Handball-Oberliga

Martin Dybol: Mehr als nur ein Back-up

Martin Dybol hat bei der SG Achim/Baden den Sprung von der zweiten in die erste Mannschaft geschafft. Der Torhüter ist dabei mehr als nur ein Back-up für Stammkeeper Arne von Seelen.
01.07.2020, 18:30
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Martin Dybol: Mehr als nur ein Back-up
Von Maurice Reding
Martin Dybol: Mehr als nur ein Back-up

Martin Dybol ballt die Fäuste: Gegen den ATSV Habenhausen avancierte der Torhüter in der vergangenen Saison mit zahlreichen Paraden zum Matchwinner. An solche Erfolgserlebnisse will er in der kommenden Saison mit der SG anknüpfen.

Björn Hake

Als Martin Dybol an die zurückliegende Spielzeit denkt, muss er zunächst einmal durchatmen. Denn diese Handball-Saison, die der Torhüter mit der SG Achim/Baden erlebt hat, hatte wirklich alles: Trauer, Verzweiflung, Freude und Corona. Angefangen mit einer nicht aufhören wollenden Niederlagenserie, dann die Wende gegen Elsfleth und überraschende Siege, die den Handball-Oberligisten bis auf den neunten Tabellenplatz brachte. Dann kam Corona, die Saison wurde abgebrochen. Für Dybol persönlich lief es jedoch wie am Schnürchen. Der Torhüter wurde von der zweiten in die erste Mannschaft befördert und trug maßgeblich zu einem beruhigenden Saisonende bei.

Die Saison ging jedoch gar nicht gut los. Deshalb denkt Dybol an die ersten acht Spieltage nicht gerne zurück. „Unser Start war bescheiden“, drückt der Torhüter es noch milde aus. Die ersten acht Partien wurden allesamt verloren – darunter Anfang November das Kellerduell gegen den SV Beckdorf. Es war der Tiefpunkt einer völlig verkorksten ersten Saisonhälfte. „Ich habe mir Sorgen gemacht, nachdem wir die ersten acht Spiele alle verloren haben. Das war ein harter Schlag für den Verein. Man hat sich gedacht: Es muss doch mal klappen“, erinnert sich Dybol. Zu diesem Zeitpunkt gehörte der 28-Jährige noch nicht regelmäßig zum Oberliga-Kader, sondern lief hauptsächlich in der zweiten Mannschaft in der Landesliga auf.

Doch dann zog SG-Trainer Tobias Naumann Dybol vor dem Spiel gegen den Elsflether TB in die erste Mannschaft hoch. In einem hochdramatischen Spiel besiegte die Naumann-Sieben den direkten Konkurrenten mit 21:20. „Da ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen. Die Freude war groß“, erzählt Dybol. Die Wende war herbeigeführt, fortan gewann die SG Spiel um Spiel. „Ob es daran lag, dass ich seit dem Elsfleth-Spiel dabei war, weiß ich nicht“, sagt Dybol schmunzelnd. „Aber es war auf jeden Fall ein positiver Trend. Es hat enorm viel Spaß gemacht.“

Starke Paraden gegen Habenhausen

Dybols große Stunde sollte gegen den Titelkandidaten ATSV Habenhausen schlagen. Der Torhüter vertrat den angeschlagenen Stammkeeper Arne von Seelen – und machte seine Sache wie die gesamte Abwehr zunächst herausragend. „Wir haben richtig gut angefangen“, erinnert sich Dybol. Erst in der 37. Minute kamen die Bremer mit ihren erzielten Toren in den zweistelligen Bereich. Achim/Baden führte da mit 15:10. Eine Führung, die sich als trügerisch erweisen sollte. Habenhausen kam Tor um Tor heran. „Tobi (Tobias Naumann, Anm. d. Red.) hatte das gut zusammengefasst. Eine Fünf- bis Sechs-Tore-Führung reicht gegen so einen Gegner nicht. Man wird dann irgendwann nervös, wenn man ein, zwei falsche Entscheidungen trifft“, erzählt Dybol. Es wurde abermals, wie schon gegen Elsfleth, zum Schluss dramatisch – mit dem besseren Ende für Achim/Baden. Ein Neunmeterwurf wurde von der SG-Abwehr geblockt, der Sieg war perfekt. „Ich habe die letzten Sekunden nicht mehr vor Augen. Aber der Sieg war verdient“, ist Dybol auch jetzt noch euphorisiert, wenn er über das Spiel spricht.

