Voltigieren

Hochburg ohne Spitze

Diverse große Voltigier-Turniere fanden in den letzten Jahren in Verden statt, nun steht die Landesmeisterschaft bevor, 2020 kommt die DM wieder. Teilnehmer aus dem Kreis sind jedoch weiterhin rar.
27.06.2019, 17:53
Lesedauer: 4 Min
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Hochburg ohne Spitze
Von Patrick Hilmes
Hochburg ohne Spitze

Begeisterten 2017 das Publikum in Verden und schnappten sich DM-Gold: das Team RSV Neus-Grimlinghausen I.

Björn Hake

Verden. 2012 nationale Jugendmeisterschaft, 2013, 2016 und 2017 Deutsche Meisterschaft, 2015 Nationenpreis – der Standort Verden kann mittlerweile als Hochburg für Voltigierer bezeichnet werden. Die am kommenden Wochenende stattfindende Landesmeisterschaft und die im nächsten Jahr erneut anstehende DM untermauern das, ebenso die Aussagen der Sportler, die Verden als nächstbesten Ausrichter nach Aachen betiteln. Auffällig ist: Verden zieht wie am Fließband große Turniere an Land, große Voltigierer sind in der Gegend aber rar – die eigene Spitze fehlt.

Bei den Deutschen Meisterschaften der vergangen Jahre kam nicht ein einziger Teilnehmer aus dem Kreis Verden. So wird es aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr sein. Bei der Landesmeisterschaft, die am Sonnabend und Sonntag in der Verdener Niedersachsenhalle ausgetragen wird, sind es immerhin zwei Nachwuchsvoltigierer, die aus dem Kreis Verden stammen – Arne Heers (RV Hülsen) und Sienna Meyer (RV Fischerhude). Doch das war‘s, kein einziger Teilnehmer der Senioren kommt aus der Region.

Die Frage, warum kaum jemand aus dem Kreis auf diesem Niveau voltigiert, ist schwierig zu beantworten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wie auch Sabine Kurpick weiß, die beim RV Aller-Weser die Voltigierer trainiert: „Es heißt zwar Pferdeland Niedersachsen, aber die Tendenz schlägt doch deutlich Richtung des traditionellen Reitsports mit Dressur und Springen.“ Ein Punkt ist das Sponsoring. Es sei schwierig, jemanden zu finden, der die Voltigierer finanziell unterstützen möchte. „Fußballer haben es da schon deutlich einfacher“, sagt Kurpick.

Auch viele Reitvereine würden die Sportart wenig fördern. Ein Grund, warum Kurpick mit ihren Voltigierern vor rund sieben Jahren den Verdener Schleppjagdverein verlassen hat. „Da wurde Voltigieren eher dafür genutzt, um noch mehr Kinder ans Reiten heranzuführen, die dann in der Dressur und Springen weitermachen sollten.“ Daher folgte der Wechsel zum RV Aller-Weser, und nun spricht Kurpick von einer „guten Unterstützung“. Den Punkt Sponsoring nennt auch Anika Heers, Trainerin beim RV Hülsen und zugleich Turnierleiterin der Landesmeisterschaft: „Jetzt bei der Landesmeisterschaft sind wir froh, viele gefunden zu haben. Generell ist es im Voltigieren aber schwierig, einen Sponsor zu finden.“

Erfolgsfaktor Pferd

Doch Voltigieren auf hohem Niveau erfordert noch weitaus mehr als die nötigen finanziellen Mittel. „Alles steht und fällt mit dem Pferd“, weiß Sabine Kurpick. Man könne nicht einfach losfahren und sich ein passendes Pferd kaufen. Züchter züchten nicht explizit Pferde fürs Voltigieren und nicht alle Pferde sind dafür geeignet, dass reihenweise Akrobaten auf ihnen turnen, während sie im Kreis laufen. Entsprechend muss viel Arbeit in die Ausbildung eines Pferdes investiert werden. „Das dauert so zwei Jahre“, verrät Kurpick. Verletzt sich das Pferd, müsse wieder bei Null angefangen werden.

Die nationale Jugendmeisterschaft 2012 steht auch stellvertretend für eine weitere Problematik der Region in puncto Voltigieren. Denn es war das erste Turnier seiner Art und Größe. Heißt: Zuvor hat Voltigieren im Kreis beinahe gar keine Rolle gespielt. Erst in den vergangenen Jahren wuchs mit den Turnieren die Begeisterung für die Randsportart.

