Handball - Junge Wilde Jannik Rosilius ist bei der HSG Verden-Aller unverzichtbar

Jannik Rosilius hat sich bei der HSG Verden-Aller zu einem wichtigen Spieler entwickelt. Seit er im Rückraum agiert, glänzt der junge Handballer beim Landesligisten mit vielen Toren.
29.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Prütt

Jannik Rosilius hat bei der HSG Verden-Aller seinen Platz im linken Rückraum sicher. Mit gerade einmal 20 Jahren. 105 Tore hat der Youngster für den Handball-Landesligisten in der vergangenen Saison erzielt. In der Torschützenliste der Landesliga Bremen hat es Jannik Rosilius mit dieser Ausbeute in die Top zehn geschafft. Hinter seinem zwei Jahre älteren Mannschaftskollegen Glenn Rades (110 Treffer) wird er in der Statistik auf Rang sieben geführt. Dabei war der Rechtshänder bei seinem Heimatverein bis zur C-Jugend gar nicht für den Rückraum eingeplant. Die linke Außenbahn war sein Zuhause. Die Königsposition war bei der HSG Verden-Aller zunächst für Joel Wunsch reserviert. Erst als der Jugend-Nationalspieler sich 2015 zu einem Wechsel zum HC Bremen entschloss, rückte Jannik Rosilius beim Nachwuchs aus der Domstadt in die erste Reihe. „Irgendjemand musste den Part von Joel ja übernehmen“, blickt Jannik Rosilius mit einem Augenzwinkern zurück.

In der B- und A-Jugend war Jannik Rosilius mit der HSG Verden-Aller unter den Trainern Sven Klaasen und Juri Wolkow fester Bestandteil der Landesliga. Als A-Jugendlicher feierte er in der Saison 2017/2018 die Vizemeisterschaft, im letzten Jugendjahr landete Jannik Rosilius mit der HSG in der Landesliga noch einmal auf Rang vier. Sein Debüt bei den Männern gab das Verdener Eigengewächs mit 17 Jahren im Nachbarschaftsderby beim TSV Daverden. Er sei schon mächtig nervös gewesen vor dem ersten Einsatz bei den Männern, erinnert er sich noch genau. Obwohl die Partie in der Langwedeler Schulsporthalle deutlich verloren ging, blickt Jannik Rosilius zurück, „war es für mich persönlich ein guter Einstand.“ Ein Jahr später trennten sich dann die Wege der beiden Klubs: Während der TSV Daverden seit der Saison 2019/2020 wieder in der Verbandsliga unterwegs ist, lief die HSG Verden-Aller im Aufstiegsjahr der Grün-Weißen in der Landesliga auf Platz neun ein.

Noch kein Pflichtspiel diese Saison

Exakt auf dem gleichen Platz fand sich die Crew aus der Kreisstadt auch wieder, als die Spielzeit 2019/2020 im März dieses Jahres coronabedingt abgebrochen wurde. 20 Spiele hatte die HSG Verden-Aller zu diesem Zeitpunkt bestritten. Drei davon hatte Jannik Rosilius in der Hinrunde verpasst. Rückenprobleme zwangen ihn zu einer Pause. In dieser Saison gehören die Verdener zu den Teams, die noch kein Spiel bestreiten durften. Zunächst wurde der Start vom Verband auf Anfang November verschoben, wenige Tage vor der ersten Partie gegen den SVGO Bremen kam dann die erneute Absage. So blieben Jannik Rosilius und seinen Teamkameraden nur einige Testspiele gegen die SG Achim/Baden II, den TSV Daverden und die HSG Bruchhausen-Vilsen. Besonders den Umgang mit der Mannschaft würde er vermissen. Virtuelle Meetings im Internet, findet der Youngster, könnten den persönlichen Kontakt in der Halle nicht ersetzen.

Trainiert werden die Handballer von der Aller im vierten Jahr von Sascha Kunze. Der 35-jährige Trainer aus Oyten plant für die Zukunft fest mit Jannik Rosilius. Seinen zweitbesten Torschützen beschreibt Kunze als „bodenständigen Typen.“ Handballerisch sei ein „schneller erster Schritt“ seine große Stärke. Und Schwächen? Die sieht Jannik Rosilius bei sich selber im Abwehrspiel. Da gebe es noch Luft nach oben, gibt sich der zweitjüngste Spieler im Kader von Sascha Kunze selbstkritisch.

Als D-Jugendlicher bildete Jannik Rosilius gemeinsam mit seinen damaligen Mannschaftskollegen Joel Wunsch und Tim Erasmie die Verdener Abordnung in der Auswahl der Region Mitte Niedersachsen. Von dem Trio läuft aktuell nur noch Jannik Rosilius für die Spielgemeinschaft aus der Kreisstadt auf. Während Joel Wunsch inzwischen im Trikot der Zweitvertretung des Bundesligisten TSV Burgdorf Hannover in der 3. Liga unterwegs ist, hat es Tim Erasmie zum Studium nach Spanien verschlagen.

Handwerklicher Beruf

Jannik Rosilius entschied sich gegen ein Studium. Er wählte einen anderen Weg. Einen wahrlich nicht alltäglichen für einen jungen Menschen mit dem Abitur in der Tasche: Jannik Rosilius begann eine Lehre als Maurer. „In meiner Berufsschulklasse bin ich tatsächlich der einzige mit Abitur“, schmunzelt der junge Mann. Handwerkliche Berufe, erläutert Jannik Rosilius, hätten quasi Tradition in seiner Familie. „Mein Opa war schon Maurer und mein Vater ist gelernter Fliesenleger.“ Zunächst die Ausbildung beenden und sich dann weiterqualifizieren – so in etwa sieht der Plan von Jannik Rosilius für die kommenden Jahre aus. Die Meisterschule wäre eine Option.

Zurück zur HSG Verden-Aller: Dort klagte Coach Sascha Kunze vor der Saison über einen gewissen Stillstand. Für diese Serie hatte sich der Trainer mit den Südkreishandballern einen Platz in der oberen Tabellenhälfte vorgenommen. Bisher lautete die Zielsetzung stets: möglichst früh genügend Punkte zum Klassenerhalt einsammeln. Das Potenzial für den nächsten Schritt sei durchaus vorhanden, pflichtet Jannik Rosilius seinem Coach bei. „Die Mischung zwischen den erfahrenen Spielern und der jungen Garde wie Tim Intemann, Glenn Rades oder auch mir passt.“ Was der HSG Verden-Aller noch fehlt zu einem Spitzenteam in der Landesliga? Jannik Rosilius: „Wir müssen einfach noch gewissenhafter die Vorgaben von unserem Trainer umsetzen.“

Weitere Informationen

Handball-Talente gibt es im Kreis Verden zuhauf. Sie stehen nicht immer im Vordergrund, überzeugen aber mit guten Leistungen in jungen Jahren. In unserer Serie „Junge Wilde“ stellen wir nach und nach einige von ihnen vor.

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