Dass Dybol in der Oberliga zum Zug kam, war für den 28-Jährigen, der sich als Jungspund auf seiner Position bezeichnet, durchaus überraschend. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich noch mal die Chance kriege. Ich habe mir die Oberliga aber immer zugetraut“, sagt er. Tobias Naumann gab ihm diese Chance. „Ich war auch mit der Landesliga glücklich. Das Vertrauen von Tobi hat sehr viel Motivation freigesetzt. Ich hatte auch schon Trainer, die mir das nicht zugetraut haben“, ist Dybol dankbar, dass er diese Chance nun erhalten hat. Dabei ist der 28-Jährige durch einen Zufall ins Tor gerutscht. „Als ich in der B-Jugend gespielt habe, hat sich Mirco Thalmann, der selbst jahrelang bei Achim/Baden gespielt hat, das Kreuzband gerissen. Dann bin ich notgedrungen ins Tor gegangen“, erzählt Dybol.

Der Torhüter gehört bei der SG zu den Spielern, die schon etwas länger da sind. Seit 2015 steht Dybol, der in Baden wohnt und nur fünf Minuten bis zur Trainingshalle laufen muss, im SG-Tor. Vorher lief er zwei Jahre für den TSV Morsum in der Verbandsliga auf. Davor war er bereits für Achim/Baden aktiv. Macht insgesamt sieben Jahre Vereinszugehörigkeit mit Unterbrechung. „Ich habe mich hier immer wohlgefühlt. Deshalb konnte ich mir auch keinen Wechsel vorstellen. Viele Spieler aus der zweiten Herren spielen in der ersten Mannschaft. Es passt einfach im Verein“, macht Dybol deutlich, wie sehr die SG ihm ans Herz gewachsen ist. Aus diesem Grund hat der Torhüter frühzeitig seine Zusage für die kommende Saison gegeben.

Kein Abstiegskampf nächste Saison

Zu seinem Konkurrenten Arne von Seelen hat Dybol ein sehr gutes Verhältnis. „Er ist mit ein Grund, warum ich für die erste Herren zugesagt habe. Ich schätze ihn menschlich, weil wir uns so gut verstehen und war überzeugt, dass wir uns gut ergänzen“, spricht der Torhüter in den höchsten Tönen von seinem Mannschaftskameraden. Dass er nicht auf die gleiche Anzahl an Spielen wie bei der zweiten Herren kommt, war Dybol bewusst. „Ich wusste, dass ich hier eine andere Rolle haben werde. Es war aber klar, dass ich Spielanteile bekomme und nicht nur der Back-up oder Lückenfüller bin“, sagt der 28-Jährige, der mit der Rückennummer eins aufläuft.

Für die kommende Saison hat sich der Torhüter mit der SG einiges vorgenommen. „Als Mannschaft erhoffe ich mir, an das Ende der letzten Saison anzuknüpfen und nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Ich wünsche mir vor allem eine ruhigere Saison, in der wir hoffentlich besser aus den Startlöchern kommen. Wir müssen natürlich gucken, wie wir mit einigen Mannschaften klarkommen. Vom Potenzial hat das Team einiges zu bieten“, traut Dybol der Mannschaft eine positive Entwicklung zu. Auch persönlich hat sich der Torhüter einiges vorgenommen. „Mein Anspruch ist es, nicht zu stagnieren. Ich möchte den Verantwortlichen keinen Grund geben, einen neuen Torhüter zu holen. Ich bin mir meiner Rolle bewusst. Wenn Arne fit ist, gibt es keinen besseren Torhüter. Ich kann der Mannschaft aber auch gute Leistungen geben“, sagt der Torhüter selbstbewusst, für den die neue Saison lieber heute als morgen losgehen könnte: „Ich habe auf jeden Fall Bock. Da geht noch was.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+