Federvieh mitsamt Stall Hühner zum Mieten

Man kann Wohnungen mieten, Autos, Werkzeuge oder eben Tiere. Seit Anfang des Jahres vermietet Ralf-Wigand Usbeck aus Achim in Niedersachsen wochenweise Hühner.
27.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Tina Hayessen

Man kann Wohnungen mieten, Autos, Werkzeuge oder eben Tiere. Seit Anfang des Jahres vermietet Ralf-Wigand Usbeck aus Achim in Niedersachsen wochenweise Hühner.

Ohne laut zu gackern, aber mit schnellen Schritten, eilen die Hühner auf ihren Besitzer zu, kaum dass er sich dem Zaun ihres Freigeheges nähert. Die Tiere sind gut vertraut mit ihrem Besitzer Ralf-Wigand Usbeck. Nur elf Hennen und einen Hahn hält er, kennt also jedes Federvieh persönlich. Die Tiere sind entsprechend zutraulich – und ahnen wohl kaum, dass sie zum neuen Geschäftsmodell des 58-jährigen Achimers gehören.

Usbeck arbeitet eigentlich in einer Softwarefirma, die Hühner hat er sich angeschafft, nachdem er vor zweieinhalb Jahren auf einen alten Bauernhof in Borstel gezogen ist. Hier gab es Platz für ein neues – und irgendwie auch altes – Hobby. „Ich bin mit Hühnern groß geworden“, erklärt Ralf-Wigand Usbeck.

Die Tiere seien pflegeleicht, findet deren Halter – und die Eier, die sie frisch auf den Tisch bringen, „sind einfach was ganz anderes als die aus dem Laden“. Doch Usbeck belässt es nicht dabei, die Vorteile von Hühnerhaltung zu loben. Die Leute sollen es selbst erleben, findet er. Und gründete deshalb das Unternehmen „Miete ein Huhn“. Für 85, beziehungsweise 75 Euro pro Woche kann man Mieter werden.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein paar Legehennen kommen samt kleinem Hühnerstall, Steckzaun, Streu, Futter und Tränke zum Kunden. Ein Rundum-sorglos-Paket für Interimshühnerhalter hält Usbeck parat. Die Mieter müssen lediglich ein paar Quadratmeter Garten haben, die Tiere füttern – und natürlich Eier einsammeln.

Wie spannend und gleichzeitig lehrreich das gerade für Kinder sein kann, hat Usbeck erst kürzlich erlebt, als Besuch im Haus war – und die kleine Tochter noch tagelang von den Hühnern erzählte. Jetzt, freut sich Usbeck, weiß die Kleine aus erster Hand, wo die Eier herkommen. Kinder, ist sich der Gründer sicher, sind ein wichtiger Teil seines Zielpublikums – auch Achimer Kindergärten hat er sein Angebot schon vorgestellt.

„Kinder bekommen einen ganz anderen Bezug zu Lebensmitteln, wenn sie sehen, wo die Eier herkommen“, betont Usbeck. Das Füttern und später das erwartungsfrohe Gefühl, wenn man die Kisten öffnet, um die Eier aufzulesen, sei jedem Kind zu gönnen. Schon deshalb, weil damit ein besonderer Respekt entstehe.

Bis nach Isernhagen

„An Halloween habe ich mitbekommen, wie Jugendliche Eier auf Fenster werfen“, erzählt Usbeck. Das würde wohl eher nicht passieren, wenn die jungen Menschen mitbekämen, wie viel Mühe hinter der Entstehung eines Eis steckt, glaubt er. Auch Seniorenheime, findet Usbeck, könnten sein Mietangebot gut nutzen. „Viele Ältere hatten früher selbst Hühner, das weckt Erinnerungen und stimmt positiv.“

Zu Beginn des Jahres ist Usbecks Projekt an den Start gegangen. Die ersten Mieter gibt es schon, es sind zwei Familien. „Eine kommt aus Achim“, verrät Usbeck. Die Familie sei einfach neugierig und wolle mal ein paar Wochen auf das Huhn kommen. Die andere Familie holt sich die Achimer Hühner ganz bis nach Isernhagen. „Die überlegen, sich selbst Hühner anzuschaffen und testen das mit meinen“, erklärt Usbeck.

„Erstmal ist das nur eine Nebentätigkeit“, erklärt Usbeck. Doch der Mann, von dem die ursprüngliche Idee stammt, vermiete inzwischen 50 Hühnerställe im Monat. Den Unternehmer aus Hessen habe er mit seiner Huhn-Vermiete-Idee im Fernsehen gesehen und sich gedacht: Das kann ich auch. Im Vorfeld habe er sich sogar den ein oder anderen Rat von dem Ideengeber holen können.

Ob es bei Usbeck auch so weit kommt, dass er mal von dem Huhn-Verleih leben kann, weiß er nicht. Darauf spekuliere er auf jeden Fall nicht, versichert er. „Reich wird man mit so etwas sicher nicht. Aber ich kann mit 58 Jahren durchaus schon auf das Rentenalter vorschauen“, gibt Usbeck zu bedenken. Eine Nebentätigkeit, die man mit in den Ruhestand nehmen kann, sei sicherlich auch nicht zu verachten.

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