Handball

Kräftemessen mit dem Meister

Vor 25 Jahren hatte die SG Achim/Baden den THW Kiel für ein Freundschaftsspiel zu Gast. 1200 Zuschauer wollten sich den Vergleich damals nicht entgehen lassen.
05.08.2020, 05:00
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Kräftemessen mit dem Meister
Von Florian Cordes
Kräftemessen mit dem Meister

Cord Katz (linkes Foto) stieß zur Saison 1995/1996 in den Regionalliga-Kader der SG Achim/Baden und durfte sich vor dem ersten Ligaspiel gleich mit den Stars des THW Kiel messen.

Florian Cordes

Die SG Achim/Baden steckte 1995 quasi noch in den Kinderschuhen. Gerade mal drei Jahre waren seit der Gründung der später so erfolgreichen Spielgemeinschaft vergangen. Die SG war trotz ihres jungen Alters bereits Teil der damaligen Regionalliga – und somit drittklassig. Vor dem zweiten Jahr in der Regionalliga stand zudem ein Vorbereitungsspiel in der Gymnasiumhalle auf dem Programm, das alles bis dahin Geschehene in den Schatten stellen sollte: Der THW Kiel gastierte vor 25 Jahren – genauer gesagt am 3. August 1995 – an der Weser. Die Kieler waren damals mit vielen ihrer damaligen Stars gekommen. Vor allem zwei Spieler der Gäste standen im Mittelpunkt des Interesses: Jahrhundert-Handballer Magnus Wislander sowie Martin Schmidt, der vor seiner Zeit in Kiel auch für den TV Baden gespielt hatte.

Um es vorwegzunehmen: Die Überraschung sollte damals ausbleiben. Die Kieler, die sich in der Saison zuvor den deutschen Meistertitel gesichert hatten, zeigten an jenem Abend vor 25 Jahren eine sehr professionelle Einstellung. Auch aus diesem Grund gewannen die „Zebras“ mit 32:16. Die Begegnung fiel damals genau in die Vorbereitungsphase der SG Achim/Baden. „Daher ist sie auch nicht zwingend als sportlicher Vergleich anzusehen. Vielmehr ist die Partie ein Dankeschön an die treuen Fans“, sagte der damalige Coach Carsten Meyer, der die SG Achim/Baden in ihrem ersten Regionalliga-Jahr auf Anhieb in die Play-offs geführt hatte.

Als das Spiel dann aber anstand, hatte auch Meyer ein wenig Bammel. Mit seinem Gefühl war er nicht alleine. Ein damals noch junger Handballer, der in den folgenden Jahren alle Höhen und Tiefen mit der SG Achim/Baden durchmachte, war vor dem Anpfiff ebenfalls recht aufgeregt: der aktuelle Teammanager Cord Katz. An einzelne Spielszenen kann er sich heute – ein Vierteljahrhundert später – nicht mehr erinnern. „Das ist einfach zu lange her. Und seit dem Spiel ist bei der SG ja auch so einiges passiert“, sagt Katz. Das Drumherum und das Gefühl, gegen einen Weltstar wie Magnus Wislander zu spielen, sind ihm jedoch im Gedächtnis geblieben. „Das war einfach mega“, erinnert sich der langjährige Kreisläufer der SG Achim/Baden. „Kiel ist heute ja auch noch eine riesige Truppe, war damals aber auch schon das absolute Nonplusultra im deutschen Handball.“ Aufgeregt war er jedoch nicht nur wegen des großen Gegners – die rappelvolle Gymnasiumhalle tat ihr Übriges. 1200 Zuschauer waren damals zu dem Vergleich zwischen dem Regionalligisten und dem deutschen Meister in die Halle gepilgert.

Die Fans der SG Achim/Baden sahen ein Spiel, das schnell in den zu erwartenden Bahnen verlief. Nach einem Drittel der Spielzeit führte der THW Kiel mit 11:4. Danach wurde es nicht mehr spannend – aber unterhaltsam. Magnus Wislander, der Jahre später zum Jahrhundert-Handballer ernannt werden sollte, präsentierte den 1200 Zuschauern immer wieder seine Regiekünste. Selbst SG-Coach Carsten Meyer geriet da ins Schwärmen. Genauso wusste aber auch Martin Schmidt bei seinem „Heimspiel“ das Achimer Publikum zu begeistern. Der Rechtsaußen, der beim THW Kiel zum Nationalspieler reifte, erzielte acht Treffer und war damit bester Torschütze der Gäste.

Auf der THW-Bank saß vor 25 Jahren noch Zvonimir Serdarušić als Coach. Der beobachtete während der 60 Minuten nicht nur seine Akteure. Bei den Achimern beeindruckten ihn vor allem zwei Spieler: Matthias Brandt, dem Serdarušić ein tolles Spielverständnis attestierte, sowie der damals 19-jährige Tobias Naumann. Genau wie Katz stieß auch Naumann, der aktuell die SG in der Oberliga coacht, zur Saison 1995/96 in den Regionalliga-Kader der Spielgemeinschaft.

Naumann wurde zwar von Serdarušić gelobt, am klaren Spielverlauf konnte aber auch er nichts ändern. Daher kam ein Mann in der Gymnasiumhalle bereits zur Halbzeitpause zu einem deutlichen Urteil. „Die sind alle froh, wenn das hier vorbei ist“, sagte Uwe Schwenker, damaliger Manager des THW Kiel und heutiger Präsident des Ligaverbandes der Handball-Bundesliga (HBL). Schwenker nahm während des Freundschaftsspiels noch eine andere Rolle ein: Weil an jenem 3. August eine tropische Hitze in der Halle herrschte, schleppte der gebürtige Bremer den THW-Spielern kistenweise Sprudelwasser hinterher.

Als das Spiel abgepfiffen wurde, gab es eigentlich keine unzufriedenen Gesichter. Die Kieler freuten sich über den Sieg, die Achimer darüber, dass sie Teil eines unterhaltsamen Handballspiels waren. Das Resultat war für die Gastgeber eh nur reine Nebensache. Und das Freundschaftsspiel im August 1995 sollte für die SG Achim/Baden nicht das letzte Aufeinandertreffen mit dem deutschen Rekordmeister bleiben. In den folgenden Jahren waren die „Zebras“ noch häufiger in der Gymnasiumhalle zu Gast. Die Erinnerungen an die genauen Spielverläufe mögen zwar verblasst sein, aber eine Sache hat Cord Katz auch jetzt noch nach all den Jahren im Kopf: „Ich habe immer über die Körperlichkeit der Kieler gestaunt. Man dachte ja, dass man selbst schon viel mitbringt. Aber welche Präsenz die Profis hatten und haben, ist noch immer eine ganz andere Nummer.“

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