Und natürlich bilden die Athleten einen weiteren entscheidenden Punkt. Die Auswahl ist gering, die wenigsten nennen Voltigieren als ihre Lieblingssportart. Viele wechseln mit der Zeit zur Dressur, Springen oder Vielseitigkeit. Andere zieht es aus beruflichen oder familiären Gründen in andere Regionen, manche kommen nach Verletzungen nicht wieder. Und bei denen, die bleiben, muss dann auch noch das entsprechende Talent vorhanden sein. „Wir sind gewillt, mal eine Mannschaft bei einer Landesmeisterschaft zu stellen, doch bisher befindet sich keine in den entsprechenden Leistungsklassen“, erzählt Heers.

M** oder S – das sind die Leistungsklassen, in denen auf Turnieren gestartet werden muss, um an Meisterschaften auf Landesebene teilnehmen zu können. Ein S-Team gab es laut Heers im Kreis Verden nie. 2017 stellte der RV Hülsen eines in der Klasse M**, ebenso der RV Aller-Weser 2016. Doch derzeit sind beide davon weit entfernt. Der RV Hülsen zog seine Gruppe zuletzt sogar eine Leistungsklasse zurück, da ein neues Pferd und neue Voltigierer integriert werden mussten. Nun steht der Aufstieg von der Klasse L zurück in die M* bevor. Das Ziel ist es, weiter nach oben zu kommen. Das gilt für beide Vereine, beide sind gewillt, mal eine Mannschaft bei der LM oder gar DM zu stellen. Doch die Faktoren müssen halt allesamt stimmen.

Die Begeisterung steigt

Die Chancen, das zu erreichen, erhöhen sich aber. Denn Voltigieren ist in aller Munde in Verden, die großen Turniere locken reichlich Zuschauer an. Ihnen gefällt, was sie sehen und einigen gefällt es so sehr, dass sie ebenfalls einmal auf einem Pferd turnen möchten. „Ein paar kommen und erzählen, dass sie ausprobieren wollen, was sie auf der DM oder so gesehen haben“, berichtet Sabine Kurpick.

Ein gutes Zeichen für das Voltigieren im Kreis Verden. Und sollte sich der Trend fortsetzen, viele weitere große Turniere in der Region stattfinden, ja dann verfügt die Hochburg vielleicht auch irgendwann über ihre eigene Spitze.

Weitere Informationen

Zeitplan

Sonnabend

8:00 Uhr: Landesvergleichswettkampf der M*-Gruppen - Pflicht

9:30 Uhr: M*-Gruppen - Kür

11:00 Uhr: Doppel-Voltigieren, 1. WP

11.45 Uhr: Junior-Gruppen - Pflicht - 1. WP

12.15 Uhr: Siegerehrung der M*-Gruppen und Doppelvoltigierer

13.30 Uhr: Senior-Gruppen - Pflicht - 1. WP

15.10 Uhr: Junior-Gruppen - Kür

15.40 Uhr: Senior-Gruppen - Kür

17.00 Uhr: Einzelvoltigierer, Junior-Einzel - Pflicht + Kür - 1. WP

anschließend: Einzelvoltigierer, Senior-Einzel - Pflicht + Kür - 1. WP

anschließend: Siegerehrung der Junior-/ Senior-Gruppen und Junior-/Senior-Einzelvoltigierer

Sonntag

8.30 Uhr: Einzelvoltigierer, Junior-Einzel - Pflicht - 2. WP

anschließend: Einzelvoltigierer, Senior-Einzel - Technikprogramm - 2. WP

9.45 Uhr: Junior-Gruppen - Kür - 2. WP

10.15 Uhr: Nachwuchs-Trophy-Finale - Pflicht + Kür

11.10 Uhr: Children-Trophy-Finale - Kür auf dem Holzpferd

anschließend: Siegerehrung der Nachwuchs- & Children-Trophy

13.00 Uhr: Doppelvoltigieren - 2. WP

13.30 Uhr: Einzelvoltigierer, Junior-Einzel - Kür

anschließend: Einzelvoltigierer, Senior-Einzel - Kür

15.15 Uhr: Senior-Gruppen - Kür - 2. WP

ca. 16.30 Uhr: Siegerehrung

anschließend: Meisterehrung

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