Hannoveraner Verband

Auch ein Ex-Torwart tritt an

Hannoveraner Verband: Vier Kandidaten streben an diesem Montag als Präsident an die Spitze. Erstmals soll es auch einen Aufsichtsrat geben.
23.08.2020, 13:56
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Von Angelika Siepmann
Auch ein Ex-Torwart tritt an

Der Hannoveraner Verband in Verden hat eine schwierige Zeit hinter sich. Viel Arbeit wartet auf den neuen Chef.

Björn Hake

Hans-Henning von der Decken war der letzte „Vorsitzende“ des Hannoveraner Verbandes, und er hat nicht ganz bis zum Ende durchgehalten (wir berichteten). Künftig wird der ranghöchste Ehrenamtliche als Präsident bezeichnet. Präsidentin wäre selbstverständlich auch möglich. Aber eine Frau bewirbt sich bislang nicht um den Posten, der an diesem Montag während der Delegiertenversammlung in der Niedersachsenhalle besetzt werden soll. An die Spitze streben vier Männer auffällig gleichen Alters, die ausweislich ihrer Bewerbungsvideos wissen, was von ihnen in schwierigen Zeiten erwartet wird.

Erstmal werden sie warten müssen. Denn „Wahlen der neuen Verbandsgremien“ ist erst der 15. und vorletzte Punkt der auf Tagesordnung. Bis alles, was vorher ansteht ausdiskutiert und abgehandelt ist, oder auch nicht, könnte es schon auf den Abend zugehen. Lang ist auch die Liste der Ämter, in die auf der Grundlage der im Februar abgesegneten Strukturreform ebenso willige wie geeignete Personen berufen werden sollen. Bei den Wahlen wird weder Zettelwirtschaft noch aufwendiges Auszählen erhobener Arme erforderlich sein: „Zwecks Zeitersparnis“, so heißt es, wird mit digitalen Abstimmungsgeräten gewählt.

Nach dem Ende Juli erfolgten Rücktritt des Vorsitzenden Hans-Henning von der Decken, der ursprünglich auch das Präsidentenamt angepeilt hatte, sind mittlerweile vier Männer bereit, die Zügel in die Hand zu nehmen und sich im Verbund mit Gleichgesinnten den großen Aufgaben zu stellen. Dabei handelt es sich um – in alphabetischer Reihenfolge – Christopher Kröckel (Braunschweig-Hondelage), Hinni Lührs-Behnke (Verden), Frank Rost (Rotenburg) und Mathias Schulze (Hankensbüttel), der erst vor wenigen Tagen das verbliebene Trio wieder zum Quartett ergänzt hat. Zwischenzeitlich hatte der Verdener Heinz Meyer seine Kandidatur, wie berichtet, nach offenbar persönlichen Diffamierungen schnell wieder zurückgezogen. Vom Vizevorsitzenden Hartmut Wilking, waren die Vorgänge, die zu Meyers Rückzug führten, in einer öffentlichen Stellungnahme scharf kritisiert worden.

Den kürzesten Weg zur Verdener Verbandszentrale hat der promovierte Landwirt aus Borstel, der auf Bitten vieler Züchter seine Bewerbung für das Top-Amt abgegeben hatte. Der 47-Jährige plädiert in seinem Bewerbungsvideo für eine deutliche Verbesserung der Kommunikation, um „Transparenz und Vertrauen“ zu schaffen. Alle dürften sich bewusst sein, dass man „erst am Beginn einer größeren Reform“ stehe und Probleme nur gemeinsam lösen könne. Lührs-Behnke, stellvertretender Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Verden, gehörte dem Experten-Sextett an, das als „Strukturkommission“ das umfassende Zukunftskonzept erarbeitet hat.

„Wo Hannover ist, muss vorne sein“, hat Christopher Kröckel (48) als Devise ausgegeben. Der studierte Landwirt und Pferdewirtschaftsmeister betreibt einen Zucht-, Ausbildungs- und Pensionsstall und gehörte in den vergangenen anderthalb Jahren als Vorsitzender des Bezirksverbandes Braunschweig dem Gesamtvorstand an. Die in dieser Zeit miterlebten Querelen müssten ein Ende, „ein abruptes Ende“ haben, meint Kröckel. Es gelte, dem „Vertrauensverlust an der Basis“ entgegenzuwirken. „Wahrheit, Klarheit“ seien gefragt.

Als Bundesliga-Torhüter bei Werder Bremen, Schalke 04 und dem Hamburger SV hat der aus Chemnitz stammende Frank Rost (47) 20 Jahre Standfestigkeit und Ballfängerqualitäten bewiesen. Nun tritt er an, um bei den hannoverschen Pferdezüchtern, zu denen er seit 2014 gehört, den Ball – wieder – ins Rollen zu bringen. Sein Video auf der Homepage trägt den Hinweis, es sei von ihm „eingereicht“ worden. Darin beschreibt Rost die allgemeinen Erwartungen an einen Präsidenten („Führungsqualität“, „Objektivität gegenüber jedem“) und weist auf die „vielen Herausforderungen hin, die es zu meistern gelte. Wünschenswert sei ein „moderner Verband“, der Traditionen bewahre und Neues als Chance wahrnehme. Kurz vor Toresschluss hat sich noch Mathias Schulze (47) in die Bewerber-Equipe eingereiht. Der Bankkaufmann, Pferdewirt und ehemals aktive Springreiter unterhält im Nebenerwerb mit seiner Familie einen Zuchtbetrieb und Pensionsstall in der südlichen Lüneburger Heide. Er ist Vorstandsmitglied des Pferdezuchtvereins Wittingen und sieht beim Verband infolge interner Streitigkeiten einen „gewaltigen Imageschaden in der Öffentlichkeit“, der mit „allen nötigen Konsequenzen“ zu beenden sei. Man müsse sich wieder uneingeschränkt den eigentlichen Aufgaben widmen, Pferdezucht und –vermarktung. Das neue Präsidium wird aus sechs Personen bestehen, wobei fast alle für ein bestimmtes Ressort, etwa Vermarktung sowie Finanzen/ Personal/Recht, gewählt werden. Ein ebenfalls neues Gremium ist der fünfköpfige Aufsichtsrat. Hier hat eine Frau Ambitionen auf den Vorsitz angemeldet: Ernestine Zwingmann (Lindwedel). Weitere Kandidaten sind Franz Bürmann (Tespe), und Johann von der Decken (Krummendeich), ein Cousin des bisherigen Vorsitzenden.

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