Interview mit dem Galeristen und Verleger Wolf-Dietmar Stock aus Fischerhude zum Erscheinen seines ersten Romans 'Hollen' Himmel und Erde in einem Buch

Am Freitag, 29. Oktober, stellt Wolf-Dietmar Stock um 19.30 Uhr in der Fischerhuder Galerie seine belletristische Erstveröffentlichung mit dem Titel 'Hollen - Ein Sommermärchen' vor. Aus diesem Anlass hat sich der Achimer Kurier mit dem Autoren unterhalten.
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Am Freitag, 29. Oktober, stellt Wolf-Dietmar Stock um 19.30 Uhr in der Fischerhuder Galerie seine belletristische Erstveröffentlichung mit dem Titel 'Hollen - Ein Sommermärchen' vor. Aus diesem Anlass hat sich der Achimer Kurier mit dem Autoren unterhalten.

Herr Stock, Sie sind Verleger, Ausstellungsmacher, Maler und noch einiges andere mehr. Jetzt sind sie auch noch unter die Romanautoren gegangen. Was hat sie dazu bewogen?

Stock: Wenn man 35 Jahre lang als Verleger mit Büchern umgeht, entsteht irgendwann der Wunsch, zu zeigen, was man von den Autoren gelernt hat. Oder, was wir im Lektorat mit den Autoren pflegen: den guten Umgang mit der Sprache. Sie gehört neben Musik und Malerei zu den großartigen Instrumenten der Kultur, mit denen der Mensch unbekannte Höhen und Tiefen seiner Existenz ausloten kann.

Das klingt nach anspruchsvoller Literatur.

So hoch will ich den Hammer nicht hängen. Eigentlich wollte ich etwas ganz Leichtes schreiben - einen Sommerroman auf dem Lande mit Verliebtheit, Schützenfest und dem Besuch einer Shakespeare-Aufführung in Originalsprache auf einem heimatlichen historischen Burggelände - einen Sommernachtstraum in Romanform sozusagen. Dabei wusste ich natürlich: Das Leichte ist das Schwerste und die Realität ist dem Traum immer auf den Fersen. Wenn sich mein Romanheld am Zielpunkt seiner Sehnsucht wähnt, passiert etwas Unvorhergesehenes. So ging es auch mir als Schreiber: Ich gerate aus dem Träumen von den schönen Dingen des Lebens unversehens wieder auf die Agitationsschiene des Altachtundsechzigers und die erdachte Romanze verzahnt sich mit Dorfpolitik zum Gesellschaftsdrama zwischen Liebesgeschichte und Krimi.

Um was geht es in dem Buch?

Es ist ein Dorfroman mit zeitnahen Konflikten. Ein Hofladenbesitzer kämpft gegen die Überfütterung mit Industrienahrung und für unberührte Freiräume, die der Mensch der Natur zunehmend abtrotzen will. Obwohl selbst Ortsbürgermeister, ist er gegen ein Planfeststellungsverfahren, das ein Gewerbegebiet mit Lebensmitteldiscounter etc. im Dorfgebiet vorsieht und das unter anderem Maisfelder in den Flusswiesen zur Folge hätte. Es geht um Umwelt, Politik, Mensch und Gott. Genauer gesagt gibt es bei mir eine Götterwelt, die sich aus Religionen verschiedenster Zeiten und Völker zusammensetzt. Ich finde es immer beschämender, was wir uns im Namen einer christlich geprägten Kultur in der Welt an Übergriffen leisten.

Götterwelt? Spielt der Roman im Himmel?

Es beginnt tatsächlich im norddeutschen Himmel. Die philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens hat mich schon immer und nicht zuletzt während meines Theologiestudiums beschäftigt. Wenn man weiß, warum Gott die Erde und den Kosmos mit der Vielfalt des Lebens geschaffen hat, kann man daraus vielleicht ableiten, was unsere Aufgabe auf der Erde ist. Ich habe es nicht herausbekommen. Aber es hat mir sehr viel bedeutet, mich mit der Welt aus Göttersicht zu beschäftigen - und umgekehrt. So wechselt die Himmelszene, in der Obergott Thor eine moderne Schöpfungsgeschichte erzählt in ein Dorf, das ich Hollen nenne. In diesem Ort treffen dann Himmel und Hölle zusammen.

Ist Hollen ein Synonym für ein anderes Dorf, das Sie nur nicht nennen wollen?

Hollen gibt es tatsächlich zweimal zwischen Elbe und Weser. Einmal in sehr schöner Lage am Fluss gelegen. Ich kenne dort aber niemanden. Die Handlung könnte aber fast in jedem Dorf in Niedersachsen an einem Fluss spielen. Denn die Strukturveränderungen und die Zunahme von Monokultur auf dem Lande sind fast überall gleich. Feldwege und Feuchtwiesen schwinden, die Ästhetik der Dörfer leidet und die Kommunikation auch. Arbeit, Geld und Kultur wandern in die Städte und auf dem Lande wird es ungemütlicher und pragmatischer. Aus der Stadtflucht vor 100 Jahren ist Landflucht mit Spazierengehen, Kaffeetrinken und Träumen für ein bis zwei Stunden am Sonntag geworden. Ansonsten heißt es: bloß wieder weg hier. Hier ist ja der Hund begraben. Das allerdings stimmt nicht. Viele Menschen sehen die Schätze nicht mehr, die auf dem Lande immer noch im Verborgenen schlummern.

Der Roman erscheint in ihrem eigenen Verlag Atelier im Bauernhaus. Ein Buch zu verlegen und einen Roman zu schreiben sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Haben Sie sich Blasen gelaufen?

Die Gefahr bestand nicht. Ich habe nämlich auf einer Wolke geschwebt. Es war ein Genuss, ganz ohne die Korsage eines vorliegenden Manuskripts zu fühlen, zu denken und zu schreiben, was ich wollte. Dieser Freiraum war grenzenlos. Es war ein großartiges Gefühl.

Für die Musiklesung mit Wolf-Dietmar Stock und Anne Wiemann (Saxofon) am Freitag, 29. Oktober in der Fischerhuder Galerie sind noch Platzreservierungen möglich: Telefon 04293/ 492. Der Eintritt ist frei.

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