Corona und Sport

Mit der Ruhe auf den Golfplätzen ist es vorbei

Viele Wochen war es ruhig auf den Golfplätzen in Verden und Achim. Doch nun fliegen über beiden Anlagen wieder kleine weiße Bälle durch die Luft.
15.05.2020, 18:17
Lesedauer: 4 Min
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Mit der Ruhe auf den Golfplätzen ist es vorbei
Von Florian Cordes
Mit der Ruhe auf den Golfplätzen ist es vorbei

Im Landkreis Verden wird seit Anfang Mai wieder der Golfschläger geschwungen. Allerdings müssen sowohl in Verden als auch in Achim einige Auflagen erfüllt werden.

Björn Hake

Zwei Graugänse machen es sich an einem Gewässer gemeinsam mit ihren Küken gemütlich. Idylle pur. Die Tiere genießen die Ruhe. Dabei ist es seit einigen Tagen rund um das Gewässer gar nicht mehr so ruhig wie noch im April. Es befindet sich auf dem Golfplatz in Verden. Und dort wird seit dem 6. Mai wieder das Spiel mit dem kleinen weißen Ball gespielt.

Bereits am Morgen ist der Parkplatz des Golfclubs gut gefüllt. Die Sportler ziehen sich an ihren Autos ihre Golfschuhe an oder hieven ihre großen Taschen mit den Schlägern aus den Fahrzeugen. Fast könnte einem der Gedanke kommen, dass es diese schwierigen Wochen – geprägt durch das Coronavirus – niemals gegeben hat. Beim genaueren Hinschauen kehrt das Thema, das die Welt täglich beschäftigt, jedoch zurück ins Gedächtnis. Die Golfer halten sichtbar Abstand voneinander. Und auch beim Klubhaus ist sofort zu erkennen, dass die Normalität noch längst nicht zurück ist. Schilder weisen die Besucher des Golfclubs darauf hin, dass derzeit besondere Regeln gelten. Das Klubhaus darf nur mit Schutzmaske betreten werden, zudem wird man dort von einem Desinfektionsspender begrüßt.

Die Hygiene- und Abstandsregeln gehören dieser Tage nun einmal zum Alltag. Daher wirken die Schilder und der Spender auch nicht wie Fremdkörper. „Unsere Mitglieder gehen mit den Einschränkungen, die es jetzt gibt, sehr diszipliniert um“, versichert Katja Ingenhoven. Sie ist seit einem Jahr Clubmanagerin des Verdener Golfclubs, dessen Bahnen sich abseits des kleinen Ortsteils Walle durch die Landschaft schlängeln. Sie ist glücklich, dass die Sportler zurück sind. Aufgrund der Corona-Krise war der Platz sieben Wochen lang gesperrt. „Und auch die Golfer sind gut gelaunt“, sagt sie.

Die Zeit genutzt

Viele glückliche Golfer hat sie in den vergangenen Tagen gesehen. Denn sie lechzten förmlich danach, wieder ihrem Sport nachzugehen. Am 6. Mai gab das Land Niedersachsen das „Go“. Auch für Katja Ingenhoven und die anderen Mitglieder ihres Teams ging die Zeit des Wartens zu Ende. Allerdings wussten die Beschäftigten des Verdener Golfclubs die Zeit, in der nicht gespielt werden durfte, gut zu nutzen. „Für die Greenkeeper war es eigentlich ein Traum. Denn sie konnten in aller Ruhe an den Bahnen arbeiten“, sagt die Clubmanagerin.

Doch nicht nur am Platz wurde gewerkelt. Genauso sorgfältig bereiteten Ingenhoven und Co. die Anlage vor, damit die Abstands- und Hygieneregeln den Vorgaben gerecht werden. Diese gab auch der Deutsche Golf Verband (DGV) den Klubs an die Hand. „Bereits eine Woche, bevor es wieder losgehen durfte, stand unser Konzept“, sagt sie. Zu den Vorgaben gehört unter anderem, dass die Golfer nur zu vorher gebuchten Startzeiten mit ihrer Spielrunde – dem sogenannten Flight – beginnen dürfen. Buchungen seien zuletzt viele eingegangen, erzählt Ingenhoven: „Aktuell sind es 260 bis 270 Buchungen pro Tag.“

Obwohl sich viele Menschen auf dem Gelände aufhalten – nahe kommen sie sich nicht. Vor allem nicht auf den Bahnen. Dort halten die Sportler naturgemäß genügend Abstand voneinander. Beim Golf kommt sich nun einmal niemand in die Quere. Doch auch, wenn sich die Golfer mitten auf der Runde befinden, werden sie hin und wieder an das Coronavirus erinnert. Und zwar dann, wenn sie ihren Ball aus einem Bunker befördern müssen. Nach dem Schlag müssen eigentlich die Fußspuren im Sand entfernt werden – per Harke. Schließlich sollen die nachfolgenden Golfer die besten Bedingungen vorfinden.

