Handball

Die Blicke richten sich auf den Sommer

Sascha Kunze und Florian Schacht sind mit ihren Teams schon lange nicht mehr im Einsatz gewesen. Im Doppelinterview sprechen die beiden Trainer über das vergangene Jahr und die Zukunft.
19.03.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Prütt
Die Blicke richten sich auf den Sommer

Florian Schacht für mit den SG-Verantwortlichen aktuell Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit.

Björn Hake

Mehr als ein Jahr liegen die bislang letzten Auftritte der HSG Verden-Aller und der SG Achim/Baden II in der Handball-Landesliga inzwischen zurück. Am 7. März 2020 landeten die Domstädter beim TV Langen einen 39:37-Erfolg, Achims Zweitvertretung setzte sich am gleichen Tag bei der SVGO Bremen mit 27:26 durch. Danach wurde die Saison 2019/2020 vom Verband zunächst unterbrochen und später für beendet erklärt. Die Serie 2020/2021 fiel für die Teams von Sascha Kunze (36) und Florian Schacht (43) dann aufgrund der Pandemie komplett ins Wasser. Wie haben die beiden Trainer das vergangenen Jahr erlebt, werden sie bei ihren Teams auf die Bank zurückkehren, oder haben sie womöglich andere Pläne? Wir haben einmal nachgefragt.

Herr Kunze, Herr Schacht, seit einem Jahr bestimmen Begriffe wie AHA-Regeln und Inzidenzen unser Leben. Wie haben sie die vergangenen zwölf Monate erlebt?

Sascha Kunze: Die zusätzliche freie Zeit habe ich tatsächlich auch ein Stück weit genossen und viel Zeit mit unserem Hund an der frischen Luft verbracht. Aktuell erhole ich mich von einer Operation am Knie, im Mai steht dann noch eine Reha in Mölln an. Mit der fünften OP im fünften Jahr muss es dann aber auch gut sein. Ich hoffe, dass dann für die nächsten 15 bis 20 Jahre Ruhe ist.

Florian Schacht: Ich habe das Jahr durchaus für mich genutzt, viel Sport getrieben, gesünder gelebt und das Rauchen aufgegeben. Über acht Monate ist es her, dass ich meine letzte Zigarette geraucht habe. Ich fühle mich deutlich fitter als vor der Pandemie.

Der eine oder andere Übungsleiter hat in der Corona-Zeit gemerkt, dass es auch ganz gut ohne Handball geht. Wie sieht es bei ihnen mit der Motivation aus. Werden wir sie in der neuen Saison weiter als Trainer erleben. Und wenn ja, wo?

Sascha Kunze: Ich bin gerne Trainer und habe keinen Gedanken ans Aufhören verschwendet. Im Gegenteil: Ich freue mich auf die nächste Saison mit der HSG Verden-Aller, bei der ich dann ins fünfte Jahr gehe. Wir sind über Zoom ständig im Austausch geblieben. Ab Dezember habe ich den Fokus dann auf die kommende Serie gelegt. Stand jetzt wird sich bei uns nichts ändern. Alle Spieler bleiben dabei. Das Training haben wir allerdings eingestellt, als abzusehen war, dass es keinen Restart geben wird.

Florian Schacht: Aktuell laufen in Achim die Gespräche mit Cord Katz (Team-Manager der ersten und zweiten Herren, Anm. d. Red.) hinsichtlich der kommenden Saison. Wir sind da in einem guten Austausch. Wie es weitergeht, wird Cord verkünden. Ich will da nicht vorgreifen. Wir haben bei der SG einen recht jungen und großen Kader zusammen. Ich glaube, dass sich personell nicht viel tun wird. Es könnte allerdings sein, dass der eine oder andere erfahrene Spieler kürzertritt.

SPORT // Sport: Handball Landesliga HSG Verden-Aller - HSG Bützfleth/Drochtersen

Sascha Kunze will mit der HSG Verden-Aller künftig um die Topplatzierungen in der Landesliga mitspielen.

Foto: Björn Hake

Gibt es bereits einen Fahrplan für die neue Saison?

Sascha Kunze: Ich plane so, dass wir im September starten werden. Wir würden dann ganz normal im Sommer mit der Vorbereitung beginnen. Im vorigen Jahr waren wir mit der Zusammenstellung der Landesliga sehr zufrieden. Ich hoffe, dass der Verband keine Änderungen vornimmt. An unserem Ziel hat sich nichts geändert: Wir wollen in unserer Staffel mit der SG Achim/Baden II und der SG Bremen-Ost um die vorderen Plätze kämpfen.

Florian Schacht: Auch ich halte einen Saisonstart nach den Sommerferien für möglich – das ist jedenfalls der Termin, mit ich plane. Allerdings sollte der Staat es schaffen, angesichts der aktuell wieder steigenden Inzidenzwerte das Tempo beim Impfen zu erhöhen, sonst könnte es knapp werden.

Lassen sie uns einen Blick auf den großen Handball werfen. Sicherlich haben sie am Wochenende das Olympia-Qualifikationsturnier der deutschen Männer verfolgt. Wie hat ihnen der Auftritt von Uwe Gensheimer und Co. in Berlin gefallen?

Florian Schacht: Dass die deutschen Männer sich für Olympia qualifiziert haben, ist natürlich nicht an mir vorbeigegangen. Ich schaue aktuell aber tatsächlich wenig Sport im Fernsehen. Ohne Zuschauer – egal ob auf den Plätzen oder in den Hallen – fehlt mir da einfach etwas. Ob die Olympischen Spiele dann stattfinden, ich bin da skeptisch, was aber vielleicht auch an meinem Beruf liegen mag (Florian Schacht ist Polizeibeamter, Anm. d. Red.). Die Spiele sind für mich nur möglich, wenn alle Teilnehmer geimpft sind.

Sascha Kunze: Ich schaue hingegen aktuell viel Handball im Fernsehen. Natürlich den Auftritt der deutschen Männer in Berlin, aber auch Spiele der Männer- und Frauen Bundesliga. Gegen Slowenien hat Deutschland es überragend gemacht. Gegen Algerien war es der zu erwartende Pflichtsieg und beim Unentschieden gegen Schweden hatten wir das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite. Die Olympischen Spiele werde ich auf jeden Fall im Fernsehen verfolgen. Da die deutschen Handballer dabei sind, ist die Vorfreude noch ein wenig größer.

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Im Amateursport geht so gut wie nichts , der Profisport darf – wenn auch ohne Zuschauer – stattfinden. Ist das für sie in Ordnung?

Sascha Kunze: Ich halte die Strategie für gut. Die Profivereine haben andere Möglichkeiten und Regelungen, dort kann beispielsweise vor jedem Wettkampf getestet werden und man kann entsprechend reagieren. Das wäre bei uns nicht möglich.

Florian Schacht: Ich bin da zwiegespalten. Irgendwie erinnert das an die Brot- und Spiele-Zeit im alten Rom, als die Bevölkerung mit Veranstaltungen bei Laune gehalten wurde. Zu erklären ist es sicher nicht, dass beispielsweise Fußballteams für ein Spiel um die halbe Welt fliegen oder Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Ich finde es aber schon wichtig, dass die Menschen in diesen Zeiten ab und an etwas Ablenkung bekommen.

Das Interview führte Jürgen Prütt.

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