Gottesdienste an Heiligabend Festliches Flair trotz Einschränkungen

Die St. Laurentius-Gemeinde in Achim hatte vier Veranstaltungen an Heiligabend ins Freie verlegt. Ein Erntewagen wurde dabei zur Kanzel.
27.12.2020, 17:07
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Festliches Flair trotz Einschränkungen
Von Jürgen Juschkat

Alle Jahre wieder sind zu Heiligabend die Kirchen voll besetzt. Alle Jahre wieder – doch nicht in diesem Jahr zu Corona-Zeiten. Die Teilnehmerzahl war erheblich eingeschränkt, es musste Abstand gehalten und durfte nicht gesungen werden. Zudem fanden mit diesen Einschränkungen viele Gottesdienste draußen statt. So auch in Achim, wo von der evangelischen St. Laurentius-Gemeinde vier Veranstaltungen ins Freie verlegt wurden, bei denen für die Andachtsplätze vorab Zugangskarten bestellt werden mussten. Zusätzlich wurde die Laurentiuskirche von der Firma So Light illuminiert, was für ein festliches Ambiente sorgte.

Ein zu einem „Holy-Night-Express“ umfunktionierter Erntewagen diente Pastor Ulrich Wilke, der sich mit seinem Bart durchaus mit dem weltlichen Weihnachtsmann hätte messen können, als Kanzel. Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium stand im Mittelpunkt. Aber es war einiges anders bei der dieses Mal 25-minütigen Christvesper, bei der die Gottesdienstbesucher bei frischen fünf Grad auf Stühlen saßen. Gut, dass der nächtliche Dauerregen doch noch aufgehört hatte.

Bei den Freiluft-Christvespern an vier Plätzen in der Stadt Achim fehlten neben einem traditionellen Krippenspiel zwangsläufig Altar, Taufbecken und Orgel. Den musikalischen Part übernahm aber der Achimer Fanfarenzug unter Leitung von Armin Hennig. Acht Mitglieder, mit Trompete, Posaune, Saxofon oder Klarinette ausgestattet, sorgten für Weihnachtsklänge. Singen war zu Corona-Zeiten nicht erlaubt, die Texte verfolgten die Zuhörer und Zuhörerinnen auf einem bunten Liederzettel der Gemeinde, angefangen beim „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Martin Luther über „Hört, der Engel helle Lieder“ nach einer französischen Melodie bis hin zu den drei Strophen von „O du fröhliche, o du selige“. Mit dem Vaterunser und dem Segen entließ Pastor Wilke seine Zuhörer jeweils in die dieses Mal eingeschränkte Weihnachtswelt.

Hatten der „Alte Feuerwache“-Wirt Christian Detert auf dem Bibliotheksplatz neben dem Achimer Rathaus und Claus Meyer bei „Meyer-Bierden“ jeweils für die Bestuhlung auf dem rot-weiß abgesperrten Areal gesorgt, so waren der Schützenverein Achim und der TSV Uesen als Gastgeber für ihre Veranstaltung mit der St. Laurentius-Kirchengemeinde dafür zuständig. War die Teilnehmerzahl jeweils beschränkt, so ließ es sich nicht verhindern, wenn Vorbeikommende kurz innehielten und die Weihnachtszeremonie aus der Distanz verfolgten. Pastor Ulrich Wilke zog während des in Abschnitten vorgetragenen Weihnachts-Evangeliums unter anderem den Vergleich mit überfüllten Notunterkünften in der heutigen Zeit.

Auf dem mit Tannenzweigen geschmückten „Holy-Night-Express“, den Malte Hagens und Jannis Meyer als Erntewagen gebaut hatten und bislang nicht einsetzen konnten, stand eine Lautsprecher-Anlage. So konnte der Gemeindepastor auch in den hinteren Reihen gut verstanden werden. Ein bunt mit Kugeln, Sternen und kleinen Paketen geschmückter Tannenbaum sorgte auf dem Bibliotheksplatz für ein besonderes Ambiente. Bei der ersten Veranstaltung fehlten auch die Glocken nicht, denn das Glockenspiel im Hintergrund schlug dezent die 14-Uhr-Zeit an. Für die Musikanten war es das Startsignal für die Eingangsmusik unter dem Titel „Frohe Weihnacht allen Menschen“.

Einige Besucher, die auf ihrem Stuhl kleine Schokoladen-Tafeln vorfanden, fragten sich natürlich, wie die Idee mit dem „Holy-Night-Express“ entstanden ist. Pastor Wilke konnte aufklären: „Diese Möglichkeit haben wir im Konfirmanden-Unterricht besprochen, nachdem wir die Idee mit Desma wegen Corona fallen lassen mussten.“ Die Initialzündung kam dabei von Malin Hagens, die das ungenutzte Gefährt ihres Bruders und von Jannis Meyer ins Gespräch brachte. In der Kirche selbst fanden eingeschränkte Veranstaltungen für Kinder mit Pastor Christoph Maaß und Christvespern entweder mit ihm oder mit Pastorin Marina Kortjohann statt. So erhielten möglichst viele Familien und Einzelpersonen die Gelegenheit, an Heiligabend einen Festgottesdienst zu besuchen – mit Maske und Abstand.

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