Handball Das Knie verhinderte bei Jürgen Mildner mehr

Jürgen Mildner galt in den 1980er Jahren als eines der größten Handball-Talente im Kreis Verden. Weil er aber immer wieder Knieverletzungen hatte, endete seine Laufbahn als er erst 20 Jahre alt war.
03.03.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Prütt

Einmal für Deutschland auflaufen, einmal das Trikot mit dem Adler auf der Brust tragen. Welcher Sportler träumt nicht davon? Jürgen Mildner war diesem großen Ziel im Jahre 1985 ganz nahe: Mit 17 Jahren hatte der Handballer es bis in den Kader der Junioren-Nationalmannschaft geschafft. Für den TV Baden lief der Rechtshänder als Jugendlicher bereits bei den Männern auf. Keine drei Jahre später – mit gerade einmal 20 Jahren – spielte Handball im Leben von Jürgen Mildner keine Rolle mehr. Nach der vierten schweren Verletzung am Knie hatte eines der hoffnungsvollsten Handball-Talente des Kreises einen Schlussstrich unter seine Laufbahn gezogen.

In Baden lebt Jürgen Mildner heute nicht mehr. Mittlerweile wohnt er mit seiner Frau Melanie, den Töchtern Lina (19) und Lara (17) sowie zwei Hunden in Lüneburg. Sportlich hält sich der 53-Jährige auf dem Mountainbike und Rennrad fit. Ein unvergessliches Erlebnis war hierbei ein Jedermann-Radrennen vor zwei Jahren in Schweden. Er nahm an der „Vätternrundan“ teil. Bei diesem mehr als 300 Kilometer langen Rennen müssen die Sportler den Vättern, Schwedens zweitgrößten See, umrunden. Als Mildner dabei war, starteten mit ihm rund 23.000 Teilnehmer aus 35 Ländern. Dabei erlebt er eine Fahrt über Nacht in den Sonnenaufgang, traumhaft.

Beruflich in den USA unterwegs

Doch auch dem Handball ist Jürgen Mildner nicht gänzlich verloren gegangen. Beim Handballverein (HV) Lüneburg kümmerte sich der Geschäftsführer eines großen Herstellers von Industrieklebstoffen aus USA im sogenannten Beirat des Klubs bisher um die Sponsoren.Obwohl die Karriere von Jürgen Mildner schon wieder zu Ende war, bevor sie richtig begonnen hatte, möchte er die Zeit als Handballer nicht missen. Die Jahre hätten ihn für das spätere Leben geprägt, versichert er. „Ich bin im Beruf ein Teamplayer und immer locker geblieben, achte sehr darauf, dass jeder dem Teamgedanken folgt“, sagt Jürgen Mildner.In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der gebürtige Badener viel rumgekommen – in Deutschland und der ganzen Welt. Nach der Ausbildung zum Chemielaboranten ging es an die Küste. In Emden studierte Jürgen Mildner Verfahrenstechnik. Nächste Station war der erste Job nach dem Studium in Heidelberg, von dort ging es für ein paar Jahre in die USA, genauer gesagt nach Michigan, wo er für einen Schweizer Konzern in der Automobilindustrie tätig war. Dort wurde er auf eine Stellenausschreibung der Firma Fuller in Deutschland aufmerksam.

„Ich bin ein Nordlicht“, ging es für Jürgen Mildner zurück in die Heimat. In Lüneburg absolvierte Mildner an der dortigen Universität den Abschluss zum Manufacturing Management (MBA). Nach weiteren Stationen im Vorstand eines internationalen Oberflächen-Beschichters ist er seit 2015 in führender Position bei der Lüneburger Niederlassung der Firma H.B. Fuller tätig.

Zurück zum Handball ist Jürgen Mildner durch seine Töchter gekommen. Beide hätten sportlich einiges ausprobiert und wären dann beim Handball geblieben. Lara, die jüngere, durfte sich 2018 sogar Oberligameisterin nennen. Mit dem HV Lüneburg gewann sie den Titel in der weiblichen Jugend C. Es sei ein überraschender Triumph gewesen, erklärt Jürgen Mildner. Die Mädels seien seiner Zeit ohne große Erwartungen in die Aufstiegsrunde und in die Saison gestartet. Möglichst nicht nur verlieren, auch mal gewinnen, habe das Motto gelautet. Am Ende stand dann der Titel. „Lina legt aktuell eine Pause ein und bereitet sich auf das Abitur vor, Lara wäre eigentlich im Auslandsjahr des Gymnasiums, was durch die Corona-Pandemie aber leider ausgefallen ist“, weiß Jürgen Mildner nicht, wie es mit der Handballkarriere seiner Töchter weitergeht.

Laufbahn endet in Morsum

Seine erste Partie als A-Jugendlicher mit den Männern des TV Baden hat Jürgen Mildner noch gut vor Augen. „Nachdem ich meinen Gegenspieler zweimal ausgewackelt hatte, sind dem die Sicherungen durchgebrannt“, erzählt er. Kurz darauf fand sich der Linksaußen nach einer Attacke des Kontrahenten auf dem Hallenboden wieder. Wenig später – bei den Lundaspelen in Schweden – nahm die Leidensgeschichte seinen Lauf: Mildner brachte eine Knieverletzung aus Skandinavien mit. Es folgten mehrere Krankenhausaufenthalte. Wieder und wieder raffte er sich auf, verlor nie den Mut.

1988 schien alles wieder auf einem guten Weg zu sein. In der Hallensaison wollte Jürgen Mildner mit den in die Nordseeliga aufgestiegenen Badener Männern unter Trainer Albert „Abbi“ Meyer noch einmal angreifen. Doch es kam anders: Am 6. August 1988 zog er sich beim Kleinfeldturnier des TSV Morsum erneut eine Knieverletzung zu. Aus der Traum. Es sei wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl gewesen, befand Jürgen Mildner gegenüber unserer Zeitung. „Das hat mich damals ganz schön getroffen“, klingt die Enttäuschung über das abrupte Ende der Karriere auch mehr als 30 Jahre später noch nach.

Als er damals in den Kader der Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde, hieß der Trainer Horst „Hotti“ Bredemeier. Zum Team zählte unter anderem Klaus-Dieter Petersen, der es später auf 340 Länderspiele brachte. Als Petersen im November 1989 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft feierte, war die Karriere von Jürgen Mildner bereits Geschichte. Beim TV Baden – die Fusion mit dem TSV Achim zur SG Achim/Baden folgte erst nach seinem Laufbahnende im Jahre 1992 – spielte Jürgen Mildner in der Jugend unter Trainer Dieter Sperling.

Bei den Männern hörten mit Jürgen Beinker, Jürgen Rahmel und Youngster Jürgen Mildner drei Spieler auf den gleichen Vornamen. „Da wusste man nie so richtig wer gemeint war, wenn der Name Jürgen viel“, erinnert sich Mildner an seine kurze Zeit bei den Männern. Den Weg der SG Achim/Baden, wo seine Neffen Thorben und Erik Schmidt heute als Co-Trainer und Spieler der ersten Herren aktiv sind, hat er nie ganz aus den Augen verloren. „Ich bin dem Handball eigentlich immer treu geblieben, wenn auch nur als Zuschauer.“

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