Oberstufe an der IGS

Oberstufen-Pläne spalten die Politik

SPD, Grüne und WGA wollen die Vorbereitungen zur Einrichtung einer Oberstufe an der IGS vorantreiben. Bei der CDU stoßen diese Pläne allerdings nicht auf Gegenliebe. Und auch der Landrat zeigt sich skeptisch.
14.07.2020, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Oberstufen-Pläne spalten die Politik
Von Elina Hoepken

Oyten hat es vorgemacht und nun soll Achim folgen. So zumindest wünscht es sich die Schulleiterin der Achimer IGS, Kerstin Albes-Bielenberg. Die Rede ist von der Einführung einer Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule. Und Albes-Bielenberg hat in der vergangenen Woche erste positive Zeichen aus Teilen der Politik für dieses Vorhaben bekommen. Wie berichtet hatten SPD, Grüne und WGA ein gemeinsames Schreiben an den Achimer Bürgermeister verfasst, in dem sie die Vorbereitung der Einrichtung einer Oberstufe an der IGS beantragen.

„Wir haben uns in Achim für eine IGS entschieden, aber es ist erst wirklich eine Gesamtschule, wenn wir auch ein durchgängiges Schulangebot bis zur Oberstufe haben“, ist der Achimer SPD-Fraktionsvorsitzende Herfried Meyer überzeugt. „Der Antrag soll der Startschuss sein, um in die politischen Beratungen zu dem Thema einzusteigen“, erklärt er. Doch genau dieser Vorstoß stößt bei Heiko Oetjen, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, auf Widerstand. „Ich finde es doch schon sehr befremdlich, dass das gestartet wurde, ohne mit der Kreistagsfraktion zu sprechen“, kritisiert er. „Ich hätte erwartet, dass man erst einmal gemeinsam mit der Kreistagsfraktion schaut, ob es für das Vorhaben eine Mehrheit gibt.“

Landkreis redet ein Wörtchen mit

Zumal auch der Landkreis Verden der Einrichtung einer Oberstufe zustimmen müsste. Zwar hat dieser nach Angaben von Landrat Peter Bohlmann seine gesetzliche Zuständigkeit für die Real-, Haupt-, Ober- und Gesamtschulen auf die Städte und Gemeinden übertragen und ist nur noch für die Gymnasien, Berufs- und Förderschulen zuständig, „wenn es jedoch um Gründungen von Schulen oder signifikante Erweiterungen geht, muss der Landkreis als sogenannter geborener Schulträger zustimmen“.

Herfried Meyer indes hält eine Diskussion über das Für und Wider einer Oberstufe ohnehin noch für verfrüht. „Die Gespräche mit der Kreistagsfraktion werden wir sicherlich noch führen, aber erst einmal ging es uns darum, den Prozess ans Laufen zu bringen“, erklärt er das Vorgehen. Denn, dass dieser Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen wird, bestätigt auch Kerstin Albes-Bielenberg. „Wenn die ersten IGS-Schüler in die achte Klasse kommen, muss man anfangen“, sagt sie. Das sei in Achim ab dem kommenden Schuljahr der Fall.

Dreizügigkeit wird benötigt

Für die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS werde eine Dreizügigkeit benötigt. „Das wären etwa 60 Kinder pro Jahrgang. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dafür genügend Schüler zusammenkriegen würden.“ Und auch personell sei es kein Problem. „Wir haben schon aktuell 80 Prozent gymnasiale Lehrer an der Schule.“ Entsprechend zuversichtlich blickt sie auf die bald kommenden politischen Diskussionen zu dem Thema. „Letztlich ist es natürlich eine politische Entscheidung, ob die Oberstufe eingerichtet wird, aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagt Albes-Bielenberg.

Die Achimer CDU meldet sich zu den Plänen allerdings schon jetzt kritisch zu Wort. „Die Befürworter der Oberstufe an der Achimer IGS haben übersehen, dass die IGS in Achim eine ersetzende Schulform für die Haupt- und Realschule ist“, schreibt die CDU in einer Stellungnahme zu dem Thema. „Daher ist die CDU Achim auch der festen Überzeugung, besonders auf diese Jahrgänge der Sekundarstufe I das Augenmerk zu lenken.“ Die nicht unendlichen finanziellen Ressourcen im Haushalt müssten besonders im Sekundarstufe-I-Bereich eingesetzt werden. „Damit würde die IGS Achim sicherlich wesentlich attraktiver werden“, ist die CDU überzeugt. Die Schule sollte nach Meinung der CDU weniger den Schwerpunkt auf ein Abitur, als vielmehr auf gute Sekundarstufe-I-Abschlüsse legen, die eine gute Grundlage zur Ausbildung im Handwerk garantieren. „Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass die IGS mit ihrer Sekundarstufe I eine starke Schule wird. Die besonders Begabten werden dann sicher auch später auf den gymnasialen Oberstufen des Kreises ihren Weg machen“, appelliert die CDU.

Landrat ist kritisch

Und auch Landrat Peter Bohlmann sieht die Einrichtung einer Oberstufe an der Achimer IGS durchaus kritisch. „Ob der Kreistag zustimmen wird, ist mehr als fraglich, weil er bei seiner Zustimmung zur Oberstufe an der IGS Oyten davon ausging, dass diese perspektivisch auch von Schülerinnen und Schülern aus Achim besucht wird, um die Mindestgröße zu halten“, erklärt er das Problem. Diese Mindestgröße betrage drei Jahrgänge von jeweils 18 Schülerinnen und Schülern, die langfristig pro Jahr sichergestellt sein müssen – also 54 pro Jahrgang. „Bei Anmeldungen zwischen 70 und 90 Schülerinnen und Schülern an der IGS Achim und IGS Oyten würde das bedeuten, dass fast 70 Prozent zur Oberstufe gehen müssten“, rechnet Bohlmann vor. „Das ist auch deshalb unrealistisch, weil dies der Schülerzahl entspricht, die auch an den Gymnasien ihr Abitur machen.“ Zu empfehlen wäre aus seiner Sicht daher, dass sich die beiden Gesamtschulen auf die bestehende Oberstufe in Oyten konzentrieren, um so eine entsprechende Größe mit einem entsprechend guten Angebot zu erhalten.

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