Flugplatz in Hellwege Holger Priebsch repariert historische Flugzeuge

Posthausen. Er ist ein Tüftler durch und durch und betreut die historischen Flieger auf dem Flugplatz in Hellwege. Außerdem kümmert sich Holger Priebsch um die Vereinsmaschinen der Flugsportgruppe Airbus.
04.08.2010, 07:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Hans-Peter Schirmer

Posthausen. Er ist ein Tüftler durch und durch und hat die historischen Flieger, aber auch die Vereinsmaschinen der Flugsportgruppe Airbus auf dem Flugplatz in Hellwege unter seine Fittiche genommen. Holger Priebsch bringt auf dem Flugplatz in Hellwege die Flugzeuge wieder in Form.

Im September 1990 kam er zunächst als Platzwart und Techniker für die Vereinsmaschinen auf den Flugplatz nach Hellwege. In der ehemaligen DDR hatte er zunächst Mühlenbauer gelernt und historische Mühlen im Harz repariert, bevor er sich zum Flugzeugmechaniker umschulen ließ.

Priebsch pflegte nach seiner Ausbildung die Flotte der Agrarmaschinen in der DDR. Nachdem seine Familie 1991 nach Hellwege kam, erwarb er 1992 die Fluglizenz. Seit dem ist er leidenschaftlicher Flieger. Vom kleinen Hellweger Flughafen aus, ging es unter anderem schon nach Nordafrika mit den kleinen Sportmaschinen. Neuestes Projekt, neben der Instandhaltung und der Wartung von privaten und vereinseigenen Maschinen, ist die Überholung und der Neuaufbau einer zweisitzigen Piper PAJ 3C von 1944. Sie wurde für die amerikanische Luftwaffe gebaut und kam von England aus in Belgien und Frankreich als Aufklärer zum Einsatz um Zielkoordinaten zu erstellen.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Maschine in die Schweiz, bevor sie nach Deutschland verkauft wurde. Aus den Papieren geht hervor, dass Erich Hartmann, einem Flieger aus dem 2. Weltkrieg, die Piper unter anderem flog, bevor sie vor 20 Jahren von Thomas Rolfs aus Hamburg gekauft wurde. Vor vier Jahren, bei einer Notlandung, wurde die Maschine allerdings ziemlich ramponiert.

Eine Reparatur wäre ohne weiteres nicht möglich gewesen, sagt Priebsch, und so entschlossen sich Priebsch und Thomas Rolfs, das gute Stück zu restaurieren. Thomas Rolfs besorgte die Teile, und Holger Priebsch fügte alles wieder zusammen. Und das alles in seiner Garage in Hellwege.

Der Rahmen wurde allerdings in Schwelm bei einer Spezialfirma gerichtet und aufgearbeitet. Der Motor, ein Continental C90 (90 PS), ist bei der Notlandung nicht zu Schaden gekommen. Er wird überholt und ist zurzeit noch mit Salzkerzen bestückt, um die Feuchtigkeit zu entziehen. Es ist der zweite Motor in der Maschine, der original war ein Continental C65 (65 PS). Nachdem das Flugzeug mit Spezialstoff bespannt ist, wird ein Spannlack aufgetragen der die Spannung perfekt macht. Elektrik und Scheiben werden erneuert wie auch sämtliche Schrauben. Am Ende der Arbeiten wird das Flugzeug wieder eine Spannweite von elf Meter haben und rund 600 Kilogramm wiegen. Doch nach der Fertigstellung muss der Flieger dann noch vermessen und gewogen werden, ehe der Werkstattflug angetreten wird. Ist der ebenfalls erfolgreich verlaufen, darf das Flugzeug wieder regelmäßig in die Luft.

Ein NDR-Fernsehteam war im übrigen auch in der Garage von Holger Priebsch und verfolgt den Werdegang des Fliegers für eine Dokumentation über historische Flugzeuge in Norddeutschland. Der Sendetermin steht noch nicht fest. Ganz aktuell schraubt Priebsch an einem historisches Flieger herum, den Vereinschef Fritz Koldehofe als sogenanntes 'Schnäppchen' aus dem Internet ersteigerte. Für nur 3500 Euro ersteigerte der Vorsitzende ein polnisches Agrarflugzeug des Typs Dromedar M21 Mini. Ursprünglich wollte Koldehofe ein altes Flugzeug für einen Kinderspielplatz ersteigern, dabei 'stolperte' er über den Agrarflieger, den es nur noch zweimal in dieser Ausführung auf der Welt gibt. Eingesetzt wurde das Flugzeug für die Düngung und Schädlingsbekämpfung. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Waldbrandbekämpfung. An Bord befindet sich ein 1200 Liter Tank, der in Sekunden über eine Klappe entleert werden kann, um Feuer zu löschen. Nach der Restaurierung durch polnische Spezialisten und technische

Abnahme, haben Flugzeugliebhaber Koldehofe schon 150000 Euro für die 3,3 Tonnen schwere Maschine geboten. Aber er denkt nicht an den Verkauf, im Gegenteil, er will das Flugzeug wieder voll einsatzbereit machen und auf Flugschauen vorführen. So wird er auch weiter am Himmel über Hellwege zu sehen sein, nicht immer zur Freude der Anwohner (wir berichteten), die sich über den Lärm der historischen Flieger ärgerten.

Am 11. und 12.September findet hin Hellwege wieder ein Flugtag auf dem Flugplatz statt. Highlights sind die Stampe Doppeldecker Formation, North American T6 mit Walter und Toni Eichhorn, die Yak 11, Pilatus P2, PZL M-21 Dromedar die Messerschmitt BF 108 Taifun und vieles mehr. Das Rahmenprogramm bietet Rundflüge, Kunstflug, Kids-Quads und Mini-Bagger. Am Sonnabend gibt es zur Fliegerparty ein Höhenfeuerwerk. Weitere Infos unter www.flugtag2010.de.

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