Gescheiterte Tarifverhandlungen

Alarm beim Roten Kreuz

Während die Beschäftigten des Deutschen Roten Kreuzes, die Gewerkschaft und die Arbeitgeberseite nach gescheiterten Tarifverhandlungen auf die Schlichtung warten, findet in Achim eine Infoveranstaltung statt.
04.12.2020, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Alarm beim Roten Kreuz
Von Kai Purschke

Die Tarifverhandlungen von Verdi mit der Tarifgemeinschaft Deutsches Rotes Kreuz sind gescheitert – nun wurde die Schlichtung angerufen. „Wie das DRK mit seinen Beschäftigten in dieser Tarifrunde umgeht, lässt jeden Respekt vermissen“, sagt Stefan Asendorf, Notfallsanitäter beim DRK Verden und Mitglied der Bundestarifkommission. „Uns ein Angebot vorzulegen und die Corona-Sonderzahlung von der sofortigen Zustimmung abhängig zu machen, nach dem Motto friss oder stirb, zeugt von mangelnder Wertschätzung des DRK ihren Beschäftigten gegenüber“, empört sich auch der zuständige Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker.

Das DRK hatte den Beschäftigten erklärt, dass es die Corona-Prämie – je nach Entgeltgruppe – von bis zu 600 Euro für alle Beschäftigten nur dieses Jahr noch geben könne, wenn die Belegschaft das Angebot der Arbeitgeberseite annimmt. „Aller Voraussicht nach wird es für die Beschäftigten keine Corona-Sonderzahlung geben“, schließt Verdi aus den gescheiterten Verhandlungen. Das DRK habe es abgelehnt, vorab einen Tarifvertrag zu vereinbaren, um die Auszahlung dieser Sonderzahlung noch in diesem Jahr zu ermöglichen und die strittigen Punkte danach in weiteren Verhandlungsrunden zu besprechen. Dabei hätten auch die DRK-Beschäftigten sich die Corona-Prämie mehr als verdient.

Dirk Westermann, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Verden, merkt an, dass die Corona-Prämie noch immer Bestandteil des Arbeitgeberangebots sei. Sie müsse aber bis zum 31. Dezember 2020 zur Auszahlung gekommen sein. „Dies ist nach wie vor möglich. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass die Schlichtungsgespräche mit einem vertretbaren Ergebnis für beide Seiten gestaltet werden können“, sagt er. Seinen Worten nach sind die 130 Mitarbeiter des DRK-Kreisverbands Verden alle tarifgebunden.

Kollegen wollen ein Zeichen setzen

Nun müssten beide Seiten aber warten, bis die Schlichtung beginnt. Wann sie starten kann und wer die beiden unparteiischen Schlichter sind, ist laut Jörn Bracker derzeit noch offen. Und so lange seien Gewerkschaft und Belegschaft in der Friedenspflicht, sie dürfen nicht streiken. „Aber irgendwas wollten die Kollegen machen, um ein Zeichen zu setzen“, erzählt Bracker. Und daher soll es am kommenden Montag eine Infoveranstaltung in Achim geben. Dort sollen die Beschäftigten über den neuesten Stand unterrichtet werden. Er sei gespannt, ob deren Chef, Dirk Westermann, sich den Fragen der Mitarbeiter stellen wird.

„Am Montag werde ich nicht anwesend sein. Wir befinden uns in der Schlichtung und damit in der Friedenspflicht. Verhandlungsführer sind die DRK-Bundestarifgemeinschaft und die Verdi, nicht die 480 DRK-Kreisverbände. Da gebietet es sich, nicht entsprechend viele Satellitenveranstaltungen zu führen, um den Fokus in voller Konzentration allein auf den Schlichtungsgesprächen der Verhandlungsführer zu belassen“, erklärt Westermann aber seinen Verzicht auf die Teilnahme.

In drei Verhandlungsrunden seien Verdi und die Tarifgemeinschaft in einigen wesentlichen Punkten vorangekommen; liegen laut Gewerkschaft aber „vor allem bei der Entlastung und der Aufwertung des noch jungen Berufsbildes Notfallsanitäter in den Positionen noch weit auseinander“. Für die Arbeitgeberseite schildert DRK-Generalsekretär Christian Reuter, der auch Vorsitzender der Tarifgemeinschaft ist, dass diese angeboten habe, die Gehälter zum 1. April 2021 linear um 1,5 Prozent (oder mindestens 50 Euro) und zum 1. April 2022 um 1,9 Prozent zu erhöhen. Auch seien „erhebliche Verbesserungen“ über das TVöD-Niveau für Azubis und Schüler vorgesehen. Neben der Corona-Sonderzahlung seien auch die Erhöhung der Wechselschichtzulage, die Erhöhung weiterer Zulagen für den Rettungsdienst und die Kita sowie die Einführung einer gestaffelten Pflegezulage bis auf 150 € je Monat geplant.

Weitere Informationen

Um über den Sachstand der Tarifverhandlungen informiert zu werden, treffen sich die Mitarbeiter des DRK-Kreisverbands Verden am kommenden Montag, 7. Dezember, ab 16.30 Uhr vor der Rettungswache in Achim (Hauptstraße 1).

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