Handball-Oberliga

Der Spaß ist bei Tobias Freese wieder da

Im Vorjahr hat Tobias Freese die Vorbereitung mit der SG Achim/Baden wegen eines Kreuzbandrisses verpasst. Jetzt ist der Rückraumspieler aber voll dabei, um in einem Monat topfit zu sein.
01.09.2020, 18:30
Lesedauer: 3 Min
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Der Spaß ist bei Tobias Freese wieder da
Von Florian Cordes
Der Spaß ist bei Tobias Freese wieder da

Tobias Freese kehrte vor einem Jahr aus Cloppenburg zur SG Achim/Baden zurück. In seinem zweiten Jahr will er wieder zum Führungsspieler avancieren.

Björn Hake

Sechs Monate können manchmal wie im Flug vergehen. Darf einer großen Leidenschaft aber ein halbes Jahr lang nicht nachgegangen werden, kann sich diese Zeitspanne durchaus wie ein Kaugummi ziehen. Vielen Sportlern ist es in den zurückliegenden Monaten so ergangen. Sehnsüchtig warteten sie darauf, ihrer Leidenschaft wieder nachgehen zu dürfen und sich mit anderen Sportlern zu messen. Zu diesem Kreis zählt auch Tobias Freese. Für ihn hat die Warterei nun ein Ende genommen: Mit den Oberliga-Handballern der SG Achim/Baden hat er gegen die HSG Delmenhorst das erste Testspiel absolviert (wir berichteten). Freese war mittendrin im Geschehen. Das war vor einem Jahr zur gleichen Zeit jedoch undenkbar.

Für den erfahrenen Rückraumspieler, der im Sommer 2019 vom TV Cloppenburg zur SG Achim/Baden zurückgekehrt war, ist die derzeit laufende Vorbereitung durchaus eine besondere. Denn vor einem Jahr nahm er – während seine Teamkollegen intensiv trainierten – die Rolle eines Zuschauers ein – gezwungenermaßen. Denn ein Kreuzbandriss verhinderte, dass Freese zu Saisonbeginn fit war. Erst im Laufe der zweiten Hälfte der Saison 2019/2020 griff er ins Geschehen ein. Und gerade als der wurfgewaltige Handballer sich daran gemacht hatte, wieder ein sehr wichtiger Faktor für die Sieben von SG-Coach Tobias Naumann zu werden, wurde die Sportwelt vom Coronavirus ausgebremst.

Jetzt nehmen Freese und Co. Fahrt auf. Der Coach der Achimer mutmaßte nach dem Spiel gegen den Titelaspiranten aus Delmenhorst noch, dass so manch einer seiner Akteure nach der Corona-Pause ein wenig die Scheu ablegen musste, weil es wieder gegen fremde Menschen ging. Tobias Freese empfand das jedoch nicht so. „Corona-bedingt war bei mir eigentlich keine Scheu da, in Körperkontakt mit anderen Menschen zu kommen“, sagt er. „Viel mehr war es ungewohnt, nach sechs Monaten mal wieder den Ball in der Hand zu haben. Wir haben noch nicht allzu viel in der Halle trainiert. Das war dann auch ausschlaggebend für das Resultat.“ Wie berichtet, setzte sich die HSG Delmenhorst in der Badener Lahofhalle mit 34:21 durch.

Schwarzes Band als Erinnerung

Von der Anlage habe die SG Achim/Baden zwar einen guten Ball gespielt, findet Tobias Freese: „Im Abschluss hat es bei uns aber noch gehapert. Da fehlt uns noch die Feinjustierung. Und auch die Absprache in der Abwehr stimmte noch nicht. Das ist zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung aber ganz normal. Wichtig war, dass der Spaß am Wettkampf wieder da ist.“ Das gilt für Freese besonders. Denn nach seiner schweren Knieverletzung ist es für ihn die erste echte Saisonvorbereitung seit zwei Jahren. Komplett eingestiegen ins Training sei er Mitte August. „Vorher war ich noch im Urlaub“, erklärt Freese.

Obwohl der Rechtshänder seinen Kreuzbandriss nun schon seit Längerem auskuriert hat, erinnert ein dünnes schwarzes Band noch an die schwere Verletzung. Dieses trägt er während der Spiele um sein Knie – so auch gegen Delmenhorst. Einerseits dient das Band Freeses Mentalität, „aber es ist natürlich auch dafür da, um das Knie zu stützen“, sagt er. Hin und wieder schieße ihm der Riss des Kreuzbandes schon noch durch den Kopf, wenn er auf dem Feld steht. „So ganz geht das wohl auch nicht mehr raus“, denkt Freese.

Gehemmt fühlt er sich dadurch aber nicht. Das hat er in den Spielen, in denen er vor dem Saisonabbruch wieder dabei war, bereits bewiesen. Und auch gegen die Delmenhorster zeigte Freese, welchen Wert er für das Naumann-Team hat. Was in der Oberliga Nordsee in der anstehenden Saison für die SG möglich ist, möchte Freese zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen. „Da es keine Absteiger aus der 3. Liga gab, dürfte die Liga aber noch ausgeglichener sein“, meint Freese. Zur größeren Ausgeglichenheit dürften zudem die Aufstiege des ATSV Habenhausen und TV Cloppenburg in Liga drei beitragen. „Ich denke für uns gilt, dass wir erst mal den Klassenerhalt klarmachen. Viele Teams sind schwer einzuschätzen“, sagt Freese. Wichtig für eine gute Saison sei zudem, dass die SG von Verletzungen verschont bleibt. „Was viele Verletzungen anstellen könne, hat man bei uns gesehen. Man kann schnell in einen Abwärtsstrudel geraten“, erinnert Freese an den katastrophalen Start in die Saison 2019/2020 mit acht Niederlagen in Serie.

Freude über Pfeiffers Rückkehr

Im Achimer Lager will niemand, dass sich dies wiederholt. Den Kader sieht Tobias Freese schon einmal gut aufgestellt, um eine ruhigere Saison zu absolvieren. „Unter anderem ist es schön, dass sich Marvin Pfeiffer zur Rückkehr nach Achim entschieden hat“, freut sich Freese. Die beiden Rückraumspieler müssen sich aber erst einmal aneinander gewöhnen. Es ist ihre erste gemeinsame Saison bei der SG Achim/Baden. Als Pfeiffer im Sommer 2015 erstmals den Weg nach Achim eingeschlagen hatte, verließ Freese die SG in Richtung Cloppenburg. Als Tobias Freese zurückkam, wechselte Pfeiffer zum Drittligisten Hannover-Burgwedel. Dass das Zusammenspiel noch verfeinert werden muss, gilt nach Ansicht von Freese aber nicht nur für ihn und seinen neuen Mitspieler: „Wir müssen insgesamt zusehen, dass wir das Taktische jetzt verbessern.“

Genügend Zeit hat die SG Achim/Baden dafür noch. Erst in einem Monat startet das Team in die neue Oberliga-Saison. Da Freese und Co. ihrer Leidenschaft nun aber wieder nachgehen können, dürfte diese Zeit wie im Flug vergehen.

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