Die Harken sind aufgrund der Hygienevorschriften aber entfernt worden. Dementsprechend können die Golfer darauf verzichten, den Sand wieder hübsch herzurichten. „Manche Mitglieder haben schon gesagt, dass wir das ruhig so lassen könnten“, sagt Ingenhoven schmunzelnd.

Die Schwachstellen behoben

Ortswechsel: Auf das Harken der Bunker müssen die Golfer derzeit auch in Badenermoor verzichten. In dem kleinen Ort zwischen Baden und Posthausen ist der Golfclub Achim beheimatet. Der Parkplatz ist auch hier gut gefüllt. Auf dem Neun-Loch-Platz tummeln sich begeisterte Sportler – mit Abstand.

Doch auch in Badenermoor ist schnell zu erkennen, dass die Golfwelt noch längst nicht normal ist. Das Sekretariat des Klubs wurde kurzerhand ins Starterhaus verlegt, damit nicht jedes Mitglied oder jeder Gast ins Klubhaus stürmt. Das Tragen von Schutzmasken und Desinfizieren der Hände in den geschlossenen Räumen sind auch in Badenermoor allgegenwärtig. Zudem ist der Waschplatz, an dem die Schläger gesäubert werden können, mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrt. Es sind unübersehbare Spuren, die Corona derzeit hinterlässt.

Wie beim Nachbarn in Verden herrscht in Achim große Erleichterung, dass seit dem 6. Mai wieder abgeschlagen werden darf. Clubmanager Thomas Schmidt kann sich noch gut an diesen Tag erinnern. Bereits ab 7.30 Uhr durften die ersten Golfer die beiden Plätze in Achim wieder betreten. „Die Anspannung war bei uns schon ziemlich groß“, spricht der Manager über seine Gefühlslage und die seiner Mitarbeiter. Fast habe er sich so gefühlt, als hätte der Achimer Golfclub gerade zum allerersten Mal seine Tore geöffnet. „Ich war auch deshalb angespannt, weil wir natürlich alles richtig beachten wollten.“

Um richtig vorbereitet zu sein, habe man die Empfehlungen des DGV befolgt. Und schlussendlich sei alles reibungslos verlaufen. „Gegen 11 Uhr war die Anspannung dann auch bei mir weg“, erinnert sich Schmidt. Einen Anteil daran hätten auch die Golfer gehabt. „Die haben sich nämlich alle sehr diszipliniert verhalten.“ Und die vielen Sportler, die nun täglich die weißen Bälle über die Bahnen jagen, halten sich auch mehrere Tage nach der Wiedereröffnung an die aktuellen Regeln.

Die Wochen, in denen die Pandemie keinen Golfsport zugelassen hat, wurden auch in Achim intensiv genutzt, um den Platz auf Vordermann zu bringen. Im Fokus standen vor allem die Bunker. „Die Sandhindernisse waren bei uns immer die Schwachstellen“, schildert Schmidt. Also wurden sie renoviert. Über die Baumaßnahmen informierte der Klub seine Mitglieder stets über die sozialen Medien. Dies habe man ganz bewusst gemacht, um ihnen zu zeigen, dass sich in Badenermoor trotz der Zwangsschließung etwas tut. „Da gab es auch ein tolles Feedback. Wir hätten uns auch in unser Schneckenhaus zurückziehen können, haben uns aber entschieden, viele Dinge zu erledigen“, sagt Schmidt.

Jetzt ist das Schneckenhaus aber eh kein Thema mehr. Denn es ist vorbei mit der Ruhe – und das dürfte auch die Gänsefamilie merken, die es sich gerne an einem Gewässer beim Verdener Golfclub gemütlich macht.

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