Handball-Oberliga

Ole Jacobsen von der SG Achim/Baden ist bereit für höhere Aufgaben

Ole Jacobsen hat für die SG Achim/Baden sein erstes Oberliga-Spiel absolviert. In diesem wusste der Rückraumspieler, der normalerweise für die SG-Reserve in der Landesliga aufläuft, direkt zu überzeugen.
16.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ole Jacobsen von der SG Achim/Baden ist bereit für höhere Aufgaben
Von Maurice Reding
Ole Jacobsen von der SG Achim/Baden ist bereit für höhere Aufgaben

Gleich dreimal trug sich Ole Jacobsen bei seiner Premiere in der ersten Mannschaft in die Torschützenliste ein. Dabei kam der Rückraumspieler gegen die HSG Schwanewede/Neuenkirchen erst in der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Der 23-Jährige benötigte jedoch keine lange Anlaufzeit und setzte immer wieder Akzente.

Björn Hake

Eine lange Anlaufzeit hat Ole Jacobsen nicht benötigt. Kurz nachdem er zu Beginn der zweiten Hälfte des Handball-Oberligaspiels zwischen der SG Achim/Baden und der HSG Schwanewede/Neuenkirchen auf die Platte geschickt worden war, erzielte der Rückraumspieler sein erstes Tor. Es war das zwischenzeitliche 14:15 für die SG. Zwei Minuten später durfte Jacobsen erneut jubeln: Mit dem Treffer zum 16:16 glich er das Spiel aus. Und der 23-Jährige trug sich noch ein weiteres Mal in die Torschützenliste ein. Doch diese drei Treffer reichten der SG Achim/Baden nicht, um das Spiel am Ende erfolgreich zu gestalten (wir berichteten).

Ein Lichtblick war jedoch zweifelsohne Ole Jacobsen. Der junge Handballer, der normalerweise für die Zweitvertretung der SG in der Landesliga aufläuft, überzeugte in seinem ersten Oberliga-Spiel auf Anhieb. „Ole hat es hervorragend gemacht. Vor allem hat er mutig gespielt. Das war bei dem einen oder anderen im Team nicht so. Da fehlte vielleicht ein bisschen der Brotaufstrich. Ole hat dagegen befreit aufgespielt“, lobte SG-Coach Tobias Naumann seinen Rückraumspieler.

Dass Jacobsen nominiert wurde, hatte sich zunächst nicht abgezeichnet. „Das war recht spontan. Nachdem wir mit der zweiten Mannschaft in der Vorbereitung ein Testspiel gegen die erste Mannschaft absolviert hatten, kam Tobi zu uns und hat fünf Leute gefragt, ob sie bei den ersten Herren mittrainieren und spielen wollen“, erzählt der 23-Jährige. Jacobsen überzeugte Naumann im Training. „Einer konnte dann nicht und dann habe ich gespielt“, sagt er ganz bescheiden.

Auch wenn sein erstes Spiel in der vierthöchsten Spielklasse verloren ging, ist Jacobsen mehr als glücklich über die Chance, die er bekommen hat. „Die Freude war natürlich groß. Ich hatte Bock, in der Oberliga zu spielen. Das ist noch mal was anderes“, sagt der junge Handballer, der einige Unterschiede zwischen der Ober- und der Landesliga festgestellt hat. „Körperlich und spielerisch ist die Oberliga was ganz anderes. Außerdem gibt es abwehrtechnisch andere Abläufe, und man wird in der Oberliga von den Verteidigern mehr angepackt. Das Spiel ist schneller und die Atmosphäre anders“, zählt Jacobsen auf.

In den Genuss einer vollen Halle ist Jacobsen nicht gekommen und wird es in dieser Saison voraussichtlich auch nicht mehr. Wegen der Abstandsregeln dürfen maximal 133 Zuschauer bei Heimspielen der SG in die Gymnasiumhalle. „Mit einer vollen Halle wäre es noch mal eine ganz andere Atmosphäre“, sagt Jacobsen, der bereits vor mehr als 100 Zuschauern aufgelaufen ist. „Letzte Saison haben wir mit der zweiten Mannschaft gegen den TV Oyten vor der etwa gleichen Zuschauerzahl gespielt.“ Im Spiel selbst blendet Jacobsen die Atmosphäre aus. „Ich merke das gar nicht, weil ich mich aufs Spiel fokussiere“, sagt er. Ole Jacobsen ist ein echtes Eigengewächs der SG Achim/Baden. Seit seinem fünften Lebensjahr – und damit seit 18 Jahren – trägt er das Trikot der Spielgemeinschaft. „Mit den Minis hat alles angefangen“, sagt er lachend.

In der Folge durchlief Jacobsen sämtliche Jugendmannschaften. Seit anderthalb Jahren gehört er zum festen Stamm der SG-Reserve, die damals noch in der Verbandsliga an den Start ging. Seit dem Abstieg 2019 kämpft die Sieben von Trainer Florian Schacht in der Landesliga um Punkte. Bevor Jacobsen zur Verbandsliga-Saison in die Zweitvertretung zurückkehrte, lief er bereits für die SG-Reserve auf. Doch der 23-Jährige entschloss sich kurzerhand, wieder einen Schritt zurückzugehen und spielte fortan bei den dritten Herren.

Nun ist Jacobsen gleich mehrere Schritte weiter – und das, obwohl er eigentlich schon so gut wie weg war. Der 23-Jährige hatte konkrete Auslandspläne und wollte fünf Monate lang ein Praxissemester in den USA absolvieren. Den Platz hatte er schon sicher. Doch wegen der Corona-Pandemie bekam Jacobsen kein Visum und musste in Deutschland bleiben. Dass das auch etwas Gutes hat, zeigt seine erste Oberliga-Partie.

Wenn es nach dem Rückraumspieler geht, werden in der laufenden Saison noch weitere Einsätze folgen. „Ich möchte so lange wie möglich in der ersten Mannschaft spielen und möchte die Chance ergreifen“, strebt Jacobsen nach Höherem. Ob ihm dieser Wunsch erfüllt wird, entscheidet aber SG-Coach Tobias Naumann. „Es wird bald geklärt, ob ich dauerhaft bei den ersten Herren spiele oder wieder zurück in die Reserve gehe“, hat Jacobsen in Kürze Gewissheit.

Sollte sich Naumann für den Rückraumspieler entscheiden, winkt Jacobsen im Auswärtsspiel bei der HSG Hunte-Aue Löwen der zweite Oberliga-Einsatz. Bei einer Rückkehr in die Reserve würde der 23-Jährige mit der SG Achim/Baden II zum Landesliga-Saisonauftakt bei der SG Bremen-Ost gastieren.

So oder so hat Jacobsen mit seiner überzeugenden Leistung gegen die HSG Schwanewede/Neuenkirchen bewiesen, dass er bereit für höhere Aufgaben ist. Drei Tore im ersten Spiel sind nicht das schlechteste Empfehlungsschreiben für einen dauerhaften Kaderplatz in der Oberliga-Truppe der Spielgemeinschaft. Von den Minis in die erste Mannschaft – es könnte der vorläufige Höhepunkt der Handball-Laufbahn von Ole Jacobsen sein.

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