in der Lage, früher übliche Vorarbeiten – wie das Eingipsen – komplett zu ersetzen und Präzisionsarbeit zu leisten, die zum Beispiel auch Diabetikern und Rheumakranken mit ihren besonderen Bedürfnissen zugutekommen.

„Das Gros unserer Klientel ist älter als 55 Jahre“, informiert der Unternehmer und freut sich darüber, dass er neben einem Meister, der als Rentner noch Spaß an der Arbeit hat, auch eine Auszubildende beschäftigt, die die Vierzig schon überschritten hat. Sie habe drei Kinder großgezogen und wolle noch etwas für die Rente tun, erklärt Anne Saschek. Eigentlich habe ihr eine professionelle Demenzbegleitung vorgeschwebt, für die man jedoch ein Studium benötige. Das sei ihr jedoch zu aufwendig, weshalb sie sich für etwas „Handfestes, Praktisches“, entschieden habe, wie sie sagt. Zwei der dreieinhalb Lehrjahre habe sie bereits hinter sich, freut sich Saschek und hofft nach ihrem Abschluss auf eine Übernahme. Die sei schon jetzt gesichert, verspricht ihr Chef, der zudem noch einen Gesellen und zwei Bürokräfte beschäftigt.

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